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„Musste lernen, mutig zu sein“: Shania Twain über verheerende Lebenskrise

Sängerin Shaina Twain musste in ihrem Leben schon zahlreiche Schicksalsschläge einstecken.
Shania Twain trägt einen schwarzen Cowboyhut und ein goldenes, gemustertes Oberteil vor einem dunklen Hintergrund.

Shania Twain weiß, was es bedeutet, kämpfen zu müssen. Als Kind lebte ihre Familie oft am Existenzminimum. Shania Twains Eltern waren so arm, dass sie als Kind oft hungrig zur Schule gehen musste. „Es ist nicht einfach, sich zu konzentrieren, wenn dein Bauch knurrt“, erinnerte sich die Kanadierin, die in der ländlichen Bergbaustadt Timmins in Ontario aufwuchs, einmal an die harten Zeiten. Der Stiefvater der Sängerin war gewalttätig. Als Twain in der Pubertät war, wurde sie Opfer sexuellen Missbrauchs ihres Stiefvaters

Shaina Twain musste früh erwachsen werden

1987 erlitt Twain einen weiteren Schicksalsschlag, als ihre Mutter, die an Depressionen litt, und ihr Stiefvater bei einem Autounfall starben und sie die Fürsorge für ihren Bruder und ihre Schwester übernahm. Twain war damals 21 und musste sich alleine um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Unterkriegen ließ sich der Country-Star aber nie: „Wenn du einen emotionalen Tiefpunkt wie diesen erreichst, realisierst du, worauf es im Leben wirklich ankommt.“

Nach über drei Jahrzehnten im Showgeschäft ist Twain stärker und selbstbewusster denn je - obwohl ihr Leben von zahlreichen Tiefpunkten geprägt war. 

„Angst treibt mich an“

„Ich musste schon sehr früh lernen, mutig zu sein und nicht zusammenzubrechen“, erzählte sie jetzt gegenüber People und betonte, wie sehr ihr ihre Selbsttherapie geholfen hat, immer wieder nach vorne zu blicken. „Ich habe schwierige Zeiten überstanden, indem ich Mut bewiesen, tapfer war und meine Angst überwunden habe“, führte sie weiter aus. „Angst treibt mich an.“

Tatsächlich blickt Twain auf eine äußerst lange Lebenskrise zurück. Nach ihrem 2002 erschienenen Album „Up!“ war es für lange Zeit still um die Sängerin geworden, bevor sie sich 2017 mit ihrer Platte „Now“ zurückmeldete. Der Grund für die 15-jährige Pause waren private und gesundheitliche Probleme. Dazu gehörten ihre schlagzeilenträchtige Scheidung von ihrem ersten Ehemann, dem Musikproduzenten Robert John „Mutt“ Lange, und eine Stimmbandoperation, nachdem sie aufgrund einer Lyme-Borreliose beinahe ihre Stimmbänder verloren hätte.

Laut eigenen Angaben infizierte sich Shaina Twain während einer Tournee, die von 2003 bis 2004 lief, mit Lyme-Borreliose. „Ich war reiten und wurde von einer Zecke gebissen (...). Meine Symptome waren ziemlich beängstigend, weil mir vor der Diagnose auf der Bühne sehr schwindelig war, ich das Gleichgewicht verlor und Angst hatte, von der Bühne zu fallen“, erinnerte sich der Country-Star in ihrer Netflix-Dokumentation „Not Just A Girl“ im Jahr 2022. „Ich hatte diese Millisekunden-Blackouts, aber regelmäßig - jede Minute oder alle 30 Sekunden.“

Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um die weltweit häufigste Zecken-Infektionskrankheit. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann die Infektion die Gelenke, das Herz und das Nervensystem des Menschen angreifen und schwere Komplikationen verursachen.

Doch dessen nicht genug. Nach einer scheinbar jahrelangen Bilderbuch-Ehe mit Lange, mit dem Twain von 1993 bis 2010 verheiratet war, hatte die Sängerin durch Zufall erfahren, dass ihr Ex-Mann sie über Jahre mit ihrer besten Freundin betrogen hatte. „Es war wie ein Schlag in die Magengrube, unvorbereitet und plötzlich“, sagte Twain 2017 zu Bild am Sonntag. Zu dieser Zeit kamen auch erhebliche Stimmbandprobleme hinzu - ausgelöst durch die Borreliose-Infektion, wie sich aber erst später herausstellte. 

Twain wurde zunächst mit Dysphonie diagnostiziert - einer Beeinträchtigung der Stimme durch eine Funktionsstörung des Kehlkopfes. „Dysphonie kann operativ nicht behandelt werden. Ich musste von heute auf morgen mit dem Singen aufhören und meine Stimme neu aufbauen“, so Twain damals gegenüber der Bild. Später erzählte sie in der Talkshow von Markus Lanz, dass der Stimmverlust auf ihre Borreliose-Infektion zurückzuführen war. Sie wurde durchgecheckt, doch: „Niemand kam auf die Idee, meinen Kehlkopf zu checken.“

Ein Fehler mit fatalen Folgen. „Ich verlor meine Stimme. Ich konnte plötzlich nicht mehr singen, kein Volumen aufbauen, meine Töne nicht mehr kontrollieren. Atrophie in meinen Stimmbändern wurde diagnostiziert“, erzählte sie Lanz. 

2011 und 2018 musste sie sich offenen Halsoperationen an den Stimmbändern unterziehen.

Was in ihr steckt, hat die Kanadierin immer wieder aufs Neue bewiesen. Seit ihrem ersten Plattenvertrag 1992 hat Twain weltweit über 100 Millionen Alben verkauft, fünf Grammys gewonnen und ist zur erfolgreichsten Country-Pop–Künstlerin aller Zeiten geworden. Trotz gesundheitlicher Probleme hatte sie sich 2017 nach fünfzehnjähriger Pause mit einem neuen Album zurückgemeldet. 

Neues Album „Little Miss Twain“ 

Gerade erst hat sie ihr siebtes Studioalbum „Little Miss Twain“ veröffentlicht, in dessen Texten wichtige Erinnerungen an ihre Jugend verarbeitet werden. „Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, die Herausforderungen zu verarbeiten, die ich erlebt habe“, sagte sie dazu gegenüber People. „Jetzt kann ich wirklich gerne mit einem Lächeln darauf zurückblicken.“

Auf dem neuen Album erzählt sie Geschichten, „die niemand kennt.“

„Ich bin wahnsinnig schnell erwachsen geworden“, erzählte sie über ihre Kindheit und Jugendjahre. „Wir hatten nicht immer genug Geld, um die Rechnungen zu bezahlen. Ich gehörte zu den Erwachsenen: Ich brachte die Kinder zur Schule, kochte aus dem Nichts - aus dem, was in Gläsern übrig war, zum Beispiel Ketchup–Sandwiches - und versuchte, meine Mutter in ihrer Depression zu unterstützen, weil sie uns nicht ernähren oder im Winter nicht warmhalten konnte. Sie war eine wundervolle Mutter, aber sie kam nicht damit klar, dass sie uns nicht immer so versorgen konnte, wie sie es für richtig hielt.“

„Meine Musik war oft ihr Rettungsanker. Sie gab ihr Hoffnung, dass wir vielleicht die Beverly Hillbillies werden könnten“, verriet Twain. Nach all den Umbrüchen, die sie durchgemacht hat, fühle sich die 60-Jährige heute stärker und selbstbewusster denn je. „Ich habe wieder die Zügel in der Hand“, so Twain über ihr Leben und ihr künstlerisches Schaffen. 

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