Wellness
01.04.2017

Wo die Menschen mit den gesündesten Herzen leben

Forscher attestieren einem indigenen Volk aus dem bolivischen Amazonasgebiet eine ausgezeichnete Herzgesundheit – und betreiben Ursachenforschung.

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems stellen in westlichen Industrieländern – und somit auch in Österreich – mit rund 45 Prozent aller Todesfälle die häufigste Todesursache dar. Weltweit sterben jährlich rund 17,3 Millionen Menschen an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Schätzungen prognostizieren einen Anstieg auf bis zu 23,6 Millionen im Jahr 2030.

Hauptursache dieser Erkrankungen ist die Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt. Sie beschreibt einen Alterungsprozess der Gefäße, in dessen Folge es zu einem Elastizitätsverlust der Arterienwand und/oder zu einer Einengung des Gefäßdurchmessers kommt. Neben genetischen, sozialen und psychischen Faktoren sowie Stress, zählen Rauchen, Fehlernährung, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkoholkonsum zu den größten Risikofaktoren.

Der Tsimane-Stamm

Forscher der Universität von Mexiko haben nun eine Studie über die Gesundheit der Mitglieder des indigenen Tsimane-Stammes im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. In ihrem Forschungsbericht erklärt Studienleiter Hillard Kaplan vom anthropologischen Institut der Universität die bolivianischen Tsimane zur gesündesten je gefundenen Menschenpopulation – in puncto Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen. Die Studie ist Teil des seit 2002 laufenden Tsimane Life History and Health Project. Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich gezeigt, dass die Menschen über eine besonders gute Herzgesundheit verfügen.

Um zu verstehen, welche Lebensgewohnheiten Arteriosklerose in westlichen Industrieländern begünstigen beziehungsweise die Arterien der Tsimane gesund halten, untersuchten die Forscher die Mitglieder des bolivischen Amazonasstammes umfassend. Auch der Lebensstil der Menschen, der auf der Selbstversorgung durch Jagen und Sammeln, Fischerei und landwirtschaftlichen Anbau basiert, wurde analysiert.

Insgesamt wurden 705 Frauen und Männer untersucht. Es zeigte sich: Die Blutgefäße der über 80-Jährigen Stammesmitglieder waren mit denen eines etwa 50-Jährigen aus den USA vergleichbar. Und: 85 Prozent der Studienteilnehmer wiesen keinerlei Anzeichen für Herzkrankheiten auf. Nur 14 Prozent der US-Amerikaner zwischen 45 und 84 sind in dieser Hinsicht derart gesund.

Äußerst gesunde Herzen

Nahezu alle für die Herzgesundheit ausschlaggebenden Werte fallen bei den Tsimane besser aus als in Europa und den USA. Leidlich die Entzündungswerte im Blut der Menschen sind erhöht. Dies sei den Forschern zufolge auf Infektionen zurückzuführen, die durch den tropischen Lebensraum und die dort vorkommenden Parasiten begünstigt vermehrt auftreten.

Als Grund für die außerordentlich gute Herzgesundheit der Menschen vermuten die Forscher den Lebensstil der Menschen, der sich konkret durch eine fettarme (14 Prozent), kohlenhydratreiche (72 Prozent), eiweißarme (14 Prozent) Ernährung und viel Bewegung auszeichnet. Zudem verzichten die Stammesmitglieder auf Zigaretten, essen viel Rohkost, unbehandelte Lebensmittel und wenig Fleisch – offenbar das perfekte Rezept für ein gesundes Herz.