Luis Suarez erhält eine drakonische Strafe.

© REUTERS/TONY GENTILE

Sperre
06/26/2014

Vier Monate Sperre: FIFA zieht Luis Suarez die Zähne

Der Weltverband zieht den Uruguayer für die Beißattacke lange aus dem Verkehr.

Dem Vampir wurden die Zähne gezogen. Luis Suarez ist für seine Beißattacke an Chiellini im WM-Spiel gegen Italien mit einer drakonischen Strafe belegt worden. Der Stürmer aus Uruguay wurde von der Disziplinarkommission der FIFA mit einer Sperre von neun Länderspielen beziehungsweise vier Monaten belegt. Noch nie fällte der Weltverband eine so harte Strafe bei einer WM.

Die bisherige Rekordstrafe waren acht Spiele für den Italiener Mauro Tassotti für einen Ellenbogenschlag gegen Spaniens Luis Enrique im WM-Viertelfinale 1994. Der Kroate Josip Simunic wurde wegen rassistischer Vergehen nach dem WM-Playoff gegen Island sogar für zehn Spiele gesperrt – und verpasste dadurch die WM in Brasilien.

Auch wenn ihm das Urteil sicher nicht schmecken wird und er es erst verdauen muss, die WM in Brasilien ist für den 27-jährigen Suarez beendet. Suarez oder der uruguayische Verband können also ein Mitwirken im Achtelfinale gegen Kolumbien am Samstag (22 Uhr MESZ) nicht durch einen Gang durch die Instanzen der Sportgerichtsbarkeit erwirken.

Wiederholungstäter

Zudem darf Suárez auch bis Ende Oktober nicht für seinen Verein FC Liverpool spielen. Zudem wurde eine Geldstrafe von 100.000 Schweizer Franken verhängt. Die Begründung verkündete der Chef der FIFA-Disziplinarkommission, Claudio Sulser: "So ein Verhalten kann auf keinem Fußball-Platz toleriert werden." Darüber herrscht weltweit Einigkeit. "Das Disziplinarkomitee hat alle Faktoren für diesen Fall in Betracht gezogen", betonte Sulser. Der Spieler und der nationale Verband sind sofort informiert worden. "Die Entscheidung tritt mit dem Moment in Kraft, in dem sie kommuniziert worden ist."

Uruguay wird aber wie erwartet gegen die harte Strafe berufen. Das bestätigte Uruguays Verbands-Vize-Präsident Jorge Barrera am Donnerstag. Konsequenzen zog indes Sportartikelhersteller adidas, der sämtliche Werbemaßnahmen mit dem Liverpool-Stürmer während der WM stoppte. "Adidas duldet das jüngste Verhalten von Luis Suarez nicht. Wir werden ihn noch einmal an die hohen Verhaltensstandards erinnern, die wir an unsere Spieler stellen. Wir planen keine weiteren Marketingaktivitäten mit Suarez während der Fußballweltmeisterschaft 2014", sagte Unternehmenssprecher Oliver Brüggen.

Zur Erinnerung: Suárez hatte am Dienstag im letzten Gruppenspiel seinen Gegner Giorgio Chiellini bei einem Zweikampf im Strafraum unbemerkt vom Schiedsrichter in die Schulter gebissen. Die FIFA-Richter bewerteten das Vergehen nun nachträglich dem Reglement gemäß entsprechend auch nach Ansicht der TV-Bilder.

Der umstrittene Stürmer hatte bereits 2010 bei Ajax Amsterdam in einem Spiel gegen Eindhoven und im Vorjahr beim FC Liverpool (gegen Chelsea) Zähne gezeigt und Gegenspieler gebissen und Sperren von sieben beziehungsweise zehn Spielen von den nationalen Verbänden erhalten. Wegen seiner rassistischen Bemerkungen gegen den Franzosen Patrice Evra von Manchester United wurde er 2011 für acht Spiele verbannt.

