Mit Ansage? Ein bekannter Wettbetrüger sagte ein 0:4 samt Ausschluss in Hälfte eins voraus. Alex Song (l.) musste in Minute 40 gehen.

© REUTERS/MURAD SEZER

Medienbericht
06/29/2014

Kameruns WM-Partie unter Manipulationsverdacht

Laut "Spiegel" sagte ein Wettpate das 0:4 gegen Kroatien samt Ausschluss in Hälfte eins voraus.

von Alexander Huber, Günther Pavlovics

Wilson Raj Perumal zählt zu den großen Nummern. Wird über internationalen Wettbetrug gesprochen, fällt der Name der verurteilten Manipulators schnell.

In den vergangenen 20 Jahren wurde Perumal ein halbes Dutzend Mal verhaftet. Das Warnsystem der großen Fußballverbände wie der FIFA hat ihn laut eigener Aussage nie erwischt. Nun soll er nach einer Haftstrafe in Finnland die Seiten gewechselt haben und in Ungarn als Kronzeuge in einem Prozess gegen sein ehemaliges Syndikat auspacken.

Was Perumal dem angesehenen deutschen Magazin Der Spiegel schrieb, dürfte der WM in Brasilien nach dem Biss von Uruguay-Star Luis Suárez einen weiteren handfesten Skandal bescheren.

Die Meldung aufSpiegel Onlineist eindeutig und erschütternd: "Einige Stunden vor derPartie Kamerun gegen Kroatien schrieb Perumal in einer Nachricht, dass die Afrikaner das Spiel 0:4 verlieren würden und dass in der ersten Halbzeit einer ihrer Spieler die Rote Karte bekäme. Tatsächlich verlor Kamerun die Begegnung mit diesem Ergebnis, in der 40. Minute flog Alex Song nach einer Tätlichkeit vom Platz."

In einem Facebook-Chat habe Perumal laut Spiegel das Debakel also exakt samt der völlig unnötigen Roten Karte vorhergesagt. So präzise, dass nur das Wissen über den Plan einer Manipulation als Erklärung dienen kann.

Bereits am 23. Juni berichtete der Guardian, dass das 4:0 von Kroatien nicht auf legalem Weg zustande gekommen sein könnte. Perumal hat sogar einen noch schwerer wiegenden Verdacht: "In dieser Mannschaft gibt es sieben faule Äpfel", schrieb Perumal dem Spiegel. Er glaubt, das Team habe sogar alle drei Gruppenspiele verschoben.

Schon 2006 gab es Gerüchte, dass Ghana im WM-Achtelfinale gegen Brasilien (0:3) ganz bewusst nicht alles gegeben habe.

Wie es soweit kommen kann? "Einige Analysen ergeben, dass das Geschäft mit geschobenen Partien lukrativer ist als der Drogenhandel. Es ist extrem profitabel", sagte der frühere FIFA-Sicherheitschef Chris Eaton dem KURIER vor einem Jahr.

Die FIFA beruhigt

Sein Nachfolger Ralf Mutschke hatte gewarnt, dass Wettbetrüger vor der WM nicht halt machen würden. Die FIFA beobachtet rund um die Uhr die Bewegungen auf dem Wettmarkt. Es gibt auf der Internetseite FIFA.com eine Anlaufstelle für Whistleblower, die dort ihr Wissen anonym weitergeben können. Pro Woche gibt es 55.000 solcher Whistleblower-Zugriffe. Der Großteil dieser Informationen ist allerdings wertlos.

Laut Mutschke gab es bei dieser WM keinerlei Manipulationsverdacht. Der Linienrichter aus Kolumbien, der bei MexikoKamerun zwei falsche Abseitsentscheidungen getroffen hat, habe wohl einen schlechten Tag erwischt. Auch die 98 Vorbereitungsspiele sollen unverdächtig gewesen sein. Obwohl bei SchottlandNigeria der afrikanische Goalie ein kurioses Eigentor fabriziert hatte, das aber wegen eines Foulspiels nicht gegeben wurde. Und ein Spieler aus Nigeria hatte erklärt, dass er von Fixern angesprochen worden sei.

Die FIFA muss sich zudem vorwerfen lassen, Untersuchungen zu verschleppen. Dabei geht es um mutmaßlich verschobene Spiele vor der WM 2010. Involviert sind Offizielle aus Südafrika und ein Schiedsrichter aus Niger. Der Referee hat sich zurückgezogen, die südafrikanischen Behörden haben das Verfahren auf Geheiß des südafrikanischen Präsidenten eingestellt. "Wenn die staatlichen Stellen nicht mitziehen, wird es für uns doppelt schwer", sagt Mutschke.

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