Wellness
30.08.2018

Kinder: Mit Essen spielt man nicht, oder doch?

Bei kleinen Kindern verleitet das Spiel mit Nahrung zu erhöhtem Konsum. Mit steigendem Alter kehrt sich dieser Effekt um.

Ältere Kinder naschen weniger, wenn sie zuvor mit Gummibären, Keks und Co gespielt haben. Das wurde bereits in mehreren Studien beobachtet. Wiener Psychologen untersuchten nun, ob sich dieser Eltern vermutlich paradox erscheinende Effekt auch bei kleineren Kindern einstellt. Das einleuchtende Ergebnis, das die Wissenschafter nun im Fachjournal Physiology and Behaviour vorgestellt haben: Nein.

Essimpuls unterdrücken

Das Spiel mit Essen kann dazu führen, dass Kinder dabei lernen, der Versuchung des Verzehrs zu widerstehen. Konfrontiert man sie etwa mit Süßigkeiten, gibt ihnen gleichzeitig aber eine Aufgabe, die nichts mit Essen zu tun hat, könne sich der nicht ganz intuitiv nachvollziehbare Effekt einstellen, der bei Kindern ab sieben Jahren bereits mehrfach beobachtet wurde. Die Erklärung dafür ist, dass Kinder den Essimpuls unterdrücken müssen, um die gestellte Aufgabe angemessen auszuführen, wie die Universität Wien am Donnerstag in einer Aussendung mitteilte.

Frage des Alters

Ein Team um Arnd Florack vom Institut für Angewandte Psychologie hat nun untersucht wie sich die Verwendung von Süßigkeiten im Spiel bei Drei- bis Sechsjährigen auswirkt. "Da die Fähigkeiten der Selbstregulation in jüngeren Lebensjahren noch weniger stark ausgeprägt sind, stellt sich die Frage, ob Spiele mit Essen auch einer jüngeren Zielgruppe helfen könnte, den Konsum von Süßigkeiten zu reduzieren", so Florack.

Die Kinder spielten an einem Tag ein Memoryspiel mit Fruchtgummi und an einem anderen Tag das gleiche Spiel ohne Süßigkeiten. Danach hatten sie für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit Fruchtgummi und Kekse nach Belieben zu essen. Dabei zeigte sich, dass es mit dem Verzicht durch das subtil angelegte Lernen in dieser Altersgruppe noch nicht weit her ist. Wurden die kleinen Studienteilnehmer im Spiel mit Süßigkeiten konfrontiert, naschten sie im Schnitt danach auch mehr.

Kein reduzierter Konsum

Die Forscher schließen daraus, das solcherart Spiele hier noch nicht in gewünschter Weise zur Reduktion des Konsums beitragen. "Im Gegensatz zu älteren Kindern regulieren die Erwachsenen das Verhalten und Erleben von jenen im Kindergartenalter. Dadurch gab es in dieser Zielgruppe beim Spiel mit den Süßigkeiten immer wieder Schwierigkeiten, den Süßigkeiten zu widerstehen", sagte Sarah Hirschauer, eine der Studienautorinnen.