Lockdown längst zu Ende, Kurzarbeit bleibt

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
09/25/2020

Ab 1. Oktober: Was die neue Corona-Kurzarbeit bringt

Die Neuregelung sieht strengere Kriterien wie eine Mindestarbeitszeit von 30 Prozent vor. Arbeitnehmer müssen Weiterbildung annehmen.

von Anita Staudacher

Die aktuelle Regelung zur Corona-Kurzarbeit (Phase II) läuft am kommenden Mittwoch aus. Sie wird derzeit für knapp 296.000 Personen in Anspruch genommen, wobei die meisten Betroffenen aus der Industrie (140.000) und dem Tourismus (28.000) kommen. Die Kosten für den Staat sind beträchtlich und  inzwischen auf 4,7 Mrd. Euro angewachsen. 

Die Regierung hat daher gemeinsam mit den Sozialpartnern die bis dato sehr kulanten Regelungen für die Inanspruchnahme der Lohn-Subvention etwas verschärft. Die Corona-Kurzarbeit "Phase III" startet am Donnerstag, 1. Oktober. Für Neuanträge gelten dann etwa höhere Zugangshürden, eine längere Mindestarbeitszeit und eine Weiterbildungsbereitschaft für Arbeitnehmer. 

39 Prozent wollen beantragen

Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer wollen 39 Prozent der Unternehmen die neue Kurzarbeit beantragen. Die größte Nachfrage  gibt es in der Steiermark, Vorarlberg und Wien. Im Branchenvergleich liegt das Gastgewerbe mit 57 Prozent vorne, gefolgt von der an sich gut durch die Krise gekommenen Sparte Information und Consulting, wo jeder zweite Betrieb weiterhin auf Kurzarbeit setzen will. 

Die sechs wichtigsten Punkte der Kurzarbeit Phase III: 

1. Arbeitszeit

Die Arbeitszeit kann auf 30  bis 80 Prozent reduziert werden. Der Durchrechnungszeitraum beträgt sechs Monate, kann aber auch für eine kürzere Zeit beantragt werden.  Damit ist der Spielraum etwas geringer als bisher. Eine Sonderregelung gibt es für die Stadthotellerie. Sie kann die Arbeitszeit auch auf unter 30 Prozent reduzieren. Die Arbeitgeber zahlen nur die Kosten für die tatsächlich geleistete Arbeit. Das AMS übernimmt die Mehrkosten für die entfallenen Arbeitsstunden und die Lohnnebenkosten. Die Arbeitnehmer müssen spätestens drei Tage im vorhinein über die Kurzarbeit informiert werden. 
 
2. Gute Gründe

Für die Genehmigung  der Kurzarbeit bleibt muss die wirtschaftliche Betroffenheit anhand eines standardisierten Verfahrens  nachgewiesen werden. Dafür ist eine Prognoserechnung vorzulegen. Wird Kurzarbeit für mehr als fünf Arbeitnehmer beantragt, muss ein Steuerberater die Angaben bestätigen. 

3. Gehaltshöhe 

Arbeitnehmer erhalten weiterhin 80, 85 oder 90 Prozent  des Nettolohns vor der Kurzarbeit. Lohnerhöhungen wie  KV-Erhöhungen oder Gehaltsvorrückungen werden bei der Kurzarbeit berücksichtigt.  

4. Weiterbildung

Für Arbeitnehmer besteht eine verpflichtende Weiterbildungsbereitschaft in der Nicht-Arbeitszeit. Die Weiterbildung findet in der vom AMS vergüteten Ausfallszeit statt und wird durch das AMS gemeinsam mit dem Betrieb abgewickelt. Die Weiterbildung kann  bei Bedarf des Unternehmens unterbrochen werden. In diesem Fall können Arbeitnehmer diese binnen 18 Monaten nachholen. 

Die Wirtschaftskammer nennt ein Praxisbeispiel: Oktober, November jeweils 100% Ausbildung, 0% Arbeit; Dezember, Jänner, Februar jeweils 60% Arbeit. Im Schnitt 64% förderbare Ausfallstunden. Die monatliche Bezahlung erfolgt in der Höhe der Nettoersatzrate (80/85/90 %), weil die durchschnittliche Arbeitszeit 76% beträgt.

5. Behaltefrist

Wie bisher müssen die Mitarbeiter nach Beendigung der Kurzarbeit zumindest für einen Monat weiterbeschäftigt werden. In Ausnahmefälle, etwa wenn der Betrieb als Ganzes bedroht ist, kann es auch schon früher Kündigungen geben. 

6. Lehrlinge

Die Kurzarbeit für Lehrlinge ist nur noch möglich, wenn die Ausbildung sichergestellt ist. Konkret müssen mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit, die im Kurzarbeitszeitraum anfallen, für Ausbildung genutzt werden. Beträgt die Arbeitszeit im Kurzarbeits-Zeitraum weniger als 80 Prozent, ist am Ende der Kurzarbeit im Durchführungsbericht darzulegen, welche Maßnahmen je Lehrling in welchem Ausmaß stattgefunden haben.

Weitere detaillierte Infos zur Corona-Kurzarbeit Phase III gibt es auf den Seiten von Wirtschaftskammer und AMS sowie Arbeitsministerium

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.