Wellness
05.07.2017

"Peinlich": Was Österreichs Jugend über die Periode denkt

Der Großteil der jugendlichen Bevölkerung des Landes stuft die Regelblutung als "unwichtig" und "peinlich" ein.

Weltweit treiben zahlreiche Initiativen und Kampagen die Enttabuisierung der Regelblutung voran. Dabei spielt der Begriff "Period Positivity" eine zentrale Rolle. Er beschreibt eine positive und anerkennende Einstellung der Menstruation gegenüber. Initiativen wie der Menstrual Hygiene Day (28. Mai) sollen Berührungsängste mit einem der natürlichsten körperlichen Vorgänge abbauen und sie durch einen von Toleranz geprägten Zugang ersetzen.

In Österreich haben diese Bemühungen bisher offenbar nur peripher gefruchtet: Eine anonym unter 1.100 österreichischen Jugendlichen durchgeführte Umfrage hat erhebliche Wissenslücken zum Thema Menstruation zutage gefördert. Der Grundtenor der Antworten, welche die Plattform Erdbeerwoche von den 13- bis 17-Jährigen erhielt, lautete: "Menstruation ist peinlich".

"Unwichtig" & "peinlich"

60 Prozent der Mädchen gaben an, eine negative Einstellung zu ihrer Regelblutung zu haben. 70 Prozent der Burschen finden das Thema "unwichtig" und "peinlich", berichtete die Plattform für das Thema Menstruation und nachhaltige Frauenhygiene am Dienstag. "Aus unserer täglichen Aufklärungsarbeit wissen wir, dass die Periode noch immer für viele Mädchen ein großes Schreckensthema darstellt", sagte Erdbeerwoche-Co-Gründerin Annemarie Harant. Eine Enttabuisierung, wie sie aktuell auch in den sozialen Netzwerken erfolge, betreffe vorwiegend erwachsene Frauen. "Junge Mädchen erleben die Regel hingegen nach wie vor überwiegend negativ, was meist auch mit einem negativen Körpergefühl einhergeht."

Mehr als die Hälfte der anonym und online Befragten sei zudem bei Basiswissen "durchgefallen". 85 Prozent der Mädchen und 88 Prozent der Burschen fühlen sich demnach zwar selbst ausreichend über das Thema Menstruation informiert, wiesen dann aber doch "eklatante Wissenslücken" auf. So wussten 17 Prozent der weiblichen und jeder dritte männliche Befragte nicht, was Menstruation eigentlich bedeutet. 53 Prozent der Burschen glauben, Menstruation diene der Verhütung. Rund die Hälfte der Mädchen kann mit Begriffen wie Menstruationszyklus oder Zykluslänge nichts anfangen. Bei den Buben sind es teilweise bis zu 80 Prozent, berichtete die Plattformsprecherin.

Toxisches Schocksyndrom?

Mehr als die Hälfte der Mädchen wisse auch nicht, wann ein Tampon spätestens gewechselt werden muss: Die meisten hätten noch nie vom Toxischen Schocksyndrom gehört - das unter bestimmten Umständen zu einer akuten Blutvergiftung führen kann -, und nur 13 Prozent können den Begriff erklären. 88 leiden laut der Umfrage unter Menstruationsbeschwerden, die von 20 Prozent komplett verheimlicht werden.

Die Plattform machte zudem auf einUmweltschutzproblem aufmerksam: 83 Prozent werfen Monatshygieneprodukte nach Gebrauch in die Kloschüssel anstatt in den Abfallkübel - vielfach auch, weil den Mädchen die Entsorgung außerhalb der Toilettenkabine peinlich wäre und entsprechende Müllbehälter fehlen.

87% der Österreicherinnen sind "informiert"

Nicht alle Studien zum Thema zeichnen ein derart negatives Bild. Vergangenes Jahr hat eine der weltweit größten Erhebungen zum Thema Menstruation Spannendes aufgezeigt. In Zusammenarbeit mit der International Women's Health Coalition, einer New Yorker Interessenvertretung für Frauengesundheit und Frauenrechte, befragte das Unternehmen hinter der Zyklus-App Clue 90.000 Frauen zu verschiedensten Aspekten der Menstruation.

Für Österreich zeigte sich: 87 Prozent der Österreicherinnen gaben an, über den Beginn ihrer Periode "belehrt", sprich informiert, worden zu sein. Dieser Prozentsatz wird nur von Dänemark, hier bezeichnen sich ganze 93 Prozent als aufgeklärt, Japan (92%), Großbritannien (90%), Australien (88%), Neuseeland (92%), Deutschland (89%) und Kanada (90%) übertroffen. Und: Nur 23 Prozent der Österreicherinnen fühlen sich nicht wohl dabei die Periode mit weiblichen Familienmitgliedern zu besprechen. Hier ist die Hemmschwelle demnach relativ gering. Mehr über die Studie lesen Sie hier.