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Wirtschaft
12/31/2021

2022 wird gut, aber nicht (mehr) fulminant

Nach einem fantastischen Jahr sind Analysten auch für das neue Jahr zuversichtlich. Heuer legte ein Großteil der Indizes stark zu. Vorne mit dabei auch der Wiener ATX mit plus 39,6 Prozent.

von Anita Kiefer

Es war das Jahr der Börsen. Und es war ganz besonders das Jahr des ATX: Ganze 39,6 Prozent (Stand: 29. 12.) legte der heimische Aktienindex im Jahresverlauf zu. Dass gerade der ATX besonders floriert, war für Analysten keine Überraschung.

„Die Wiener Börse verliert in Abschwungphasen normalerweise deutlich mehr. Das liegt an der hohen zyklischen Komponente des ATX“, erklärt Fritz Mostböck, Leiter des Bereichs Group Research der Erste Group Bank AG – und meint die hohe Gewichtung von Finanzen, Banken und Versicherungen. „Heuer gab es eine deutlich bessere Performance als an anderen Märkten. Damit haben wir gerechnet.“ Nicht erwartet habe man, dass auch die anderen Indizes so stark performen.

"Ein super Börsenjahr"

Die Deutlichkeit der ATX-Zuwächse überraschten aber schon. Bei den deutschen Nachbarn performte der DAX etwa mit plus 15,6 Prozent nicht annähernd so gut wie der ATX. Und der heimische Index liegt auch vor den bekannten US-Indizes Nasdaq Composite und S&P 500 (siehe Grafik). Innerhalb des ATX konnten Banken am deutlichsten zulegen: Unter den Top 5 sind drei Banken (Addiko Bank auf Platz eins sowie Erste Group und RBI).

Die vergangenen Tage und Wochen waren an den Börsen „etwas volatiler“, dennoch war das Börsenjahr „super“, sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin bei der UniCredit Bank Austria. Angeschoben durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die geldpolitische Unterstützung.

Unbekannte: Omikron

Schwierig ist die Prognose für 2022. Denn „die Omikron-Variante erhöht die Unsicherheit ganz beträchtlich“, sagt Martin Lück, Leiter der Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei der US-Investmentgesellschaft BlackRock. Seine Vermutung ist, dass „die Reihenfolge, die wir bisher im ökonomischen Neustart gesehen haben, auch im Frühjahr 2022 sichtbar wird.“ Demnach wird China am stärksten wachsen.

Auf Platz zwei sieht er Amerika – „auch, wenn da die Omikron-Unsicherheit groß ist“. Dahinter Europa. „Was wir noch nicht wissen ist, was in den Schwellenländern passieren wird. Bisher wurde hier nicht so gut auf Ausbrüche reagiert – ich denke hier an Brasilien und Indien.“

Wie sich unter den Vorzeichen Omikrons die Börsen entwickeln werden? Sobald die Pandemie endemisch wird, würden die sogenannten Pandemie-Verlierer wie Airlines und die Reisebranche allgemein wieder zulegen, so Lücks Prognose. Darauf zu spekulieren, da wäre Fritz Mostböck von der Erste Group aber „vorsichtig“: Man könne “solche Titel mit zehn Prozent beimischen.“

Wachstumsunternehmen

Mostböck rechnet damit, dass das Onlinegeschäft auch 2022 gut laufen werde, was die entsprechenden Tech-Unternehmen begünstigt. Wachstumsunternehmen könnten angesichts hoher Bewertungen aber nach unten korrigieren. Bereiche wie die Autoindustrie würden wohl profitieren, wenn die Realwirtschaft wieder in normale Bahnen gelenkt ist. Er sieht auch einen Wandel „in Richtung ESG-Investments (Environment, Social, Governance; Anm.)“.

Und die Rohstoffe? „Die Knappheiten an Rohstoffen und Halbleitern dürften sich auflösen“, schätzt Lück von BlackRock, „wenn auch nicht vollständig.“ Dies werde wohl dazu beitragen, dass die Inflation zurückgeht und „wir Ende 2022 in einer Größenordnung von zwei Prozent in Europa liegen werden. Die EZB wird also vermutlich recht behalten.“

Zinspolitik

Er kann sowohl den Umgang der amerikanischen Zentralbank FED (leichte Anhebung der Leitzinsen) als auch der EZB in Europa (keine Zinswende) mit den Zinsen nachvollziehen. „Ich vermisse bei der Kritik an der EZB immer die Alternative – hätte man den Euro implodieren lassen sollen?“ Wann es eine Zinsanhebung in Europa geben könnte? Chefanalystin Rosen-Philipp: „Wir als Bank Austria erwarten nicht vor 2024 eine Zinserhöhung in der Eurozone.“

Varianten & Inflation

Für Rosen-Philipp spannend sei, inwieweit neue Virusvarianten inflationsdämpfend sind. „Es gibt erste Stimmen, die darüber nachdenken, ob diese Varianten inflationsdämpfend oder -treibend sind.“ Denn neben der Behinderung der Lieferketten werde in Lockdowns als Ersatz zu Reisen und Events in Teilbereichen mehr konsumiert. Ein solches Spannungsfeld wirke eher „anschiebend für die Inflation“.

Der Blick auf 2022 bleibe trotz Omikron ein positiver, sagt Lück. „Wir bleiben in den Aktien übergewichtet. Wir glauben, dass die Aktien sich positiv und die Anleihen negativ entwickeln. Dass das zwei Jahre in Folge passiert, ist sehr ungewöhnlich.“ Der Rückenwind durch stark niedrige Realzinsen werde geringer werden. „Deswegen werden die Zugewinne nicht mehr so sportlich aussehen wie heuer.“

Gute Nerven braucht es wohl auch 2022 am Krypotwährungsmarkt. Die bekannteste Kryptowährung Bitcoin hatte heuer mit rund 63 Prozent aufs Jahr gesehen satte Gewinne, war im Verlauf aber starken Schwankungen unterlegen.

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