Wellness
22.01.2018

"Selfitis": Wenn Selfies zum Problem werden

Forscher deuten an, dass das zwanghafte Schießen von Selbstporträts auf eine "schwerwiegende psychische Störung" hindeuten kann.

Vor vier Jahren tauchte der Begriff " Selfitis" erstmals auf. In einem Satireartikel wurde behauptet, dass "Selfitis", also die Sucht nach Selfies, von der American Psychiatric Association, der wichtigsten Vereinigung von Psychiaterinnen und Psychiatern in den USA, als psychische Störung anerkannt wurde. Der Bericht entpuppte sich als Falschmeldung, veranlasste Forscher aber dazu, sich dem Phänomen zu widmen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung sollte Früchte tragen.

Selfie-Sucht

Im Dezember des vergangenen Jahres publizierte ein Forscherteam rund um Mark Griffiths von der britischen Nottingham Trent University eine Studie, die belegt, dass die Selfie-Sucht tatsächlich existiert. Damit nicht genug: Zusammen mit seinen Kollegen entwickelte Griffiths eine Skala, anhand derer gemessen werden kann, wie stark man davon betroffen ist.

Durchgeführt wurde die Untersuchung mit 400 Inderinnen und Indern. Gerechtfertigt wurde diese Entscheidung mit der Tatsache, dass Indien die höchste Zahl an aktiven Usern auf Facebook aufweist. Auf Facebook, wie auch auf Instagram und Twitter, werden Selfies besonders gerne geteilt.

Basierend auf den Analyseergebnissen wurde die "Selfitis Behaviour Scale" erstellt. Indem man angibt, wie stark bestimmte Aussagen ("Ich fühle mich beliebter, wenn ich meine Selfies auf Social Media teile" oder "Selfies zu teilen ermöglicht einen gesunden Konkurrenzkampf mit Freunden und Kollegen") auf einen zutreffen, kann man herausfinden, wie stark die Selfie-Sucht ausgeprägt ist. Im Forschungsbericht wird auch festgehalten, dass das zwanghafte Schießen von Selbstporträts mitunter auf eine "schwerwiegende psychische Störung" hindeuten kann.

Geringes Selbstbewusstsein

Janarthanan Balakrishnan, Co-Autor der Studie, sagte dem Independent: "Typischerweise leiden Betroffene an einem geringen Selbstbewusstsein und sehnen sich danach, sich ihrem Umfeld anzupassen". Auch Symptome, die klassischerweise bei anders gelagertem Suchtverhalten auftreten, seien charakteristisch.

In einer Reaktion auf die Studie warnte ein Sprecher des Royal College of Psychiatrists im Interview mit dem Telegraph allerdings davor, das übermäßige Knipsen von Selfies vorschnell zu pathologisieren und betonte, dass es diese Krankheit nicht gebe und auch nicht geben sollte.

Balakrishnan hält die neuen Erkenntnisse jedenfalls für relevant. Er hofft, dass damit der Grundstein für weitere Forschungsvorhaben gelegt ist, um "zu verstehen, warum Menschen dieses potenziell zwanghafte Verhalten entwickeln und was getan werden kann, um jenen zu helfen, die am stärksten betroffen sind."