Style
18.11.2018

Sammler: Dieser Wiener übernachtet für Sneakers vor Stores

Seltene Modelle und viel Durchhaltevermögen: Zu Besuch bei einem der bekanntesten Sneakerheads Österreichs.

Es dauert einen Moment, bis er die Frage beantworten kann. "Wieviele Schuhe ich besitze? Ich habe ehrlich gesagt irgendwann den Überblick verloren", sagt Stephan Storn. "Ich schätze, dass es ungefähr 200 Paar sind."

Was für den einen lediglich gemütliche Treter sind, ist für den Wiener tragbare Kunst. Seit seiner Jugend sammelt der 35-Jährige leidenschaftlich Sneakers, vornehmlich von Nike. Mittlerweile gehört er hierzulande zu den bekanntesten sogenannten Sneakerheads und vernetzt mit seiner Instagram-Seite WOMFT? (What’s On My Feet Today) Schuhfans in ganz Europa. In seine Wohnung im zweiten Bezirk passen längst nicht mehr alle Schuhkartons. "Einige sind im Keller, andere sind bei meiner Oma", verrät Storn, während er aus dem Schuhschrank im Vorzimmer eine Box nach der anderen herausholt. Die wichtigsten und vor allem seltensten bewahrt er natürlich hier auf.

Der heilige Gral

"Das sind wahrscheinlich die wertvollsten Schuhe meiner Sammlung", sagt er und zeigt ein Paar graue High-Top-Sneakers. Es sind Air Yeezys, die von Rapper Kanye West für Nike designt wurden – noch bevor er 2015 zu Adidas wechselte und dort mit seinen Schuhen einen Massenhype auslöste, der bis heute anhält.

Das Leder ist handverarbeitet, das Innere mit luxuriösem Seidenfutter ausgestattet und die Memory-Sohle speichert den Fußabdruck, damit höchster Tragekomfort garantiert ist. Zudem leuchtet die Sohle im Dunkeln. "Es ist eines der raren Modelle und für viele der heilige Gral der Sneakers", erklärt der Sammler. Das Modell sei so begehrt, dass man dafür auch in getragenem Zustand noch sehr gutes Geld bekommen würde.

Sneaker Lieblingsmodel

Um so ein Paar Schuhe ihr Eigen nennen zu können müssen Sneakerheads nicht nur gut informiert sein, sondern vor allem Durchhaltevermögen beweisen. "Für diesen Schuh bin ich extra mit Freunden nach Italien gefahren. Dort haben wir vor dem Store drei Tage lang in Schlafsäcken und auf Campingstühlen übernachtet", erinnert sich Storn. Denn wer am ersten Verkaufstag nicht unter den ersten Kunden ist, hat keine Chance auf den Schuh.

Lukrativer Verkauf

Aktionen wie diese machen das Ausmaß des Sneaker-Hypes deutlich. Während die einen ein Stück Schuhgeschichte besitzen wollen, geht es vielen, die sich heute für außergewöhnliche Modelle interessieren, nur um das Geschäft. "Sie sind wie Aktienspekulanten auf dem Schuhsektor", erklärt der Wiener, der als Filialleiter beim Sneaker-Store Snipes arbeitet. Schon vor dem Verkaufsstart stellen Käufer die Schuhe zur Vorbestellung auf Ebay und anderen Verkaufsplattformen online – natürlich zu einem Vielfachen des Originalpreises.

"Ich habe damals 300 Euro für die Air Yeezys bezahlt, am gleichen Abend wurden online bereits 2500 Euro verlangt", erzählt der Experte. Je limitierter der Schuh, umso teurer wird er. Skurril: Fans solcher Kreationen tragen sie in vielen Fällen nicht einmal – schließlich sinkt dadurch der Wert der Ware.

Sneaker Pigeon Dunk Polizeieinsatz

Für Storn steht die Freude am Sneaker im Vordergrund. "Ein Schuh muss getragen werden", sagt der leidenschaftliche Skater. Selbst das außergewöhnlichste Paar wird regelmäßig auf Wiens Straßen ausgeführt: Der "Hyper Adapt" von Nike, ein sich selbst schnürender Schuh, zu dem sich die US-Firma von Michael J. Fox’ legendärem Schuhwerk in "Zurück in die Zukunft" inspirieren ließ. "Ich habe schon als Kind gesagt, wenn so ein Schuh jemals wirklich produziert wird, muss ich ihn unbedingt haben."

Sind also alle Schuh-Träume erfüllt? Nicht ganz. "Das Original aus dem Film würde schon sehr gerne irgendwann besitzen", gibt Stephan Storn zu. Mehrere zehntausend Euro wären dafür fällig. "Das ist mir aber dann doch zu teuer."