Style
08/17/2016

Der ultimative Klassiker unter den Verlobungsringen

Eine Million Mal sehen Frauen im Laufe ihres Lebens den Verlobungsring an. Einer von Tiffany gilt seit 130 Jahren als Nonplusultra.

Wenn Kundinnen den Tiffany-Store am Wiener Kohlmarkt betreten, kann es schon einmal vorkommen, dass Tränen fließen. Das Schmuckstück, das für die heftigen Emotionen sorgt, gilt als Aushängeschild des amerikanischen Edeljuweliers: ein Ring aus Platin mit weißem Diamant. Solche Szenen sind für Monika Wiltschnigg in der Tat nichts Ungewöhnliches. Seit der Store vor zehn Jahren eröffnete, verkauft die Filialleiterin mehrere Stücke pro Tag. Viele Frauen träumen ein Leben lang davon. Kein Wunder – der Tiffany Setting gilt als berühmtester Verlobungsring der Welt.

Vor 130 Jahren wollte Charles Lewis Tiffany einen Ring kreieren, der den Diamanten im Brillantschliff besser als je zuvor zur Geltung bringen sollte. Der Tiffany Setting war geboren. Eine offene Fassung, die den Edelstein von der Schiene nach oben hebt, zeichnet ihn aus. Dadurch soll das von allen Seiten einfallende Licht besser reflektiert werden. Was 1886 begann, hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Bei ihrer Verlobung führt für viele US-Bürgerinnen kein Weg mehr an dem Edeljuwelier vorbei. Zu diesem Hype hat der Film Breakfast at Tiffany’s maßgeblich beigetragen.

Darin betritt Audrey Hepburn alias Holly Golightly das Geschäft auf der Fifth Avenue und lässt sich einen billigen Ring aus der Kekspackung gravieren. Zurück bekommt sie ihn in einer blauen Schachtel, die später genauso berühmt wird wie der Schmuck. Heute ist der Store in New York Anlaufpunkt für viele Touristen – und Menschen, die auf der Suche nach dem ikonischen Verlobungsring sind. Dass der Mann immer noch alleine aussucht, stimmt nicht mehr. "Ungefähr die Hälfte besucht uns als Paar", sagt Wiltschnigg im Gespräch mit dem KURIER. Kommt ein Mann alleine und ohne konkrete Vorstellungen in die Filiale, liegt es an der Schmuck-Expertin und ihren Kollegen, die richtigen Fragen zu stellen. Welchen Kleidungsstil hat die Frau, welchen Schmuck trägt sie gerne? So sollen Fehlkäufe vermieden werden.

"Viele Frauen nehmen ihre Mutter oder beste Freundin mit, wenn sie das Gefühl haben, bald könnte der große Moment kommen", so Wiltschnigg. Anschließend wird der besseren Hälfte (unauffällig) der Wunsch der Frau kommuniziert. An den Mann ist der Traum vom perfekten Schmuckstück jedoch nicht gebunden. "In manchen Fällen wissen junge Damen noch nicht einmal, wen sie irgendwann heiraten wollen. Aber sie wissen ganz genau, welchen Ring sie dann haben möchten", weiß die Filialleiterin.

Ein Karat – und gerne mehr

Wie viel Karat der Diamant hat, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern des Budgets. In Österreich wird alles bis zu einem Karat gut verkauft. "Unsere Kunden geben für den Verlobungsring im Durchschnitt ein bis zwei Monatsgehälter aus", sagt Juwelier Anton Heldwein. Ganz anders in Amerika: Dort werden ungefähr drei Monatseinkommen für das Schmuckstück eingeplant, wie Gitta Gräfin Lambsdorff weiß.

"Amerikaner haben eine klare Erwartung, wenn es um den Wert eines Verlobungsringes geht", sagt der Managing Director von Tiffany. Ein Karat sei das Minimum, nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. In den USA bietet das Schmuckunternehmen sogar Null-Prozent-Kredite, die sogenannten Tiffany Setting Payment Plans, an. In Europa gehe man laut Lambsdorff weniger systematisch vor. Hier werde auf Ausgewogenheit zwischen Größe und Preis geachtet.

Neben weißen Diamanten, die meist auf Platin- oder Weißgold-Ringen sitzen, kommen immer öfter Farbsteine an den Finger. Karin Saey vom Dorotheum Wien sieht diesen Trend in der Beliebtheit von Prinzessin Diana begründet. Den mit 14 Brillanten umkränzten Saphir-Ring schenkte Sohn Prinz William viele Jahre später seiner Kate – und sorgte damit weltweit für einen Ansturm auf Fancy Colours. Deren Seltenheit macht für viele die Faszination aus: Auf 10.000 weiße Diamanten kommt lediglich ein farbiger Stein.

Emotion pur

Nach der Entscheidung für ein Schmuckstück ist Monika Wiltschnigg nochmals bei der Organisation der Verlobung gefragt. "Ich finde es besonders schön, wenn diese Momente bei uns in der Filiale stattfinden. Wir haben gerade eine Anfrage von einem Kunden aus London bekommen. Er hat dort einen Ring gekauft und wird seine Freundin während des Urlaubs in Wien überraschen. Pünktlich zum Besuch des Paares wird der Champagner kalt gestellt und der Blumenstrauß vorbereitet", verrät sie.

Findet der Antrag woanders statt, schickt das Paar im Nachhinein Fotos an Wiltschnigg und ihr Team. Vom Hubschrauber bis zum Kniefall am Flugsteig ist fast alles dabei. Doch was, wenn sich die Beschenkte eigentlich einen anderen Ring gewünscht hätte? "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Verlobungsring gar nicht der richtige war. Manche Damen haben sich einen größeren Stein gewünscht. Dann kam es im Nachhinein zum Upgrade."

Den teuersten Ring, der seit Bestehen der Wiener Filiale verkauft wurde, wird Monika Wiltschnigg nicht so schnell vergessen: "Ein Kunde entschied sich für einen Fünfkaräter." In dieser Größenordnung muss zuvor die weltweite Verfügbarkeit geprüft werden. Kostenpunkt: Fast eine halbe Million Euro.