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Thema Weltfrauentag
03/08/2019

Frauentag: In Österreich sind Frauen so sicher wie fast nirgendwo

Zahlen, Daten, Fakten. Der Weg zur völligen Gleichberechtigung ist steil und lang. Nicht nur beim Einkommen gibt es Ungerechtigkeiten.

Der Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau dauert schon Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte an. Wir schreiben das Jahr 2019, und noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen die gleichen Rechte, Chancen und Einkommen haben wie Männer – das ist in Österreich nicht anders als im Rest der Welt, zeigen die Statistiken:

Nur jeder 10. Österreicher bzw. jede 10. Österreicherin ist der Meinung, dass Frauen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt sind. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die vom Meinungsforschungsinstitut Karmasin & Research Identity gemacht wurde. Auf die Frage, in welchen Lebensbereichen Frauen nicht gleichberechtigt sind, lauteten die Antworten wie folgt: Aufstieg im Beruf 59 Prozent, Politik 30 Prozent, Gehalt 74 Prozent, Haushalt 39 Prozent und Kindererziehung 38 Prozent. Im Klartext: Die Ungleichheit wird im Arbeitsleben besonders stark wahrgenommen – und das offensichtlich nicht nur von Frauen.

Dass das nicht nur ein Gefühl ist, sondern auch Realität, legt das Ranking des Wirtschaftsberaters PwC nah. In dem Index wird das Wohlergehen von Frauen in 33 OECD-Staaten vergleichen. Gemessen wird, wie groß die Lohnunterschiede sind, wie viele Frauen arbeiten gehen – auch im Vergleich zu den Männern –, wie hoch der Anteil der Vollbeschäftigten und Arbeitslosen ist. Trauriges Ergebnis: Österreich rutschte 2017 auf Platz 25 ab – im Jahr 2000 lag das Land noch auf einem passablen 13. Platz. Nur Portugal und die USA haben sich seither dermaßen verschlechtert.

Beim sogenannten Gender Pay Gap – dem Einkommensunterschied von Männern und Frauen – steht Österreich nicht besonders gut da. Laut den aktuellsten Zahlen der Statistik Austria erhalten ganzjährig vollbeschäftigte Frauen in Österreich im Durchschnitt 84,4 Prozent des Jahreseinkommens von Männern. Plakativ gesprochen heißt das, dass Frauen bis zum 26. Februar "unbezahlt" arbeiten.

International

Ein Blick über die Grenzen zeigt: die Emanzipation ist unterschiedlich weit fortgeschritten. Das belegen Zahlen, etwa der UNO oder dem World Economic Forum. Nestpick (eine Plattform, die Wohnungen vermietet) hat diese ausgewertet und kam auf teils vorhersehbare, teils überraschende Erkenntnisse:

- Spitzenreiter Am besten leben Frauen im Norden, allen voran in Norwegen. Schweden und Kanada folgen. Diese Länder punkten in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit und Bildung und einem allgemein hohen Lebensstandard – auch die Gesetzgebung sorgt dafür, dass Mann und Frau hier am ehesten auf Augenhöhe leben. In Estland gibt es den höchsten Anteil an Unternehmerinnen, während in Singapur die Frauen im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) besonders gut abschneiden.

Das sicherste Land ist Kanada und – das ist ein Grund zum Jubeln – Österreich auf Platz 2, gefolgt von Island auf Platz 3. In Australien sind die Frauen am besten gebildet, Island wiederum nimmt in Sachen Frauenrechte den Spitzenplatz ein.

- Besonders ungleich Die traurigen "Spitzenreiter" in Sachen Ungleichheit liegen in Afrika und Asien. Am schlechtesten ist die Situation für Frauen in Nigeria. Äthiopien, Pakistan und Uganda steigen nur unwesentlich besser aus. Dass Kamerun den höchsten Anteil an professionellen Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen und auch den "niedrigsten" Gender Pay Gap (Frauen dürften mehr verdienen als Männer) hat, hilft in der Gesamtwertung nur wenig: Das zentralafrikanische Land landet auf dem unrühmlichen 93. Platz.

Manchen überrascht, dass das westafrikanische Ruanda (auf dem 91. Gesamtplatz) den höchsten Anteil an Frauen in der Politik – Bezug nehmend auf die Positionen in Ministerien und Parlamenten – aufweist.