Verständnis

Alcides Ghiggia, Goldtorschütze im WM-Finale von 1950, hat als erster prominenter Uruguayer Luis Suárez nach dessen Entgleisung kritisiert. Der Stürmer "spielt gut, aber er hat Dinge getan, die weder normal für einen Spieler noch für ein Fußballspiel sind", sagte der letzte noch lebende Champion von 1950. "Ich denke, die FIFA kann ihn sanktionieren."

Sein Wunsch wurde sogleich erfüllt.

Die Eskapaden von Luis Suarez:

Chelsea's Ivanovic challenges Liverpool's Suarez d

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Liverpool's Suarez celebrates his goal against Che

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Liverpool's Suarez reacts during their English Pre

Liverpool's Suarez looks at Manchester United's Ev

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Uruguay's Luis Suarez, right, reaches his hands to…

Uruguay's Luis Suarez is carried shoulders high by…

Referee Olegario Benquerenqua of Portugal, center …

Fans hold up sign thanking Uruguay's Suarez before

Liverpool's Luis Suarez celebrates scoring against…

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Liverpool's Suarez celebrates after scoring his se

Liverpool's Suarez reacts during their English Pre

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Luis Suarez, Giorgio Chiellini

Was uns zum Beißen bewegt

Ein markantes Gebiss, medienwirksam vor Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt in Szene gesetzt: Uruguays Stürmer Luis Suárez dritter Verlust seiner Beißhemmung polarisiert das Fanvolk. Die einen sind empört, ob einer Verrohung der Gesellschaft, die anderen verspüren so etwas wie einen gruseligen Hauch von Vampir-Fantasien.

Psychiater finden aus der Ferne mehr an den psychodynamischen Prozessen hinter dem Biss Gefallen. Die wichtigste Nebensache der Welt emotionalisiert sogar die Erforscher der menschlichen Psyche. "Ich finde es interessant, dass er gerade mit seinem auffälligsten Körperteil – seinem Gebiss, das er nicht sanieren lässt – diese schweren Fouls begeht", sagt etwa Psychiater Georg Psota, Leiter des Psychosozialen Dienstes in Wien. "Abgesehen von seinen Bissen ist Suárez ja nicht so auffällig in Sachen Fouls." Analysieren lasse sich die Psyche dieser Fußballer-Persönlichkeit daraus natürlich nicht. Aber: "Faktum ist, er setzt damit ein Zeichen."

Beißlust

Der Ursprung der menschlichen Beißlust liegt jedenfalls in der Kindheit. Vor allem Kleinkinder beißen gern und oft. Erst später lernen sie, dass dieses Verhalten von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Und nach Sigmund Freud wird, wer als Kind zu oft zubeißt, überhaupt ein zynischer, sarkastischer und dominanter Erwachsener. Psychologen wissen hingegen, dass der erwachsene Beißer vor allem männlich und jung ist. Zugebissen wird laut Statistiken am häufigsten im Frühling und Sommer, fast immer im Streit und oft unter Alkoholeinfluss. Bevorzugte Körperregionen sind Hals oder Nacken.

Vielleicht ist der aktuelle Fehl-Biss des Fußballers aus Uruguay aber nur ein Relikt aus der menschlichen Evolutionsgeschichte. "Der urgeschichtlich verankerte Reflex des Beißens war eine Waffe, die dem Überleben im Kampf diente", erklärt der Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Der moderne Mensch habe gelernt, diese Reflexe gut zu hüten. Doch ein Fußballturnier ist ein Ausnahmezustand, "eine Form des kultivierten Krieges, in dem kriegerische Elemente vorhanden sind". Es gehe um Geld, Aufrüstung, Taktik – und besonders um Begeisterung und Emotionen.

Primitive Mechanismen

Vor diesem Hintergrund und massenhafter Adrenalin-Ausschüttung am Höhepunkt des Kampfes drängen auch primitive Mechanismen und Reflexe leichter an die Oberfläche, glaubt der fußballbegeisterte Gerichtspsychiater. "Beißen ist auch eine Demütigung des Opfers." Beispiele á la Suárez gibt es schließlich in der Sportgeschichte zuhauf: Von Boxer Mike Tyson, der 1997 im WM-Kampf seinem Kontrahenten Evander Holyfields ein Ohr anbiss, bis zu Bayern-München-Torhüter Oliver Kahn, der 1999 bei einem Ligamatch dem Borussia-Dortmund-Spieler Heiko Herrlich bisstechnisch an den Hals ging.

