Viele fotografieren ihr Essen für Instagram.

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Was Foodporn für die Figur tut
03/16/2017

Was Foodporn für die Figur tut

Auf Instagram gehören sie zum guten Ton: perfekt drapierte Essensbilder. Wie der hippe Netz-Trend beim Abnehmen helfen kann, erklären US-Forscher.

von Marlene Patsalidis

Liegt der Avocado-Toast richtig? Stimmt der Winkel? Passt das Licht? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich passionierte Instagrammer fast täglich – in jedem Fall bei jeder Mahlzeit. Was wie ein auf Ästhetik und möglichst viele Likes ausgerichtetes, oberflächliches Phänomen wirkt, haben US-Forscher als Schlüssel zum Abnehmerfolg identifiziert.

Im Fachblatt Nutrients berichten die Wissenschafter von ihren Erkenntnissen, die die Relevanz "bildbasierter Ernährungsbewertungen" belegen. Im Rahmen einer Untersuchung mit 114 Studenten der Ernährungswissenschaft aus den USA und Australien zeigte sich, dass rund 80 Prozent der Probanden die Essensart und die grobe Zutatenzusammensetzung auf vorgelegten Bildern erkennen konnten.

Erinnerung oft fehlerhaft

Für Mary Cluskey, Studienleiterin, selbst ausgebildete Ernährungswissenschafterin und Professorin an der Oregon State University, ist dieses Ergebnis vor allem für Menschen mit Übergewicht oder Diabetes von Bedeutung. Lassen sich Betroffene beraten, werden meist die gängigen Ernährungsgewohnheiten abgefragt. Die Erinnerung der Patienten ist jedoch oft fehlerhaft. Hier könnten Bilder hilfreich sein. "Wenn mich ein Patient besucht, dann bin auf seine Erinnerungen an das Gegessene beziehungsweise Portionsgrößen und Zutaten angewiesen. Hier kann viel falsch laufen", erklärt Cluskey. Essensfotos könnten nicht nur der Erinnerung auf die Sprünge sondern auch dem Experten beim Formulieren gezielter Nachfragen zu einzelnen Komponenten der Speisen helfen. Außerdem werde so eine spielerische Komponente in die Beschäftigung mit der eigenen Ernährung integriert.

Exakte Ernährungstracker?

Apps, die als Ernährungstracker fungieren, gibt es mittlerweile zu Hauf. Auch Ernährungstagebücher, die offline funktionieren, werden im Rahmen von Diät-Beratungen oft vorgeschlagen. Doch sind derartige Protokolle die Mühe überhaupt wert? Durchaus, meint Univ.-Prof. Jürgen König, Leiter des Department für Ernährungswissenschaften an der Uni Wien.

"Grundsätzlich gilt: Wenn man sich mit dem Thema Ernährung auseinandersetzt, sollte man einen passenden Aufzeichnungsmodus finden. Wie man des macht, ist egal, aber eine App ist sicherlich ganz hilfreich. Allein durch die Auseinandersetzung eben durch Fotografieren oder Aufschreiben bekommt man ein gutes Gespür und so manchen Aha-Erlebnisse, wenn man sich bewusst wird, was man alles zu sich nimmt", betont König. Allein diese Selbstbeobachtung kann bereits kleine Veränderungen ermöglichen die Großes bewirken.

Jeder müsse letztendlich für sich entscheiden, was am meisten hilft. Eine App sei aber kein Muss. "Was diese Apps allesamt nicht können, ist Bilder automatisch auszuwerten. Es gibt zwar Versuche derartige Technologien auf den Markt zu bringen, bisher kann man Mengen und Kalorien aber nur grob abschätzen. Detaillierter kann man das noch nicht auswerten", erklärt der Experte weiter.

Allgemein bewertet König die Erkenntnisse der Studie als bereits bekannte Empfehlungen. "Bei unseren Erhebungen für den alle vier Jahre erscheinenden Österreichischen Ernährungsbericht legen wir den Menschen ebenfalls Bilder zur Orientierung vor. In unseren Fotobüchern finden sich Abbildungen von verschiedensten Lebensmitteln, die auch mit einem Maßstab, zum Beispiel Besteck, versehen sind. So können die Teilnehmer zeigen, was und vor allem wie viel sie gegessen haben."

Der Kochlöffel hilft

Während die Speisen an sich von der überwiegenden Mehrheit der Studienteilnehmer korrekt benannt werden konnte, hatten die Studenten bei der der Kalorienanzahl, Portionsgrößen und der Mengenangabe Schwierigkeiten. Lediglich 38 Prozent konnte zutreffende Angaben machen. Spannend: Je öfter die Probanden daheim nach Rezept kochten und das Essen auch selbst portionierten, desto höher war die Übereinstimmung ihrer Angaben mit den tatsächlichen Mengen.

Dass der praktische Umgang mit Nahrung, also das selbstständige Zubereiten von Speisen, das Einschätzungsvermögen schärfen kann, bestätigt auch König: "Wenn man selber kocht und Rezepte umsetzt, bekommt man ein Feingefühl dafür, wie viel was ist. Das ist reine Übungssache. Man geht einfach anders mit Lebensmitteln um. Unsere Gesellschaft schaut zwar gerne Kochsendung, beim selbstständigen Kochen fehlt uns aber oft die Übung." Um Kalorienmengen abschätzen zu können, müsse man sich allerdings intensiver mit der Thematik befassen.

Einfach achtsam sein

Die Essenskontrolle im Alltag steht und fällt jedenfalls mit der bewussten Auseinandersetzung mit Nahrung und Nahrungsaufnahme. "Man muss sich einfach bewusst machen, was man isst – nicht nur nebenbei und zwischendurch essen. Das setzt sich im Hirn nicht fest", meint König. Es gebe auch Studien die zeigen, dass das Gedächtnis bei der Erinnerung an Nahrungsaufnahmen trügerisch sein kann. "Wenn man Menschen fragt, können sie sich entweder nicht gut erinnern, oder sie erinnern sich an Nahrungsmittel, die sie nie gegessen haben." Soziale Verträglichkeit oder gewisse Essensschemata, die zur Gewohnheit geworden sind, spielen hier mit.

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