Unterwegs mit Joesi Prokopetz

© gilbert novy

Unterwegs mit
03/31/2013

Joesi Prokopetz: "Ich belausche gerne die Leute"

Mit dem wortgewaltigen Kabarettisten und Musiker Joesi Prokopetz in der Badner Bahn.

von Maria Gurmann

Er kommt durch die Drehtüre im Hotel Bristol, nimmt das Kapperl ab – und ärgert sich. „Ich hab einen Zorn auf mich, weil ich so deppert bin und meine Brille schon zum zweiten Mal im Büro in Mödling vergessen hab“, sagt der kurzsichtige Kabarettist blinzelnd. Joesi Prokopetz bestellt ein Paar Würstel und ein Mineral. Das beruhigt die Nerven, bevor der 61-Jährige mit der Badner Bahn wieder Richtung Süden fahren wird, wo er mit Karin Fendrich (51) – „sie ist mein Restlebensmensch“ – wohnt.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist er ein Beobachter, ein Lauscher an der Wand. „Nicht wegen mir, sondern, wie Schiller sagte: Wände haben Ohren, Mauern sind Verräter.“ Wenn dann eine Wuchtel von den Belauschten kommt, macht er sich sofort Notizen im iPhone. Das wird vom sprachgewandten Künstler noch dramatisiert. „Denn wie Truffaut sagt: Das Leben schreibt die besten Geschichten, aber es ist schlecht inszeniert. Also richte ich unter Weglassung des gesamten verbalen Mülls die Geschichten her.“ Und packt sie in seine Programme. Wie zuletzt in sein Solo-Kabarett „Die Schöpfung – eine Beschwerde“.

Karriere-Start

Werbetexter war der in Ottakring geborene Sohn eines Schriftsetzers und einer Kontorin „wegen Geldmangels“ nur kurze Zeit. Weil dann schrieb er den Jahrhundert-Hit „Da Hofa“ für Wolfgang Ambros. Das war der Beginn seiner Karriere – und der Beginn des Austropop, von dem „ein paar Dinosaurier“ übergeblieben sind. „Der Wolfgang, der Rainhard und der Klaus ein bissl mit der EAV. Zwei der ganz bedeutenden Vertreter, Ludwig Hirsch und Georg Danzer, haben wir ja an dieses schlechte Konzept der Sterblichkeit abgeben müssen.“

Beschäftigt den drei Mal Geschiedenen, dreifachen Vater und einfachen Großvater das Älterwerden? „Ja, ständig. Es kommt schleichend und es ist irreversibel. Ich werde aber nicht melancholisch oder demütig – ich habe einen Zorn, dass das nicht mehr so ist wie früher.“ Dahinsiechen will er im Alter nicht. „Die Würde wird einem genommen. Ich möchte Tötung auf Verlangen“, sinniert er.

Lucky Punch

1974 entstand mit Manfred Tauchen „Der Watzmann ruft“. Ein rustikales Musical, das auch nach 40 Jahren ein Evergreen ist. „Die Besetzung ist seit Jahren gleich. Christoph Fälbl, Klaus Eberhartinger, Wolfgang Ambros und ich.“ Teils schöne, teils weniger schöne Erinnerungen hat Prokopetz an den Höhenflug mit der Gruppe DÖF. „Codo“ (1,2 Millionen verkaufte Singles) „ist ein Lucky Punch gewesen“, sagt der Hobby-Boxer, der zwei Mal in der Woche in seinem Keller auf den Geräten rudert und radelt, bevor er „drei Runden am Sandsack boxt“.

Während Joesi trotz des Hypes nie den Boden unter den Füßen verlor, hob Manfred Tauchen ab. „Es gibt viele Mitbewerber in Österreich, die sich vorkommen wie Weltstars. Ich habe beobachtet, je weiter es jemand gebracht hat, desto mehr Bodenhaftung hat er. Aber da gibt es Leute, die kommen nach St. Nowotny am Sessellift, wo sie spielen, und wollen – ich sag’s jetzt übertrieben – ein goldenes Scheißhaus haben. Mittelmaß pudelt sich gern auf“, bringt es der Wortgewaltige auf den Punkt.

Vor vier Jahren wurde ihm der Professorentitel verliehen. „Ich habe auch ganz klein auf der Geschäftskarte Professor stehen. Was wiegt’s, das hat’s“, sagt er schmunzelnd.

Der Ottakringer

Das Sprachgefühl habe er vom humorvollen Vater Hans, die Musikalität von seiner „bissl theatralischen“ Mutter Eugenie geerbt. „Ich bin beim Heurigen im Eck am Bankerl gelegen und hab geschlafen. Mein Vater hat nach zwei, drei Vierteln die Musik geholt und zu meiner Mutter gesagt: Genie, sing!“, sagt der Ottakringer und setzt sich gemütlich an einen Tisch in der Badner Bahn.

Seine Reizschwelle sei hoch. „Zornig macht mich nur, wenn ich Menschen reden höre, die man unter brunzdumm und noch stolz drauf subsumieren kann. Drum sag ich auch in meinem Programm: Kaum ist in Österreich einer gscheit, is er schon ein Trottel.“ Ja, dem Joesi Prokopetz könnte man ewig zuhören. Da reicht die Strecke Oper–Mödling und retour gar nicht aus.

Sonntagsfragen

Eine Premiere ist gelungen, wenn mir danach wichtige Freunde sagen, dass es gut war.

Karin ist für mich der Restlebensmensch.

Meine beste Eigenschaft ist meine Selbstironie.

Meine schlechteste Eigenschaft ist meine Ungeduld. Und manchmal immer noch Intoleranz. Dann kommt ein Vorurteil unüberlegt aus mir heraus.

Heiraten brauch’ ich nicht mehr. Ich war schon drei Mal verheiratet. Ich mag Hochzeiten nicht. Ich hab’ schon meine nicht mögen.

Mein Lieblingsplatz ist der kleinste Tisch im Haus, gleich neben der Kuchl. Da sitzen wir dann alle gemütlich zusammengedrängt.

Info: Joesi Prokopetz solo: „Die Schöpfung – eine Beschwerde“, Es „menschelt“ nicht, es „trottelt“ zum „Volksmundgeruch“; 3.4. Wien, stadtTheater ; 4.4. Europark Salzburg, 10.4. Kulisse Wien. www.prokopetz.at

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