Leben
04.09.2016

Something about Food: Das etwas andere Foodporn

Essen wird immer öfter zu kreativen Gebilden stilisiert. Damit rückt die primäre Funktion der Nahrungsaufnahme immer stärker in den Hintergrund. Eine russische Künstlerin hat sich der Thematik angenommen.

Ansprechende Farbkombinationen, kontrastierende Texturen, perfekte Präsentation - seit Foodporn das Internet erobert hat, isst nicht nur das Auge, sondern auch die Smartphonekamera ständig mit. Der Trend weg von Nahrung als Mittel zum Zweck der Hungerbändigung und hin zu einer Abstrahierung des Essens schreitet daher beständig voran. Genau diese Tendenz hat die russische Künstlerin Joanna Keler in ihrem Fotoprojekt "Something about Food" abgebildet.

Essen auf der Meta-Ebene

"Essen hat schon lange nicht mehr seine ursprüngliche Funktion", so Keler gegenüber dem KURIER. "Wenn Menschen heutzutage in ein Restaurant kommen, dann denken sie meist gar nicht mehr an das Hungergefühl, sondern vielmehr über die Ästhetik der Speisen nach."

Sie selbst habe lange in Kaffeehäusern und Restaurants gearbeitet und sei fasziniert von dieser Beobachtung gewesen. "Einige dieser Beobachtungen beeindrucken mich noch heute. Es gab sogar Leute, die ihre Mahlzeit nach der Farbkombination der Zutaten aussuchten", so die Künstlerin, die bereits seit ihrer Kindheit eine Leidenschaft für Kunst hegt. Weitaus öfter würden Kunden ihre Bestellung jedoch nach der Beliebtheit des Gerichts auswählen, um es mit ähnlichen Gerichten in anderen Restaurants zu vergleichen.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus der Fülle von Beobachtungen der Wunsch nach einer künstlerischen Umsetzung. "Als ich bemerkte, dass Nahrung immer öfter einem Style-Regime unterworfen wird, entschied ich Essen als Fashion-Statement zu inszenieren."

Dabei herausgekommen sind reduzierte Aufnahmen von Menschen vor hellem Hintergrund. Die abgebildeten Personen agieren als Träger der eigentlichen Kunstobjekte: Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch.

Der Mensch als Motiv

Künstlerisch befasst sich die junge Frau mit der Realität des Menschen. Dabei fasst sie vor allem menschliche Verhaltensweisen, Eigenheiten, Wünsche und Quellen der Inspiration ins Auge. "Ich interessiere mich für die Realität der Menschen - was sie antreibt, was sie sich wünschen, was sie inspiriert und wie sie in der Gesellschaft vorankommen."

Einen Überblick über die Werke der Künstlerin finden Sie hier.