AMS-Kopf: Vorurteile verschärfen Facharbeiter­man­gel

Johannes Kopf, AMS
Foto: Kurier/Juerg Christandl Johannes Kopf

AMS-Chef: "In wie vielen Jobinseraten steht drinnen dass keine Berufserfahrung erforderlich ist?"

"Wir erleben laufend, dass wir passende Personen bei uns haben, diese aber zu keinem Vorstellungsgespräch eingeladen werden weil sie über 50 Jahre alt sind", so die Erfahrung von AMS-Chef Johannes Kopf, der an die Unternehmen appelliert in Zeiten einer verstärkten Nachfrage nach Fachkräften aus eingefahrenen Denkmustern auszuscheren.

"Ich kann nur jedem Personalverantwortlichen raten, beim Posteingang den Nachnamen wegzulassen"

"Hier wird Gold zu ungenau gewaschen", so Kopf am Donnerstag vor Journalisten. Falsche Einschätzungen würden auch für die rund 117.000 Langzeitarbeitslosen und die 113.000 arbeitslosen ausländischen Staatsbürger den Weg in den Arbeitsmarkt erschweren. "Ich kann nur jedem Personalverantwortlichen raten, beim Posteingang den Nachnamen wegzulassen", so der Tipp von Kopf. Oftmals würde auch jungen ambitionierten Jobsuchenden der Einstieg in das Berufsleben durch die Eingangshürde in Stelleninseraten erschwert. "In wie vielen Jobinseraten steht drinnen, dass keine Berufserfahrung erforderlich ist?", so Kopf.

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Jobinserate seien oft schwer verständlich

Wobei die Probleme oft schon weit darunter liegen. Laut einer Umfrage von meinungsraum.at und lifecreator consulting (Sample: 500 Personen) sind knapp die Hälfte der Stelleninserate nur durchschnittlich bis wenig verständlich. Was manchmal auch daran liegt, dass eine offene Stelle für einen Lehrling genauso beworben wird wie ein Inserat für einen Managementposten, so Heinz Herczeg, Chef von lifecreator. Der Grund dafür: Alles werde der Corporate Identity untergeordnet, also dem einheitlichen optischen Auftritt der Firma nach außen, warnt Herczeg.

Interaktiv den potenziellen Arbeitgeber kennenlernen

Wie schwierig es ist, für neue Geschäftsfelder die passenden Fachkräfte zu finden, beschrieb heute Lukas Scherzenlehner, Vorstand der börsenotierten Cleen Energy, die seit drei Jahren auf dem Markt ist und Energiesparkonzepte für große Betriebe umsetzt. "Auf Jobmessen saßen wir zu 70 Prozent Bewerbern gegenüber, die mit unserer Firma nichts anfangen konnten", so seine Erfahrung. Er ist nun zu einer interaktiven Online-Lösung übergegangen, wo Interessierte auf ihren mobilen Endgeräten zum Beispiel gleich ihre potenziellen künftigen Arbeitskollegen kennenlernen können, Fachthemen in Videos leicht verständlich erklärt bekommen oder Referenzvideos von bekannten Kundenfirmen anklicken können.

(APA / sho) Erstellt am
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