Wirtschaft
03.06.2017

Abgasskandal: Durch neue Ermittlungen droht Audi-Managern Riesen-Ärger

In den dicken Audi-Brummern A7 und A8 ist eine unzulässige Abgasabschaltevorrichtung eingebaut worden. Diese Audi-Motoren sind auch in Porsche-Modellen verbaut.

Der Dieselskandal könnte auch für den Autobauer Audi und seine Chefetage um Rupert Stadler ein strafrechtliches Nachspiel haben. Nach dem Rückruf von 2,3 Millionen Modellen mit kleineren Motoren (z. B. A3 und A4, A6) müssen nun auch dicke Diesel-Brummer wie A7 und A8 in die Werkstatt. Offenbar ist bei 24.000 Fahrzeugen (3-Liter- und 4,2-Liter-Hubraum) mit bestimmten Automatikgetrieben eine Schummelsoftware" zur Abgasmanipulation eingebaut. Es geht um die Baujahre 2010 bis 2013. Rund 1700 Fahrzeuge sind in Österreich betroffen. Diese Limousinen (Abgas-Norm: Euro 5) blasen 20 bis 100 Prozent mehr Stickoxide aus als erlaubt. So viel gibt Audi zu. Die geringe betroffene Stückzahl ist eine Sache, viel schwerer wiegen die möglichen Konsequenzen. Im Raum steht der Verdacht des "Abgasbetrugs".

Tatort Deutschland

"Der Ermittlungsgegenstand war bisher der Verkauf von Audi-Modellen mit Drei-Liter-V6-Motoren auf dem US-Markt mit unzulässigen Abgas-Abschaltevorrichtungen", sagt Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich zum KURIER. "Da solche Fahrzeuge laut Verkehrsministerium auch auf dem deutschen und europäischen Markt gekommen sind, konnten wir jetzt einen Anfangsverdacht bejahen und haben einen Tatort in Deutschland."

Unbekannte Täter?

Bereits Mitte März hatten die Münchner Strafverfolger eine umfangreiche Razzia in der Audi-Zentrale in Ingolstadt durchgeführt. Die Ermittlungen laufen nach wie vor gegen unbekannte Täter, doch für die Audi-Führung könnte es am Ende des Tages eng werden. Doch das Management um Rupert Stadler weist alle Vorwürfe zurück.

Warum der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt bei den dicken Brummern solange untätig war, versteht man bei der Konsumentenschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht.

20-fachen Grenzwert-Überschreitung

"Wir haben schon vor eineinhalb Jahren Abgaswerte eines Audi A8 veröffentlicht. Der war zum damaligen Zeitpunkt der schmutzigste Diesel mit einer 20-fachen Grenzwert-Überschreitung", behauptet DUH-Chef Jürgen Resch. "Wir untersuchen gerade Fahrzeuge von Ministern und Ministerpräsidenten. Wir sind bei allen Herstellern auf Abgasspitzenwerte gestoßen, aber die Tests sind noch nicht abgeschlossen."

Porsche angeblich nicht betroffen?

Indes wurden diese 3-Liter- und 4,2-Liter-Motoren auch von Porsche verbaut – aber nicht betroffen. "Die von Audi gefertigten Motoren kommen bei Porsche zum Einsatz, sind aber fahrzeugtechnisch anders konzipiert", sagt Richard Mieling, Sprecher des Salzburger Generalimporteurs Porsche Holding." Auch habe die sogenannte "Lenkwinkel-Erkennung" nichts mit dem Abgasthema zu tun.

Der 15-Grad-Dreh?

"Auf der Prüfrolle gibt es keinen Eingriff ins Lenkrad. Wenn man aber beim Ausparken das Lenkrad mehr als 15 Grad einschlägt, schaltet das Fahrzeug in den Schmutz-Modus", behauptet Resch.

Porsche dementiert heftig. "Lenkbewegungen werden nicht verwendet, um einen Prüfstandsfahrzyklus zu erkennen", heißt es dazu aus Zuffenhausen. "Für den Fahrbetrieb ist es sinnvoll, verschiedene Fahrzeuginformationen wie Lenkbewegungen zu nutzen. So können wir die Schaltstrategie auf den sportlichen Charakter unserer Fahrzeuge abstimmen und verhindern, dass es in dynamisch gefahrenen Kurven zu ungewollten Schaltvorgängen kommt."