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Wellness | Sorglosessen
09/04/2016

Eva Fischer: Wie Essen das Leben verändern kann

Am 5. September kommt das Buch "Life changing food" von Food-Bloggerin Eva Fischer in den Handel. Im Interview mit dem KURIER spricht die Autorin über ihr neues Buch und darüber, wie sie durch ihre Glutenunverträglichkeit zu neuen Wegen bei der Ernährung inspiriert wurde.

KURIER: Was bedeutet gute, gesunde Ernährung für Sie?

Eva Fischer: Ausgewogenheit, viele Nährstoffe, gute Qualität – und am besten bio. Auch eine möglichst große Vielfalt und interessante Geschmackskombinationen sind für mich ein Teil davon. Essen, das viele Antioxidantien enthält, wie beispielsweise Superfoods, ist ebenfalls ein essentieller Bestandteil davon.

Auf Ihrer Homepage berichten Sie, dass Ihr Interesse für Ernährung und Lebensmittel aufkam, als bei Ihnen Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) diagnostiziert wurde. Wie hat diese Diagnose Ihr Leben verändert?

Zunächst wurde endlich Klarheit geschaffen, woher mein Eisenmangel kam und was der Grund für meine teils undefinierbaren gesundheitlichen Probleme war. Dann musste ich aber reagieren und von einem Tag auf den anderen meine Ernährung umstellen, Beliebtes und Gewohntes vom Speisezettel streichen und mich mit der Allergie auseinandersetzen. Die Akzeptanz der Einschränkung dauerte eine Weile, aber der Umgang mit neuen Zutaten und Zubereitungsarten eröffneten mir auch eine andere Genusswelt. Zudem erfolgte durch die Nahrungsumstellung eine deutliche gesundheitliche Verbesserung. Ich wechselte auch mein Studium von Tourismus- auf Gesundheitsmanagement. Begleitend zu meinem ersten Job beim Unternehmen Kochabo absolvierte ich die Ausbildung zum Ernährungscoach und startete meinen Foodblog Foodtastic. Ich folgte damit meinem Credo "When life gives you lemons, make lemonade". Ich war fast trotzig entschlossen, meine Kreativität positiv zu nutzen und mich von einer Krankheit oder Einschränkung nicht unterkriegen zu lassen.

Was raten Sie Menschen, die wie Sie an einer Glutenunverträglichkeit leiden?

Es nicht so groß zu machen und nicht als unüberwindbare Einschränkung zu sehen. Vielleicht sogar vielmehr als Chance für eine positive Wende. Denn: Man lernt Lebensmittel und seinen Körper besser kennen, die Achtsamkeit erhöht sich und man kann dadurch lernen selbst mehr und frischer – und vor allem kreativer – zu kochen.

Für Menschen, die Gluten vertragen, spricht ja an sich nichts gegen den Verzehr von Nahrung mit Gluten. Haben Sie das Gefühl, dass die Vermarktung von glutenfreien Lebensmitteln derzeit am Markt Überhand nimmt und derartige Produkte mittlerweile eher eine Lifestyle-Konnotation angenommen haben und zu regelrechten Trendprodukten geworden sind?

Momentan sind glutenfreie Produkte definitiv im Trend und werden gehypt. Dieser Trend kommt aus den USA, weil dort "gluten-free diet", also der Begriff "Diät" mit Abnehmen gleichgesetzt wird und viele nicht wissen, dass Gluten ein Klebereiweiß ist. Viele denken, es handle sich um Kohlenhydrate und, dass man durch glutenhaltiges Essen zunimmt. Fakt ist, dass glutenfreie Produkte nicht kalorienärmer sind. Viele uns vertraute Getreidearten, wie zum Beispiel Reis, Hirse, Mais oder Quinoa sind sowieso glutenfrei. Abgesehen vom Trend haben Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien weltweit stark zugenommen und möglicherweise den Trend erst ausgelöst. Für Betroffene ist der Hype natürlich gut, da die Auswahl an glutenfreien Waren nun viel größer ist. Der Handel hat enorm darauf reagiert. Betroffene sollten aber nur gekennzeichnete Produkte kaufen bzw. essen. Andererseits wird man als Betroffener oft nicht ernst genommen, weil Anbieter denken, dass man bloß einem Trend folgt.

