Instagram: Was Postings über die Psyche verraten

Low-spirited woman in bed text messaging
Foto: Getty Images/iStockphoto/Martin Dimitrov/iStockphoto Symbolbild

Wie du postest, so fühlst du dich. Das ist die Quintessenz einer Studie zu Instagram-Nutzung und psychischer Gesundheit.

Eine neue Erhebung der University of Vermont zeigt, dass die Art und Weise, wie sich User auf Instagram präsentieren, Hinweise auf ihre psychische Gesundheit geben könnte. Dabei sind ehrliche Bekenntnisse und/oder Erfahrungsberichte von Betroffenen eher nebensächlich. Vielmehr können auf den ersten Blick unwichtig wirkende Details auf seelische Probleme hindeuten.

43.950 Bilder analysiert

Im Zuge der Untersuchung, die im Fachblatt EPJ Data Science publiziert wurde, haben zwei Forscher die Instagram-Accounts von 166 Freiwilligen analysiert. Dabei wurden insgesamt 43.950 Bilder miteinbezogen. Basierend auf den Ergebnissen fand eine Prognose und ein Abgleich mit den Krankenakten der Probanden statt. Es zeigte sich: Der von den Forschern extrahierte Algorithmus war akkurater, als die ärztlichen Diagnosen. Konkret hatte der Algorithmus eine mit 70 Prozent Treffsicherheit größere Erkennungsrate von seelischen Verstimmungen als Hausärzte, die es nur auf eine Erfolgsrate von 42 Prozent bringen.

Könnte der Instagram-Account einer Person also tatsächlich mehr Aufschluss über dessen psychische Verfassung geben, als ein Besuch beim Arzt oder Therapeuten? Womöglich.

"Telefone wissen mehr über uns als wir selbst"

"Ärzte haben nicht den Einblick in unser Leben, den unsere Mobiltelefone haben", erklärt Chris Danforth, Koautor der Studie und Professor an der University of Vermont. Moderne Telefone würden sogar mehr über uns wissen, als wir selbst.

Limitiert sind die Erkenntnisse der Studien in puncto Aussagekraft vor allem aufgrund der kleinen Stichprobe. Repräsentative Aussagen können daher nicht getroffen werde, räumen die Forscher ein.

Blauer, dunkler und grauer

Ein detaillierter Blick auf die Resultate lohnt sich dennoch: Untersucht wurden die Fotografien anhand der Parameter Farbe, Filter, Gesichtserkennung, Kommentare und Interaktion. Instagram-Postings, die von depressiven Menschen geteilt wurden, waren blauer, dunkler und grauer – Farbmerkmale, die Forscher bereits in der Vergangenheit mit schlechter Stimmung in Verbindung bringen konnten. Depressive User verwendeten auch seltener Filter, färbten ihre Fotos aber überdurchschnittlich oft schwarz-weiß ein. Bei Probanden ohne psychische Erkrankung war unterdessen der Filter "Valencia" am beliebtesten. Und: Je mehr Kommentare ein Posting erhielt, desto wahrscheinlicher war es, dass der Ersteller des Beitrages depressiv war.

Derartige Technologien könnten künftig das Gesundheitssystem revolutionieren und präzisere Diagnosen ermöglichen, so die Forscher.

Instagram schadet der Psyche

Interessant sind die Erkenntnisse auch im Kontext einer anderen Studie, die vor wenigen Monaten für Aufsehen sorgte. Britische Forscher stellten der Fotosharingplattform Instagram ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Auswertung zeigte: Instagram hat unter allen Social-Media-Kanälen den schlechtesten Einfluss auf die Psyche. Die Plattform, die vorwiegend für das Teilen ästhetisch ansprechender Bilder genutzt wird, fügt Nutzern und Nutzerinnen demnach unter anderem Schaden in den Bereichen Körperbild und Selbstwahrnehmung zu (mehr dazu hier).

(kurier / pama) Erstellt am
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