Am ehesten lässt sich derartiges Verhalten wohl mit Kontrollverlust erklären, sagt Haller. "Ich glaube, das überflutet einen Menschen richtiggehend. Ich hatte das Gefühl, Suárez war selbst überrascht." An einen derart verbissenen Wiederholungseffekt in diesem Turnier glaubt er aber nicht. "Ich hoffe, seine Reaktion war wirklich so schambesetzt, wie sie sich mir dargestellt hat. Sonst wäre er ein Psychopath."

Gerechte Sperre, mieser Geschmack

Als der KURIER einmal ÖFB-Teamspieler Zlatko Junuzovic würdigte, weil der pro Ländermatch bis zu 13 Kilometer zurücklegt, folgten spöttische Mails. Österreicher müssen eben mehr als Ball und Gegner laufen, weil sie zu wenig kicken können. Nur: Bei der WM liegen die fürs Achtelfinale Qualifizierten auch in der Kilometer-Wertung vorn, während sich am Beispiel Ausgeschiedener beweisen lässt:

Wer am wenigstens rennt, für den läuft’s auch schlecht.

Mit Elfenbeinküste (95,8 km pro Team und Match), Kamerun, Honduras und Ecuador blieben nur vier Mannschaften unter dem 100-Kilometer-Schnitt. Fluchtartig verlassen sie Brasilien, während der FIFA-Computer unverdrossen Statistiken ausspuckt.

So sei der Ball bisher im Schnitt nur 55,2 Minuten im Spiel gewesen, was einem deutlichen Rückgang gegenüber der WM 2010 in Südafrika (69,8) entspricht.

Und so haben Teams, die mehr im Ballbesitz waren, nur 24 der ersten 44 WM-Spiele auch gewinnen können.

Letztlich entscheiden allein die Tore und Ausnahmekönner wie Lionel Messi und Neymar, die bisher je vier Mal trafen.

Auch Uruguays Bad Boy Luis Suárez hat zwei spektakuläre WM-Treffer erzielt. Aber an die wird sich kein Mensch erinnern. Señor Dracula wird allein wegen seiner Beißattacke in die Fußball-Geschichte eingehen. Die FIFA zeigt Zähne, sperrt Suárez für neun Spiele. Noch schneller als die Fußball-Juristen haben kommerzielle Vermarkter reagiert. Eine Fast-Food-Kette lud Suárez ein, für gutes Honorar medienwirksam in einen Burger zu beißen. Und der Erzeuger eines Müsli-Riegels behauptet, diesen zu essen sei befriedigender als einen Italiener.

Buon appetito. Geschmacklosigkeit endet nicht am Fußballplatz.

Luis Suarez: "Solche Dinge passieren im Spiel"

Der uruguayische Fußball-Verband hat nach eigenen Angaben bei der FIFA "starke Argumente" zur Verteidigung von Luis Suarez in dessen Beißaffäre vorgebracht. Der Verband sei von der Unschuld des Stürmers überzeugt, sagte Exekutivkomitee-Mitglied Alejandro Balbi uruguayischen Medienberichten zufolge am Mittwoch.

Luis Suarez über den bissigen Vorfall: "Solche Dinge passieren im Spiel. Das sollte man nicht überbewerten. Er hat mich hart mit seiner Schulter angegangen, dabei auch mein Auge getroffen."

Der uruguayische Kapitän Diego Lugano meint, dass die Bilder gar nichts beweisen. "Es gab ein Gerangel. Und das sind alte Narben, das merkt doch jeder Blödmann.“ Für den Gebissenen Giorgio Chiellini hat er nur folgende Worte übrig: „Er ist ein gewaltiges Klatschmaul, eine schlechte Person und eine Heulsuse." Tja, so spricht ein wahrer Sportsmann aus….

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