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Andritz-CEO: „Investoren haben Rendite von 6.000 Prozent erzielt.“

Vor 25 Jahren ging Anlagenbauer Andritz an die Wiener Börse. Woanders wäre man nie so erfolgreich gewesen, sagt CEO Schönbeck.
Andritz-CEO Joachim Schönbeck sieht sein Unternehmen für die Zukunf robust aufgestellt.

Das Grazer Unternehmen Andritz hat 2001 seinen Börsengang in Wien hingelegt. Die Aktie ist ein langjähriger Fixpunkt im heimischen Index ATX. Anlässlich des Jubiläums hat CEO Joachim Schönberger über historische Erfolge und aktuelle Herausforderungen gesprochen.

KURIER: Andritz ist seit 25 Jahren an der Wiener Börse. Wie bedeutsam ist das für Ihr Unternehmen?

Joachim Schönbeck: Der Börsegang ist unter den vielen wichtigen Meilensteinen in unserer Geschichte ein ganz wichtiger. Er hat uns Zugang zu finanziellen Mitteln gegeben, um unsere Expansion zu betreiben. Vom Lizenzmaschinenbauer für Osteuropa haben wir uns so zu einem global tätigen Technologieunternehmen entwickelt. Man kann das nicht überschätzen. Seitdem wir an die Börse gegangen sind, haben wir unseren Umsatz verachtfacht auf 8 Milliarden Euro, unsere Belegschaft haben wir versiebenfacht und unser Ergebnis versechzehnfacht. 

Was haben Anleger verdient, die von Anfang an dabei waren?

Unsere Investoren haben in der Zeit eine Rendite von über 6.000 Prozent erzielt. Aber ich glaube, dass alle – Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre – in gleichem Maß vom Börsengang profitiert haben.  

Andritz-Zentrale in Graz: Schaltstelle für einen Konzern mit 280 Standorten weltweit.

Andritz-Zentrale in Graz: Schaltstelle für einen Konzern mit 280 Standorten weltweit.

Welche Relevanz hat denn die Wiener Börse als Plattform heute?

Ich glaube, dass es schon wichtig ist, dass wir lokale Börsen haben. Natürlich ist die Wiener Börse nicht mit der New York Stock Exchange vergleichbar, das sind andere Größenordnungen. Aber wir sind der Wiener Börse sehr dankbar. Woanders wäre der Börsengang 2001 nicht möglich gewesen.

Wieso nicht?

Weil wir zu klein und zu irrelevant waren. An einem größeren Börsenplatz hätten wir die Aufmerksamkeit nicht bekommen. Unser Börsengang kam ja zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt - direkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Der Appetit an der Börse war außerordentlich limitiert. Wir konnten nur mit dem speziellen Österreich-Aspekt erfolgreich sein. Das waren auch die klaren Signale, die wir damals von Banken bekommen haben. Es war eine schwierige Zeit, um Investoren zu gewinnen. Aber auch hier konnten wir uns auf unsere Belegschaft verlassen. 8 Prozent der Aktien sind an Mitarbeiter gegangen. Keiner hat es bereut. 

Zum aktuellen Geschäft: Wie wirkt sich die neue EU-Verpackungsverordnung auf Ihre wichtigste Sparte, Papier und Zellstoff, aus?

Zellstoff und Papier sehen wir als wichtigen Baustein zum Umbau der Wirtschaft. Sie haben das Potenzial, sehr viele Kunststoffanwendungen zu substituieren. Globale Ströme gehen genau in diese Richtung. Als meine Kinder klein waren, bestand eine Wegwerfwindel zu 100 Prozent aus ölbasierten Materialien. Heute sind sie zu 90 Prozent aus Zellstoff-Materialien und das wird noch weitergehen. Die EU-Verpackungsverordnung unterstützt diesen Effekt, aber wir sehen diese Tendenz auch außerhalb Europas. Für uns ist das förderlich.

