Geheime Botschaft in Buch gefunden: Wer kann sie entschlüsseln?

Ein aufgeklapptes Buch
Eine Frau entdeckte in einem gebrauchten Buch eine verschlüsselte Botschaft. Online-Nutzer knackten das Rätsel und stießen auf eine emotionale Nachricht.

Eine Frau namens Sydney aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland war vertieft in den Fantasy-Roman "La Belle Sauvage" von Philip Pullman, als sie plötzlich bemerkte, dass ich mitten im gebrauchten Buches ein zusammengefalteter Zettel mit einer handgeschriebenen Botschaft befand – ein Teil davon war verschlüsselt.

Frau entdeckt Zettel in gebrauchtem Buch

Im Gespräch mit dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtete Sydney, dass sie eine gebrauchte Sammlerausgabe des Romans von ihrer Mutter zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Voller Begeisterung begann sie mit der Lektüre und entdeckte erst etwa ab halber Strecke, dass sich darin eine Notiz befand. "Mir war gar nicht aufgefallen, dass der Zettel da war. Erst als ich die Seite in der Buchmitte erreichte, auf der er versteckt war." 

Die dicken Seiten des Buches hatten zudem verhindert, dass sich eine Wölbung bemerkbar machte, wie man es etwa von einem Lesezeichen kennt. 

Nachricht zum Muttertag

Der erste Teil der Botschaft enthielt nichts Ungewöhnliches. Offenbar wurde das Buch einst einer Frau zum Muttertag geschenkt: 

"Liebe Mama, es wird wahrscheinlich noch eine lange Zeit dauern, bis du dies findest, aber ich hoffe, es ist jetzt trotzdem eine schöne Überraschung. Du magst denken, dass es mir egal ist oder dass ich den Muttertag einfach vergessen habe; aber das habe ich nicht. Ich liebe dich, Mama. Nachträglich alles Gute zum Muttertag." 

Unterzeichnet wurde der Brief mit den Initialen "BG"

Handgeschriebener Zettel mit englischer Nachricht und verschlüsseltem Text auf linierten Papier.

Dieser Zettel steckte zusammengefaltet zwischen den Buchseiten.

Verschlüsselte Botschaft im Zusatztext

Anders verhält es sich mit dem nachgestellten Zusatztext, der Rätsel aufgibt, da es sich um eine verschlüsselte Botschaft handelt. Sydney wandte sich an die Online-Community Reddit in der Hoffnung, dass jemand die Buchstaben-Codes entziffern kann. "Ich wusste zunächst gar nicht, dass es sich um eine Chiffre handelt. Ich dachte, es sei eine andere Sprache", erklärt die US-Amerikanerin gegenüber Newsweek

Chiffre als Verschlüsselungsverfahren genutzt

Eine Chiffre ist ein Verfahren, mit dem Informationen so verschlüsselt werden, dass Unbefugte sie nicht lesen können. Dabei gibt es verschiedene Methoden, etwa die monoalphabetische Substitution, bei der jeder Buchstabe durch einen anderen ersetzt wird, oder die Caesar-Chiffre, bei der jeder Buchstabe im Alphabet um eine feste Anzahl Stellen verschoben wird. 

Vermutlich Vigenère-Chiffre

In der Kommentarspalte entwickelte sich rasch eine rege Diskussion und die Community war bemüht, das Rätsel zu lösen. Schnell wurde klar: Es handelt sich nicht um eine einfache Verschlüsselung. Stattdessen vermuteten Nutzer eine Vigenère-Chiffre, bei der ein Schlüssel in Form eines Wortes oder einer Buchstabenfolge verwendet wird, um die Entschlüsselung wesentlich komplexer zu machen.

Geheimbotschaft mit Decoder entschlüsselt

Ein Nutzer kommentierte, er habe die Geheimbotschaft "P vdtl mdy swzi avxw Icdo P rxhuh viz orlbri ac gihr xx fsj" mithilfe eines Decoders analysiert und so den Anfang der Nachricht entschlüsseln können: "I hope you like this book I didn't ge [...]" Der restliche Text erwies sich als deutlich schwieriger. 

Laut eines weiteren Users lautet der vollständige Klartext jedoch: "I hope you like this book I didnt get a chance to read it yet" ("Ich hoffe, dir gefällt das Buch. Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, es zu lesen"). 

Initialen und Autor bleiben ein Rätsel

Sydney befürchtet, dass die Zeilen ihre eigentliche Empfängerin möglicherweise nie erreicht haben: "Die Art, wie er perfekt gefaltet zwischen den Seiten lag und der Buchrücken teilweise noch unberührt war, lässt mich denken, dass er von der vorgesehenen Empfängerin nie gefunden wurde", erklärte sie. "Ein Teil von mir fragt sich, ob die Mutter vielleicht gestorben ist, bevor sie ihn lesen konnte."

Sydney selbst hat das Buch inzwischen zu Ende gelesen und bewahrt den Zettel in Ehren. Wer hinter den Initialen "BG" verbirgt, ist bislang ungeklärt.

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