Wellness
09.10.2018

Liegt die Vorliebe für Nickerchen in den Genen?

Individuelle Gewohnheiten in puncto Nachmittagsschlaf könnten in den Genen liegen, schreiben Forscher in einer neuen Studie.

Die einen können sich nichts Schöneres vorstellen, andere schaffen es beim besten Willen nicht, nachmittags ein Auge zuzumachen: Wenn es ums Nickerchen geht, scheiden sich die Geister.

Dass die Affinität zum Nachmittagsschlaf möglicherweise in unseren Genen festgeschrieben sein könnte, deuten nun japanische Forscher an. In der Studie, die an Mäusen durchgeführt wurde, führte eine spezifische Genmutation zu einem höheren Schlafbedürfnis bei den Nagern. Die Forscher gehen davon aus, dass die Erkenntnisse auch Einblicke in die Schlafgewohnheiten des Menschen gewähren könnten.

Schlaf, eine Frage der Gene?

Bereits 2016 wurde eine der ersten Studien veröffentlicht, die einen deutlichen Hinweis auf die genetische Komponente des Schlafs fand. Die Forscher beobachteten eine Mäusefamilie mit einem äußerst sonderbaren Schlafverhalten. Die Tiere hatten allesamt extrem lange Wachphasen, einen sehr niedrigen Anteil an REM-Schlaf und stark erhöhte Muskelaktivität während des Schlafs. Die genetisch getesteten Mäuse mit diesen Schlafstörungen zeigten alle eine Variation des Gens NALCN, welche die für den REM-Schlaf zuständige Hirnregion beeinträchtigt. Zeitgleich untersuchten die Forscher auch Mäuse, die weit mehr schliefen als ihre Artgenossen und verlängerte REM-Schlaf-Perioden aufwiesen. Die Untersuchungen dieser Tiere zeigte eine Mutation des SIK3 Gens, welches die generelle Länge des Schlafs reguliert.

Auch für die aktuelle Studie, die im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, manipulierten die Forscher der Universität Tsukuba das Gen SIK3 und beobachteten den Effekt auf das Schlafverhalten der Mäuse. Neben der Beobachtung der Schlafgewohnheiten wurde auch die Gehirnaktivität der Nager während des REM-Schlafs und die Aufmerksamkeit der Tiere im Wachzustand gemessen.

Es zeigte sich, dass durch die Manipulation einer Aminosäure des Gens SIK3 die Mäuse mehr Schlaf benötigten und auch tatsächlich länger schliefen. Die Mäuse waren zudem nachts, jenem Zeitraum in dem die Tiere eigentlich am aktivsten sind, weniger wach.

"Das alles zeigt, dass SIK3 an sehr spezifischen schlafbezogenen Regulationsmechanismen beteiligt ist", betont Masashi Yanagisawa, Mitautor der Studie, im Interview mit dem Independent. Studienleiter Takoto Honda fügt hinzu, dass die Eigenschaften der veränderten Aminosäure über das Tierreich hinweg ähnlich seien, was wiederum bedeute, dass die Ergebnisse auch für den Menschen relevant sein und der Erforschung menschlicher Schlafstörungen zugute kommen könnten.