Zellstoff-Trocknungsanlage von Andritz in Uruguay.

Zellstoff-Trocknungsanlage von Andritz in Uruguay.

Investieren Ihre Kunden nun massiv in Recyclinganlagen, um die vorgeschriebenen Quoten zu erfüllen?

Diesen Trend sehen wir ehrlicherweise nicht. Wahrscheinlich ist eine Verordnung, die weder voll ausgestaltet ist noch in allen Ländern in Kraft getreten ist, zu gering, um den derzeitigen Abschwung, den wir im Papiermarkt in Europa sehen, zu kompensieren. In den vergangenen zwei Jahren sind reihenweise Papierfabriken in Europa stillgelegt worden, weil der Bedarf niedrig ist. Jetzt ist eine Stabilisierung erreicht, aber die Richtlinie ist noch nicht stark genug, um den Branchentrend ändern zu können.

Viele Unternehmen sprechen derzeit über Resilienz. Welche Maßnahmen trifft Andritz, um widerstandsfähiger gegen globale Krisen zu werden?

Wenn man es genau betrachtet, ist die Wirtschaft seit sechs Jahren im Krisenmodus: Zuerst Covid, dann Ukraine, jetzt Iran. In dieser Zeit haben wir eines gemacht, was uns jetzt zugute kommt: Wir haben unseren Ansatz, Wertschöpfung dichter an unsere Kunden im Ausland zu bringen, konsequent verfolgt. Unsere Lieferketten sind stark regionalisiert und so sehr robust. Wir haben auch gelernt, vertragliche Vereinbarungen mit Kunden für den Krisenfall zu treffen.

Welchen Einfluss auf das Geschäft im Energiebereich erwarten Sie sich durch den nun erfolgten Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes?

Ich glaube, das ist ein superpositives Signal für den Investitionsstandort Österreich. Die Planungssicherheit und die Geschwindigkeit bei der Projektumsetzung kann dadurch deutlich erhöht werden. Das macht Projekte in Österreich wesentlich attraktiver.

Lehrstellen zu besetzen, fällt Andritz leichter als vor wenigen Jahren.

Lehrstellen zu besetzen, fällt Andritz leichter als vor wenigen Jahren.

Wie hilft Andritz die Industriestrategie?

Wir begrüßen sehr, dass eine Regierung den Mut hat, niederzuschreiben, was sie will. Österreich bei der Wettbewerbssituation in die Top 10 zu schieben, ist ein ambitioniertes Ziel. Wir wissen, dass es wichtig ist, ein Ziel zu definieren. Natürlich ist noch nicht alles umgesetzt oder zu Ende gedacht, aber es ist ein guter Anfang und wird Österreich auf jeden Fall helfen.

Werden Einsparungen im Bildungsbereich den Fachkräftemangel verstärken?

Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen wollen, müssen wir die Sparbemühungen verstärken. In welchen Bereichen wie viel gespart wird, würde ich der Weisheit der Regierung überlassen. Wir bauen momentan unsere Generatorproduktion stark aus und schaffen 350 neue Arbeitsplätze. Da haben wir einen guten Zulauf an Bewerbern. Das gilt auch für unsere Lehrstellen. Vor drei Jahren fanden wir kaum Interessenten, heute gibt es viel mehr Bewerber, als wir aufnehmen können.

Warum hat sich das so gewandelt?

Wir hatten damals eine andere Arbeitsmarktsituation. In vielen Branchen wurden Mitarbeiter eingestellt. Das hat sich deutlich verändert. Viele Arbeitsplätze wurden seitdem abgebaut. Das hat auch die Attraktivität der Arbeitsplätze, die wir anbieten, verändert. Bei unserem Börsengang wurden wir von einer Bank als „Fels in der Brandung“ beschrieben. Das trifft es ganz gut. Viele sehen, dass wir Jobs in guten und schlechten Zeiten anbieten. Unser Geschäftsmodell steht über Krisen hinweg als robust da.

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