Marina Hoermanseder: Eine Wienerin begeistert Berlin

Berliner Fashion Week
Foto: APA/dpa/Jens Kalaene Hoermanseder hat sich zum Liebling der Modeszene gemausert

Sie gehört zu Österreichs erfolgreichsten Mode-Exporten. Auch mit ihrer neuen Kollektion hat Hoermanseder ins Schwarze getroffen.

Marina Hoermanseder, aus Wien stammender Mode-Darling der Fashion Week in ihrer Wahlheimat Berlin, hat sich für Herbst/Winter 2017/18 von den Bühnenroben der Opernwelt und dem Rüschenrauschen des viktorianischen Zeitalters inspirieren lassen. Mit den neuen Entwürfen geht es an die Ursprünge ihres Labels zurück: die Faszination für die Fragilität des menschlichen Stütz-und Bewegungsapparats.

Lack bleibt, mehr Schwarz kommt

Orthopädie und Fetisch stehen wieder mehr im Mittelpunkt, Lack und Leder - vor allem in Schwarz, aber auch in Pink - spielen eine ganz große Rolle. Die Frauenfiguren, die Hoermanseder beim Designen vorgeschwebt sein dürften, scheinen voller Widersprüche: ätherisch und irdisch, sensibel und sinnlich. Zartes wie Raffungen, Rüschen und Schleifen trafen auf pompöses Volumen. Ihre romantisch-verspielten Leder-Blümchen gab es auch wieder da und dort, ebenso die für ihr Label typischen Schnallen und Riemen.

Berliner Fashion Week Foto: APA/dpa/Jens Kalaene

Die Models führten bei der Show am Donnerstagnachmittag im ehemaligen Kaiserlichen Telegraphenamt in der Französischen Straße in Berlin-Mitte Opulenz in glänzend kühlem Flieder und samtigen Stoffen, Kreationen aus transparenten Materialien und mit viel Glamour von Swarovski-Kristallen und irisierenden Perlen vor. Zu sehen gab es auch viele superweite Hosen, sowohl bodenlang im Marlene-Stil als auch knie- oder wadenlang, zarte, durchsichtige Oberteile und Überwürfe mit Volantärmeln und kräftig aufgeputzte Korsagen.

Anders als bisher setzt die 30 Jahre alte Modemacherin aktuell stark auf dunkle Farben und Schwarz in allen Facetten. Passend ertönte der Song "You Want It Darker" des kürzlich verstorbenen Singer-Songwriters Leonard Cohen aus den Lautsprechern, aber auch schräge Opernmusik und Falcos "Vienna Calling", zum Abschluss der Rap-Song "Gangsta's Paradise" von Coolio.

Die Österreicherin mit deutschem Standbein hat seit ihrem umjubelten Berliner Debüt im Jänner 2014 den Spagat zwischen Kunst und Kommerz, zwischen spektakulären Show-Stücken für die roten Teppiche - Lady Gaga!, Rihanna! - und der Nachfrage nach tragbarer Mode geschafft. Auch diesmal sorgten ihre Versionen von orthopädischen Korsetten und ihre Vorliebe für Lederriemen und Lack-Outfits für fotogene Wow-Effekte. Ihr Statement-Stück mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist ein Lederriemenrock, knielang und so steif, dass die Trägerin darin nur tippeln kann. Streng wirkten auch die kunstvollen Flechtfrisuren der Models, herausfordernd das Schuhwerk, vor allem die hochhackigen Overknees, designt by Hoermanseder und hergestellt vom Luxusschuhhaus Christian Louboutin.

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Gleichzeitig präsentierte die vom Handwerk begeisterte Designerin, die zu Beginn ihrer Laufbahn bei einem Sattler die Lederverarbeitung gelernt hat, vornehme Capes und feminine Kleider. Exklusiv für diese Kollektion hat Hoermanseder mit dem Vorarlberger Wäsche-Traditionshaus Wolford zusammengearbeitet. Die in dieser Kooperation entstandenen Strumpfhosen - etwa mit "Marina-Gürtelschnalle" am Oberschenkel und ihrem Namenszug in der aufgemalten Strumpfnaht, oder auch im "Bondage"-Look - sowie ein Body und ein Kleid werden auch im Handel erhältlich sein.

Berliner Fashion Week Foto: APA/dpa/Jens Kalaene

Im vergangenen Jahr hatte die junge Unternehmerin mit Uni-Abschlüssen in Mode und Wirtschaft ihr Berliner Atelier vergrößert, ihre erste Make-up-Kollektion entwickelt und eine Kooperation mit der japanischen Kultmarke Hello Kitty abgeschlossen. Abwechslungsreich geht es weiter: Für 2017 hat Marina Hoermanseder vor, noch stärker im US-amerikanischen Celebrity-Sektor Fuß zu fassen. Außerdem sollen demnächst die von ihr entworfenen neuen Uniformen für die Österreichische Post vorgestellt werden.

Berliner Fashion Week Foto: APA/dpa/Jens Kalaene

(apa, Kurier/mz) Erstellt am
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