Wellness
11.11.2017

RunNa: Savasana oder am Ende bist du tot!

Ohne Fleiß kein Preis. Regelmäßigkeit ist nicht nur beim Laufen der Schlüssel zum Erfolg.

Tropf. Tropf. Tropf. Irgendwann summieren sich die Tropfen zu einem Rinnsal, das an Armen, Rücken und schließlich einfach überall an meinem Körper entlang fließt, um – tropf, tropf – auf der Matte zu landen. Meine Wangen sind gerötet, ich habe gefühlte drei Liter ausgeschwitzt und nach 60 Minuten bin ich einfach nur froh, als es heißt „Savasana“. Die Abschlussposition im Yoga wird nicht umsonst Totenstellung genannt. Denn genauso fühle ich mich jetzt. Tot, aber glücklich. Wie nach einem knackigen Tempodauerlauf oder einem knallharten Intervalltraining. Ist das der Himmel auf Erden? Nein, nur eine Hot Yoga Stunde im Hot Yoga Vienna. 60 Minuten verbiegen bei 40 Grad.

20 Klassen in 30 Tagen lautet ja die für mich härteste Challenge meines Läuferlebens. Am 1. November ging es los. Während ich es am ersten Tag noch easy mit Hot Flow 1 – eine Anfängerstunde bei 30 Grad – angegangen bin, wagte ich mich bereits am zweiten an Hot Yoga bei 40 Grad. Wie oft ich im Verlauf der Stunde gedacht habe, ich sterbe, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hat es sich sehr ähnlich angefühlt wie ein hartes Lauftraining. Währenddessen fragt man sich, warum man sich das gerade antut und am Ende liegt man mit einem Lächeln in der Totenstellung und denkt sich: geil!

Dehnen? Hä?

„Wie oft hast du laufen müssen, damit du dich verbessert hast?“ Äh, ich weiß nicht. „Wie oft in der Woche?“ Hm, wie oft kann ich schwer sagen, eigentlich mit jedem Mal. Vor allem am Anfang ging da ganz schnell viel weiter, je öfter ich gelaufen bin. „Siehst du, genauso ist es mit Yoga. Je regelmäßiger du es machst – vor allem am Anfang – umso schneller merkst du Veränderungen.“ Ich sitze mit Raphaela Pruckner, Gründerin und Inhaberin von Hot Yoga Vienna, im Gruppenraum. Im Rahmen meiner Challenge habe ich heute die Ehre in den Genuss einer Privatstunde zu kommen. „Da kann ich mir genauer anschauen, was du brauchst“, hat sie vorab gemeint. Was ich brauche, ist gut. Denn gleich zu Beginn wird klar: Ich bin kein leichter Fall. Während Raphaela entspannt im Schneidersitz hockt, muss ich während des Gesprächs öfter mal die Position wechseln. Im Schneidersitz ist der Rücken krumm, im Fersensitz spannen die Oberschenkel wie gefühlte Drahtseile, die jeden Moment zu reißen drohen.

Raphaela lässt mich erzählen. Vom Laufen. Warum, wieso, wie lange schon, wie oft. „Und wie oft dehnst du?“, fragt sie schließlich. Dehnen? Hä? Ich dehne nicht. Nie. Kurze Stille. Raphaela schaut mich ungläubig an und meint schließlich: „Das solltest du aber. Daher zeige ich dir jetzt ein paar Positionen, die speziell für Läufer gut sind. Du wirst sehen: je öfter du sie machst, umso besser wird es dir dabei gehen.“ Naja. Ich bin skeptisch. „Ich habe auch einmal so angefangen wie du.“ Ich schaue sie ungläubig an, denn ich war schon in Klassen von Raphaela und kann sagen: Wow! Jede auch noch so anstrengende Position schaut bei ihr einfach nur locker, flockig und super geschmeidig und grazil aus. Sie merkt meinen Blick und ergänzt: „Ich mache Yoga seit zehn Jahren. Seit zehn Jahren! Das ist wie beim Laufen. Die Regelmäßigkeit bringt’s!“

Von Easy bis Hero

Und dann geht es los. Erste Position, genannt Easy Pose oder im Fachausdruck Sukhasana. Ich hocke im Schneidersitz auf einem Block, weil ich anders zu krumm bin. „Rücken gerade halten. Jetzt die Arme nach oben strecken. Mit einem Arm stützt du dich auf dem Boden ab und jetzt beugst du den anderen Arm zur Seite. Du willst eine schöne Dehnung im Oberkörper spüren.“ Ja, es zieht. Aber nicht unangenehm. Seitenwechsel und weiter geht es zur nächsten Position – dem Schmetterling oder Bound Angle Pose. Diese dehnt vor allem die inneren Oberschenkel, Leisten und Knie womit wir schon bei meinem Schwachpunkt wären: die Beine. Während die Knie von Raphaela quasi den Boden berühren, sind meine davon meilenweit – na gut, zentimeterweit – entfernt. „So viel ist es auch nicht. Zehn Zentimeter“, versucht mich Raphaela zu motivieren. Haha, eher 20. „Naja, ja“, sagt sie und lacht.

Nächste Position: Die Heldenstellung, Hero Pose oder Virasana. Aje. Es spannt einfach überall: an den Fußrücken, den Oberschenkeln und mein Hintern erreicht auch nicht den Boden. Ich bekomme wieder einen Block als Hilfestellung. Entspannt ist trotzdem anders.

Dann geht es in die Hocke, Garland Pose oder Malasana. Dabei sollen die Füße die Bodenhaftung nicht verlieren. „Das dehnt die Oberschenkel, öffnet die Hüfte und stärkt Gelenke und Waden“, erklärt Raphaela. Das geht ganz gut. Bis auf: „Die Knie nicht nach innen fallen lassen. Drück gegen meine Hand“, betont sie. Hm, schon schwieriger, denn ich knicke automatisch nach innen.

Ein paar Positionen zeigt mir Raphaela noch, Krieger usw, dann ist die Stunde auch schon vorbei. Was ich daraus mitnehme? Dass selbst die beweglichste Yogini einmal unbeweglich angefangen hat. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen, wie es so schön heißt. Beim Yoga wie beim Laufen. Einmal ist keinmal und daher habe ich mir diese Challenge auferlegt. Um in den Flow zu kommen und so dranzubleiben. Wie beim Laufen. Den Hintern hochbekommen (oder im Yoga tief) und tun!

It goes on

Meine Challenge geht also munter weiter. Es ist noch nicht einmal die Hälfte rum, dennoch kann ich mit Stolz sagen, dass ich, seit dem Start am 1. November, 1. drangeblieben bin und nicht schon nach der ersten Stunde wieder die Yogamatte samt Handtuch geworfen habe und 2. sage und schreibe bereits sieben Klassen absolviert habe. Sieben! So richtig hat mich das Yoga-Virus zwar noch nicht gepackt, aber es macht mittlerweile – zumindest den Großteil der Stunde – Spaß. Auch wenn ich am Ende tot bin. Aber glücklich!

19 Tage hat der November noch. 13 Stunden will ich da noch unterkriegen. Dann wäre sie geschafft: Die härteste Challenge meines Läuferlebens. Leicht wird's nicht. Aber wenn's easy wäre, wäre es ja keine Challenge.

Fortsetzung folgt...

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