Wellness
10.11.2017

Warum können wir uns selbst nicht kitzeln?

Wer schon einmal versucht hat, sich selbst zu kitzeln, weiß: Es funktioniert nicht. Doch woran liegt das?

Egal ob an den Füßen, unter den Achseln oder am Hals: Fast jeder Mensch ist an einer bestimmten Körperstelle kitzelig. Berührungen von anderen werden dort als besonders intensiv bis unangenehm wahrgenommen. Die automatische Folge: Man beginnt zu lachen, zuckt unwillkürlich und versucht sich möglichst rasch aus den Fängen des "Angreifers" zu befreien.

Sich selbst zu kitzeln scheint jedoch unmöglich. Eine mögliche Erklärung dafür liefert Maike Hesse, leitende Oberärztin am Zentrum für Neurologie und Psychiatrie an der Uniklinik Köln, im Gespräch mit der Apotheken Umschau. "Das Gehirn bildet nicht einfach nur passiv äußere Reize wie auf einer Leinwand oder einem Film ab, sondern schafft sich bereits im Voraus mithilfe von Vorerfahrungen, Vorhersagen und Erwartungen aktiv ein Bild unserer Umwelt", erklärt Hesse. Überraschende Reize würden daher eher unsere Aufmerksamkeit erregen, während Reize, die wir selber kognitiv planen und ausführen, als unwichtig eingeordnet werden - und somit auch keine Reaktion hervorrufen. Diese Auslese diene dazu, relevante und potenziell gefährliche Reize aus der Flut der Sinneseindrücke herauszufiltern, um rechtzeitig handeln zu können.

Was beim Kitzeln passiert

Erklärbar ist die Reaktion des Menschen auf das Kitzeln durch folgende Theorie: Experten gehen davon aus, dass die körperliche Reaktion dazu dient, sich selbst zu schützen. Sobald die Nerven die Berührungen auf der Haut an das Gehirn weiterleiten, wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt, da der Reiz von einer gefährlichen Quelle, wie beispielsweise einer Spinne, ausgehen und damit bedrohlich sein könnte. Durch die reflexartigen Bewegungen soll der Eindringling abgewehrt werden.

Sinn macht diese Theorie auch als Erklärungsmodell dafür, warum wir an Füßen oder am Bauch besonders kitzelig sind. Unter der Bauchdecke liegen wichtige innere Organe, die Füße sind am Boden vielen Gefahren ausgesetzt. Diese Körperregionen bedürfen also speziellem Schutz.

Die Anzahl der Sinneszellen der jeweiligen Körperregion spielt wohl keine wesentliche Rolle. "Sonst müssten wir an den Händen besonders kitzelig sein, wo unser Tastempfinden sehr sensibel ist", betont Hesse.