Wellness
30.11.2016

Eiscreme zum Frühstück: Gut fürs Gehirn?

Einem japanischen Forscher zufolge ist Eis förderlich fürs Hirn. © Bild: ljubaphoto/iStockphoto

Ein japanischer Forscher empfiehlt Eiscreme zum Frühstück. Ernährungswissenschafter sind skeptisch.

Yoshihiko Koga, Psychologie-Professor an der Kyorin Universität in Tokyo, sieht in Eiscreme den Schlüssel zu erhöhter Aufmerksamkeit und geistiger Leistungsfähigkeit. Wie der britische Telegraph und Independent unter Berufung auf die auf der japanischen Website Excite News veröffentlichte Meldung berichten, führte Koga verschiedenste klinische Studien durch, in denen die Probanden Eis unmittelbar nach dem Aufwachsen essen mussten. Danach wurde ihre Leistungsfähigkeit mittels Computer abgetestet.

Gehirnwellen im Alphabereich

Es zeigte sich, dass jene Studienteilnehmer, die Eiscreme zu essen bekamen, eine schnellere Reaktionszeit und eine bessere Informationsverarbeitung im Gehirn aufwiesen. Konkret konnten beim Screening der Gehirnaktivität der Probanden vermehrt Gehirnwellen im Alphabereich aufgezeichnet werden.

Das menschliche Gehirn erzeugt permanent Wellen in bestimmten Rhythmen, die sich der jeweiligen Anforderung und Umgebung anpassen. Das Spektrum reicht von Delta-Wellen, die eine sehr niedrige Frequenz aufweisen und vor allem während der Tiefschlafphasen auftreten, bis zu Gamma-Wellen, die in einem Zustand von Stress und Alarmbereitschaft gemessen werden. Alpha-Wellen liegen mit 8-13 Hertz etwas unter dem täglichen Normalzustand. Dieser Wellenbereich tritt in einem Zustand leichter Entspannung auf. In diesem wach-enspannten Zustand kann man Informationen am besten aufnehmen und ist am kreativsten.

Effekt bei Eis am stärksten

Um herauszufinden, ob lediglich die Temperatur der Eiscreme für die Veränderung der Gehirnaktivität verantwortlich ist, wiederholte Koga das Experiment mit eiskaltem Wasser. Der Effekt trat hierbei ebenfalls auf, jedoch wesentlich schwächer.

Koga, der sich in seinen Forschungen hauptsächlich mit der Wirkung bestimmter Speisen und Gerüche auf das menschliche Gehirn und Emotionen beschäftigt, will nun weitere Experimente durchführen, um die Hintergründe des Phänomens zu klären. Neben dem Effekt eines bestimmten Inhaltsstoffes der Eiscreme, könnte auch der psychologische Prozess des Genusses eine Rolle spielen. So stellte der japanische Forscher unter anderem die Vermutung an, dass der Verzehr von Eis positive Gefühle im Menschen triggert und damit das Energielevel hebt.

Britische Ernährungswissenschafter zeigen sich im Gespräch mit dem Telegraph unterdessen skeptisch, was die neuen Erkenntnisse betrifft. Eine mögliche Erklärung sei, dass sich der Unterschied lediglich aus dem Verzehr beziehungsweise unterlassenem Verzehr von Nahrungsmitteln zum Frühstück ergibt, so Katie Barfoot von der Reading University. "Unser Gehirn braucht Glucose um zu funktionieren und durch eine glucosehaltige Mahlzeit wird die geistige Leistungsfähigkeit stärker gefördert, als wenn man keine Nahrung zu sich nimmt", so Barfoot. Dies sei jedoch noch lange kein Grund Eiscreme als Frühstück zu empfehlen.

Bereits 2005 sorgte eine Studie zum Zusammenhang von Eiscreme und der Gehirnaktivität des Menschen für Schlagzeilen. Damals konnte in einer Untersuchung nachgewiesen werden, dass das Essen von Eis dieselben Erregungszentren im Gehirn aktiviert, wie der Klang schöner Musik.