Ihren Food-Blog Foodtastic betreiben Sie nun bereits seit zweieinhalb Jahren. Wie kam es dazu und worauf legen Sie beim Bloggen Ihr Hauptaugenmerk?

Da ich mich kreativ ausleben wollte, meine Backrezepte und glutenfreien Rezepte weitergeben wollte und mir Foodfotografie, Styling und Illustration schon immer wichtig waren, habe ich mit dem Blog meine persönliche Hobby-Plattform geschaffen. Beim Bloggen sind mir vor allem kreative, ausgefallene Rezepte wichtig. Ich möchte anderen Interessierten zeigen, wie einfach und gut eine gesunde Küche ist und, dass glutenfreie Speisen keinerlei Verzicht bedeuten. Wichtig sind mir auch ansprechende Foodfotos und Ernährungsinhalte.

Was hat Sie dazu inspiriert ein Buch zu schreiben?

Nachdem ich schon meine Rezepte, Foodevents oder Reiseerlebnisse digital mit der Außenwelt teile, war es naheliegend ein Buch zu schreiben. Ich wollte das Ganze zu Papier bringen, um noch mehr und andere Leute zu erreichen. Ich möchte auch Betroffene oder Neugierige anhand meiner lebensverändernden Geschichte dazu motivieren etwas zu wagen, ihr Ding zu machen, einfach das Leben in die Hand zu nehmen bzw. anzufangen, gesund zu kochen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Superfoods, keineswegs nur auf glutenfreier Ernährung.

In Ihrem ersten Buch Life Changing Food stellen Sie das individuelle Wohlbefinden in den Vordergrund und stellen das LCF-Prinzip vor. Worum geht es dabei im Kern?

Das wichtigste am LCF-Prinzip ist die Abwechslung bei der Ernährung. Dabei wird der Fokus vor allem auf nährstoffreiche Lebensmittel und Antioxidantien, heimische und exotische Lebensmittel sowie Nahrungsmittel, die als Stimmungsaufheller agieren, gelegt. Durch diese Ernährungsform soll dem Körper mehr Energie geliefert werden. Man wird automatisch vitaler, aktiver, leistungsfähiger und profitiert von einem gestärkten Immunsystem. Natürlich kommen auch Genuss und Wohlbefinden nicht zu kurz.

Sie sprechen auch das Thema Gewicht bzw. "schlank sein" an (Zitat von der Homepage: "Durch die ideale Versorgung des Körpers mit den richtigen Zutaten wird das Hungergefühl geschwächt."). Inwieweit ist das LCF-Prinzip mit einer Diät vergleichbar?

Das Buch ist keine Diätanleitung. Das war mir immer wichtig. Ich bin kein Mensch, der im herkömmlichen Sinn Diät hält – gezwungenermaßen allerdings eine glutenfreie Diät. Essen soll Genuss und nicht Verzicht bedeuten. Weg vom Bodymassindex – hin zum Wohlfühlgewicht. Wenn wir uns gesund ernähren, steigt das Körperbewusstsein. LCF-Rezepte sind sehr reich an Nährstoffen: So sind zum Beispiel beim "vitalen Nussbrot" 1 - 2 Scheiben ausreichend, um mehrere Stunden satt zu sein.

Ernährungsratgeber gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer. Wie unterscheidet sich Ihr Buch von anderen Publikationen?

Hier geht es um meine eigene Lebens- und Erfahrungsgeschichte, um sehr viel Genuss, ums kreative Kochen und Wohlfühlen. Die Beschreibung und Information zu den Lebensmitteln liefert das Wissenswerte und Know-how zur Umsetzung. Die Vielseitigkeit lässt Spielraum für eine Abwandlung der Rezepte. Die große Auswahl schränkt niemanden ein, sondern unterstützt auch anfängliche Kochmuffel.

Im Buch stellen Sie ein 21-Tage-Programm vor. Wie sollte es für den Leser nach 21 Tagen weitergehen? Anders gefragt: Ist das Konzept überhaupt für eine langfristige, dauerhafte Durchführung geeignet?

