Wellness
20.02.2018

Ist der Induktionsherd für den Körper schädlich?

Die elektromagnetischen Felder induzieren beim Kochen auch im Körper der Person, die am Herd steht, elektrische Ströme.

Kochen mit Induktion geht schneller und spart Strom. Da kann man auch das mitunter laute Surren und Knacken, das bei vielen Herden zu hören ist, ausblenden. Doch wie wirken die elektromagnetischen Felder des Induktionsherdes auf den Körper, vor allem auf sensible Personen wie Kinder oder Schwangere?

Dazu weiß man bisher wenig, zumindest gibt es keine Langzeitstudien zur Verwendung von Induktionsherden und keine spezifischen Studien über ihre Auswirkung auf die menschliche Gesundheit. Zwar wurde die elektromagnetische Abstrahlung anderer Quellen, etwa von Sendemasten, Handys oder WLAN-Routern, die auf den Körper wirken könnte, mehrfach untersucht. Die Studien und Expertenmeinungen dazu gehen allerdings auseinander. Selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO fällt kein eindeutiges Urteil, auch wenn sie im Jahr 2011 Handystrahlung als "möglicherweise krebserregend" einstufte.

Elektromagnetische Felder

Die Wärme beim Kochen mit Induktionsherd entsteht, indem elektromagnetische Felder im Kochtopfboden und teilweise den Wänden des Topfes sogenannte Wirbelströme erzeugen und ihn so erhitzen. Dadurch bleibt die Glaskeramikplatte kühl, der Topf wird warm. "Diese elektromagnetischen Felder induzieren beim Kochen auch im Körper der Person, die am Herd steht, elektrische Ströme. Dieses Phänomen ist aus Untersuchungen mit Modellen bekannt", sagt Umweltmediziner Hans Peter Hutter, Stellvertretender Leiter des Instituts für Umwelthygiene an der MedUni Wien.

Eine Messung von im Körper induzierten Strömen ist nur mit Computermodellen möglich. Laut Hutter beträgt der Basisgrenzwert bei 20 bis 100 kHz-Feldern zwischen 2,7 und 13,5 V/m. Diese werden bei Induktionsherden in den meisten Fällen eingehalten. "Zu Überschreitungen dieser Richtwerte kommt es, wenn falsches, ungeeignetes oder zu kleines Geschirr verwendet wird, oder wenn man näher als 30 Zentimeter zum Herd steht, was häufig der Fall sein wird", meint Hutter. Mit der Entfernung wird das elektromagnetische Feld schwächer. Ist der Topf für das Kochfeld zu klein oder der Boden einer Pfanne uneben, können stärkere Magnetfelder in der näheren Umgebung des Herdes auftreten.

Die Richtwerte orientieren sich an einer kurzen Nutzung der Herdplatten. Bei längerer Belastung, etwa bei stundenlangem Kochen am Induktionsherd, könnten die elektromagnetischen Felder Auswirkungen auf den Körper haben. Das könnte z.B. beruflich exponierte Personen betreffen wie Köche. Vermutungen über einen Zusammenhang mit Krebs oder Nervenschädigungen sind durch Studien nicht belegt.

Wirkung auf Schwangere

Die Wirkung niederfrequenter elektromagnetischer Felder auf Schwangere ist in einigen Studien untersucht, etwa die Abstrahlung von Heizdecken oder Belastungen am Arbeitsplatz. Hutter: "Obwohl es methodisch schwierig ist, etwa den Zusammenhang zwischen Feldern und Fehlgeburten zu klären, zeigte sich interessanterweise, dass vor allem kurzzeitige Spitzenbelastungen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen." Schwangere sollten zur Vorkehrung daher den Sicherheitsabstand von mindestens 30 Zentimetern beim Kochen am Induktionsherd einhalten.

Eine weitere Risikogruppe sind Menschen mit Herzschrittmachern. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2006 mit 244 Schrittmachern zeigte allerdings, dass sehr viele theoretisch mögliche Faktoren zusammenkommen müssen, damit das Kochen am Induktionsherd für sie gefährlich wird. Auf Empfehlung des deutschen "Bundesamtes für Strahlungsschutz" sollten sich die Träger eines Herzschrittmachers dennoch vor dem Kauf eines Induktionsherdes mit ihrem Arzt beraten. Hutter verweist dazu auch auf die Bedienungsanleitung des Herstellers, der dazu Hinweise angeben müsste.

Laut Hutter spricht aus umweltmedizinischer Sicht nichts gegen die sachgemäße Verwendung von Induktionsherden, wenn bestimmte Maßnahmen eingehalten werden. Dazu zählt etwa der Abstand von etwa 30 Zentimetern zum Kochfeld, maximale Leistung nur auf den hinteren Kochfeldern zu nutzen und auf den vorderen Kochfeldern mit verringerter Leistung kochen sowie keine metallischen Kochlöffel einzusetzen, die eine leitende Verbindung zum Körper bilden würden. Die Kochtöpfe sollten zudem zentriert platziert werden und auf das jeweilige Kochfeld von der Größe her passen.