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Phänomen
07/26/2016

Foodporn: Kulinarische Zeigelust

Ein bisschen dekadent, ein bisschen ungesund: Essensbilder faszinierten immer schon.

#Foodporn liegt nach wie vor im Trend. Menschen fotografieren, was sie essen und posten Foodpics in den sozialen Medien – und das kommt oft besser als Baby-, Katzen- oder Hundefotos. Der Hype hat auch eine soziokulturelle Dimension: Mit den Pics demonstrieren wir Stil, Lebensstil, Hedonismus, aber auch eine Haltung. Die millionenfach geposteten Fress-Fotos sind ein Lifestyle-Statement: Ich esse, also bin ich.

Viel Brot und Fleisch - wenig Gemüse

Interessanterweise scheut sich dabei niemand, Bilder von ungesunden, fetten Speisen zu posten. Im Gegenteil: Ungesundes Essen gibt den gewissen Kick. Das hat Geschichte, wie jetzt Forscher der Cornell University herausgefunden haben: Ungesundes Essen übt schon lange eine große Anziehungskraft auf uns aus. Die Wissenschaftler haben Gemälde von Essen aus den vergangenen 500 Jahren ausgewertet und fanden, wovon Ernährungsexperten heute abraten: Salz, Fleisch und Brot in Hülle und Fülle. Zu viel Brot und Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse: Diese eher ungesunden Vorlieben sind keine neue Erscheinung. Brian Wansink und seine Kollegen vom Cornell Food and Brand Lab entdeckten die gleiche Schieflage, als sie Renaissance-Gemälde von Familienmahlzeiten untersuchten. Von den 36 Bildern zeigten 31 Brot, 22 Fleisch und nur acht Gemüse. Dabei spiegelte die Darstellung keineswegs wider, welche Nahrungsmittel einfach zu bekommen waren, wie die Cornell University am Dienstag mitteilte. Das am häufigsten gemalte Gemüse war beispielsweise die Artischocke, die häufigste Frucht die Zitrone und das häufigste Fleisch waren Krustentiere wie Hummer.

Raritäten-Show

Gezeigt wurden also eher Nahrungsmittel, die selten und schwer zu beschaffen waren und daher als luxuriös galten oder ästhetisch ansprechend waren – ähnlich wie heute Fotos von besonders aufwendigen oder optisch reizvollen Gerichten unter dem Hashtag "#FoodPorn" über soziale Netzwerke geteilt werden. "Unsere Liebesaffäre mit visuell ansprechenden, dekadenten oder statusträchtigen Lebensmitteln ist nichts Neues. Sie war schon vor 500 Jahren etabliert", kommentierte Studienautor Andrew Weislogel vom Johnson Museum of Art der Cornell University in der Mitteilung. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Forscher im FachjournalSage Open.