21 Tage sind nur der Start für eine nachhaltige, langfristige Umstellung – oder die Entdeckung einer größeren Welt von gesundem Genuss. Man sagt, dass der Körper zumindest 21 Tage für eine Umstellung braucht. Natürlich ist das bei jedem unterschiedlich und kein zeitliches Korsett. Wer aber das Konzept oder Prinzip für sich entdeckt hat, spürt wie gut es tut und ist von selbst motiviert, gesunde Lebensmittel fix in sein Leben und den Speiseplan zu integrieren. Für diejenigen, die weitermachen möchten, gibt es ab Frühjahr den nächsten Band der LCF-Kochbücher.

Gesunde Ernährung sollte für jeden Menschen das oberste Gebot bei der Nahrungsaufnahme sein. Oftmals stößt man im Alltag jedoch schnell an seine eigenen Grenzen (Stichwort: Stress, Verpflichtungen, wenig Zeit etc.). Ist das LCF-Prinzip leicht in den Alltag integrierbar? Wenn ja, warum?

Gut Ding braucht Weile und man muss sich schon einlesen und das Prinzip gewissermaßen erlernen. Die Einführung, viele Tipps und eine reichhaltige Auswahl führen schrittweise ans Thema heran. Mit der Zeit füllt sich der Vorratsschrank neu und anders. Meine Testimonials, die mir für das Buch zur Seite standen, kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen, sind Singles, alleinerziehend, leben in Partnerschaften oder Familien. Alle sind berufstätig und oft unter zeitlichem Druck. Gerade für unsere komplexe und oft stressige Lebenssituation habe ich Rezepte gefunden, die man unkompliziert – auch für den nächsten Tag und zum Mitnehmen in die Arbeit – vorbereiten kann. Die individuelle Abwandlung der Rezepte mit alternativen Zutaten macht ebenfalls Lust aufs Kochen und Ausprobieren. Kleine Alltagssünden sind kein Drama. Letztendlich geht es um die Einstellung und nicht um ein Gesunddiktat.

Eva Fischer: Life changing food. Das 21 Tage Programm, Brandstätter Verlag. ISBN 978-3-7106-0036-4. € 25,00.

Rezept: Bunte Süßkartoffeln

ZUTATEN für 2 PERSONEN:

Salz

3 Süßkartoffeln

1 rote Paprika

1 gelbe Paprika

einige Blätter Rotkohl

1 Avocado

1 Chilischote

1/2 Bund Koriander

240g schwarze Bohnen aus der Dose

50g Mais aus der Dose

300g saure Sahne

Pfeffer

Saft einer halben Limette

2 EL schwarzer Sesam

ZUBEREITUNG:

1. Leicht gesalzenes Wasser für die Süßkartoffeln zum Kochen bringen. Süßkartoffeln halbieren und im kochenden Wasser etwa 20 Minuten kochen. Ofen auf 180 Grad Umluft (200 Grad Ober-/Unterhitze) vorheizen.

2. Süßkartoffeln nach der Kochzeit aus dem Wasser nehmen und im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene etwa 10 Minuten garen.

3. In der Zwischenzeit gelbe und rote Paprika halbieren, entkernen und in ca 0.5 cm große Würfel schneiden. Rotkohl vom Stunk befreien und in feine Streifen schneiden. Avocado halbieren, vom Kern befreien und das Fruchtfleisch in ca. 0,5 cm große Stücke schneiden. Chilischote in feine Ringe schneiden. Korianderblätter fein hacken. Bohnen und Mais abgießen.

4. Ofen auf 250 Grad Grillfunktion umstellen und die Süßkartoffeln etwa 10 Minuten grillen (dabei immer wieder kontrollieren, damit nichts anbrennt). Leicht abkühlen lassen, zu zwei Dritteln einschneiden.

5. Saure Sahne in die Süßkartoffeln füllen und Süßkartoffeln mit schwarzen Bohnen, Mais, Avocadostücken, Paprikastücken und Rotkohl garnieren. Salzen und pfeffern, mit Limettensaft beträufeln und mit Chilischoten, gehacktem Koriander und schwarzem Sesam garniert servieren.

Tipp: Anstatt Rotkohl kann man auch eine in feine Scheiben geschnittene Zwiebel verwenden.