Wellness
02.08.2017

Warum man die Plazenta lieber nicht essen sollte

Eine US-Bundesbehörde des amerikanischen Gesundheitsministeriums warnt Mütter vor dem Verzehr der Plazenta nach der Geburt des Kindes.

Neu ist der Trend, die Plazenta nach der Geburt des Kindes zu essen, nicht. Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Promis, darunter January Jones, Holly Madison und Kim Kardashian, den Mutterkuchen verspeisten – und öffentlich darüber sprachen – wird die Praktik immer beliebter.

Die Gründe für den Verzehr reichen Verfechtern zufolge von der Behandlung von postpartalen Stimmungskrisen und Depressionen über die Schmerzlinderung hin zur verbesserten Milchabsonderung. Auch einem Eisenmangel soll vorgebeugt werden. Wissenschaftlich belegt ist dieser Nutzen nicht. Im Interview mit der BBC stellte Maggie Blott, Sprecherin der britischen Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe, im Jahr 2006 klar, dass es keinerlei Belege für die positiven Effekte des Verzehrs gebe. "Tiere essen ihre Plazenta, um Nahrung zu bekommen. Aber wenn Menschen wohlgenährt sind, gibt es keine Vorteile, es gibt keinen Grund es zu tun", betonte Blott.

Christine Greves, Gynäkologin am Winnie Palmer Hospital in Orlando, erklärte gegenüber dem Magazin Self, dass eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2015 keine hinlänglichen Beweise für die förderlichen Effekte des Plazentaessens hervorbringen konnte. Eine klinische Studie aus dem Folgejahr konnte zudem keine Verbesserung der Eisenwerte bei den Studienteilnehmerinnen feststellen. Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe herangezogen, der ein Placebomittel verabreicht wurde.

Mysteriöse Infektion

Die US-amerikanische Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), eine Unterorganisation des Gesundheitsministeriums, warnt nun explizit davor, die Plazenta zu essen. Konkret wird ein Fall aus dem US-Bundesstaat Oregon geschildert, bei dem ein Neugeborenes an einer schweren Infektion mit Atembeschwerden erkrankte, nachdem die Mutter ihre pulverisierte Plazenta in Kapselfrom eingenommen und das Kind gestillt hatte. Zu der Erkrankung geführt hatten Streptokokken-Bakterien, die sich in den Kapseln befanden und über die Muttermilch und/oder Körperkontakt an den Säugling weitergegeben wurden. Offenbar wurde der Mutterkuchen, der natürlicherweise Bakterien enthält, während der Verarbeitung nicht stark genug erhitzt. Die Bakterien wurden nicht abgetötet.

Die Plazenta versorgt den Embryo mit Nährstoffen und Sauerstoff – außerdem gilt sie als natürliche Schranke, die verhindert, dass bestimmte Schadstoffe und Erreger von der Mutter zum Kind gelangen. Der Verzehr der Plazenta ist nicht nur in Kapselform beliebt. Im Internet finden sich eine ganze Reihe von Anleitungen zur Herstellung von Plazentasmoothies, auch Beauty-Produkte mit Plazenta-Zusatz werden vertrieben.

Nachdem die Ursache für die Infektion geklärt war, konnte dem Baby durch die Gabe von Antibiotika geholfen werden. In der von der CDC veröffentlichten Warnung heißt es dennoch: "Es gibt keine Standards für die Verarbeitung der Plazenta zu einem Lebensmittel. Die Kapselherstellung beseitigt infektiöse Krankheitserreger nicht zwingend, die Einnahme von Plazentakapseln sollte demnach vermieden werden."

Plazenta essen: Ekliges Tabu oder gesunde Zutat?

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Plazenta

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getrocknete Plazenta

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