Wellness
18.04.2017

Projekt hilft Frauen mit Essstörungen sich einzukleiden

Der Genesungsweg aus der Essstörung ist ein beschwerlicher. Eine gemeinnützige Organisation greift Frauen modisch unter die Arme.

Eine Essstörung zu besiegen erfordert Kraft, Mut und Kampfgeist. Eine der größten, oft unterschätzten, Herausforderungen dabei: Den Kleiderschrank während und nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Erkrankung neu zu gestalten.

Eine Initiative namens The Garmet Project stellt Frauen in den USA kostenlos Kleidung zur Verfügung. Das Besondere daran: Die Teile sind neuwertig und enthalten keine innen eingenähten Größenetiketten. Seit Februar dieses Jahres ermöglicht die in der Stadt Pittsburgh gegründete Organisation Betroffenen so einen frischen, unbelasteten Start ins gesunde Leben ohne Essstörung. "Das hat bisher gefehlt, niemand sonst stellt so etwas zur Verfügung", erklärt Mitgründerin Erin Drischler gegenüber dem Online-Portal Mashable.

Kein Fokus auf die Kleidergröße

Mit der bewussten Entfernung der Größenaufnäher will man den Fokus weg von der Kleidergröße und hin zum gesunden Wohlfühlerlebnis lenken. Oft können entsprechende Angaben über die Konfektionsgröße bei ehemals Erkrankten Erinnerungen triggern oder gar Rückfälle auslösen.

Die Idee für die Initiative kam der US-Amerikanerin im Kontext ihrer eigenen Erkrankung. 14 Jahre lang litt sie an einer Essstörung, mit Anfang 20 gelang es ihr nach einer mehrwöchigen Intensivbehandlung langsam aber erfolgreich ein normales Verhältnis zu Essen und ihrem Körper aufzubauen.

Zusammen mit ihrem Verlobten Jordan Tomb rief sie nun kürzlich The Garmet Project ins Leben. Auch nach ihrer Genesung habe sie ihrer "Kleidung immer noch zu viel Macht über ihre Heilungskräfte gegeben". "Mein Schrank enthielt verschiedene Größen, da mein Gewicht während meines Kampfes stark schwankte. Teile, die noch immer passten ließen mich panisch werden und lösten aufgrund des Größenaufnähers Unbehagen aus", beschreibt Drischler. Auch das Shoppen neuer Kleidung sei aufgrund der stets sichtbaren Konfektionsgrößen problematisch gewesen.

Paket für den Neubeginn

Zusammen mit (derzeit sechs) Behandlungszentren im ganzen Land versuchen die beiden Gründer Frauen diese Rückschläge zu ersparen. Ist eine Patientin auf dem Weg der Besserung, werden ihre Maße an The Garmet Project übermittelt. Durch Kooperationen mit Kleidungsgeschäften und Modeboutiquen wird dann ein Paket mit diversen Basics zusammengestellt, inklusive T-Shirts, BHs, Unterwäsche und Jeans. Dieses wird der Patientin dann zusammen mit einer ausgewählten Liste an Anlaufstellen für den Einkauf weiterer Kleidungsstücke kostenlos zugestellt. Sollte etwas nicht gefallen oder passen, kann das Teil gratis zurückgeschickt werden.

In Zukunft sollen auch Kleidungspakete für Männer zusammengestellt werden. Die Zusammenarbeit mit weiteren Behandlungszentren soll ebenso angegangen werden.

Dramatischer Anstieg bei Essstörungen

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der von Essstörung Betroffenen verzehnfacht. 90 bis 97 Prozent sind Mädchen beziehungsweise junge Frauen. 200.000 Österreicher und Österreicherinnen waren laut Gesundheitsministerium zumindest einmal in ihrem Leben von einer Essstörung betroffen. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein.

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