Schwieriger Weg zur Abstinenz: Pitts Kampf begann in der Schulzeit
Brad Pitt
Oscar-Preisträger Brad Pitt überraschte diese Woche damit, dass er nach jahrelanger Abstinenz wieder Alkohol trinkt. „Ich war sieben Jahre lang trocken. Und dann bin ich wieder rückfällig geworden“, sagte er im Interview mit dem Magazin Esquire und fügte hinzu: „Auf etwas gemäßigtere Weise. Ich bin ein paar Mal übermütig geworden, habe dann aber gemerkt: Ja, nee, das tut mir nicht gut. Nicht in großen Mengen.“
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Insider: Pitts Rückfall war „schleichender Prozess“
Der 62-Jährige Schauspieler hat in den vergangenen Jahren offen über seinen Alkoholkonsum gesprochen und ist nach der Trennung von Angelina Jolie im Jahr 2016 abstinent geworden. Im vergangenen Jahr hatte er von seiner Zeit bei den Anonymen Alkoholikern berichtet. „Ich war so ziemlich am Boden, auf den Knien. Ich war wirklich offen. Ich habe alles ausprobiert, was man mir angeboten hat“, sagte Pitt im Podcast „Armchair Expert with Dax Shepard“.
Am Donnerstag erklärte eine Quelle aus dem Umfeld des Filmstars gegenüber der Boulevardzeitung Daily Mail, dass der Rückfall des Stars in den letzten Jahren ein „schleichender Prozess“ gewesen sei.
„Den Großteil der 90er habe ich mich versteckt und Gras geraucht“
Tatsächlich hatte der erfolgreiche Filmstar bereits seit den Anfängen seiner Karriere immer wieder mit Substanzmissbrauch zu kämpfen. Nach eigenen Angaben verbrachte er den größten Teil der 1990er Jahre damit, sich vor der Öffentlichkeit zu verstecken und Marihuana zu rauchen.
„Mir war die ganze Aufmerksamkeit viel zu unangenehm“, so Pitt in einem Interview mit New York Times im Jahr 2019. „Den Großteil der 90er habe ich mich versteckt und Gras geraucht.“ Nicht nur, dass er in dieser Zeit einige seiner bekanntesten Filme - wie „Interview mit einem Vampir“, „Sieben“ und „Fight Club“ - drehte, auch sein Liebesleben füllte die Titelseiten. Vor allem die Beziehung mit Gwyneth Paltrow und die Ehe mit Jennifer Aniston waren für Pitt ein endloser Quell ungebetenen Interesses.
Sein Marihuanakonsum drohte außer Kontrolle zu geraten. Dazu sagte er 2012: „Ende der Neunziger hatte ich mich selbst so satt.“ Eine Reise nach Marokko, wo er „extreme Armut“ und andere soziale Ungerechtigkeiten miterlebte, habe dazu geführt, sein Leben zu ändern: „Ich habe damals aufgehört zu kiffen - also so gut wie - und beschlossen, vom Sofa aufzustehen.“ Nach knapp einem Jahrzehnt des Highseins war er damit an einen Punkt gelangt, „wo ihm klar wurde, dass er sich selbst einsperrte“.
Seitdem habe er das Marihuana größtenteils aufgegeben und versuche, mehr unter Leute zu gehen. „Mittlerweile gehe ich aus, lebe mein Leben und merke, dass Leute generell ganz cool sind“, sagte Pitt 2019 der New York Times.
Endgültig hörte er dem Kiffen angeblich in den 2000er Jahren auf, als er Vater wurde. 2005 hatte Pitt einen Antrag gestellt, die zuvor von Angelina Jolie adoptierten Kinder Maddox und Zahara ebenfalls zu adoptieren. Das Gericht gab dem im Jänner 2006 statt, wodurch die Kinder offiziell den Nachnamen Jolie-Pitt erhielten. Mit seiner Ex-Frau Jolie hat Pitt auch drei leibliche Kinder: Tochter Shiloh wurde im Mai 2006 geboren, gefolgt von den Zwillingen Knox und Vivienne im Juli 2008.
In der Sendung „Real Time With Bill Maher“ im Jahr 2009 beteuerte Pitt, dass mit Cannabis wirklich Schluss ist. Damals erklärte er: „Ich bin jetzt Vater. Man muss wach und konzentriert sein, und meine Augen wurden immer glasig, wenn ich konsumiert habe.“ Dabei enthüllte der Schauspieler, dass sein Konsum einst auch seine schulische Ausbildung beeinträchtigt hatte. Lediglich zwei Leistungspunkte fehlten ihm zum College-Abschluss.
„Ich musste nur eine Hausarbeit schreiben. Was für ein Typ bin ich denn? Der Typ, der immer etwas liegen lässt, macht mir Angst. Lange Zeit dachte ich, ich hätte zu viel Schaden angerichtet - Drogenschaden“, blickte Pitt damals zurück. „Ich war so ein bisschen ein Herumtreiber. Jemand, der das Gefühl hatte, in einer Art Vakuum aufgewachsen zu sein und die Welt sehen, sich inspirieren lassen wollte. Ich bin diesem anderen Ding gefolgt. Jahrelang habe ich mich verarscht. Aber dann war ich ausgebrannt und hatte das Gefühl, meine Chance zu vergeuden. Es war eine bewusste Veränderung.“
Ein Jahr vor Scheidung geriet Alkoholkonsum außer Kontrolle
2017 sprach Brad erneut über seinen Weg zur Nüchternheit und verriet, dass er „mit der Familiengründung alles aufgegeben hat, außer das Trinken“.
„Die Trennung von Angelina war wie der Tod für mich“, gab Pitt im großen Interview mit dem GQ-Magazin an, in dem er erstmals über das Ehe-Aus sprach. Die Schuld gab er vor allem sich selbst.
Etwa sechs Monate nach Jolies Scheidungsantrag gestand der Schauspieler, viel zu viel Alkohol getrunken zu haben. Vor allem in seinen Anfangsjahren als Schauspieler und dann wieder ein Jahr vor der Trennung: „Ich kann mich gar nicht erinnern, dass es einen Tag nach dem College gab, an dem ich kein Glas getrunken oder einen Spliff geraucht habe. Man will im Grunde vor irgendetwas davonlaufen.“
Als er mit Jolie eine Familie gegründet hatte, habe er zunächst aufhört mit dem exzessiven Drogenkonsum, nicht aber mit dem Trinken. Es habe Phasen gegeben, da hätte er sogar einen Russen mit dessen eigenen Vokda unter den Tisch saufen können, so der Weltstar damals.
„Ich habe mit allem aufhört außer ab und zu etwas zu trinken, als ich eine Familie gegründet habe. Aber im letzten Jahr - da gab es Dinge, mit denen ich nicht klar kam. Ich habe zu viel getrunken. Es wurde zu einem Problem. Aber ich bin glücklich, dass es jetzt ein halbes Jahr her ist - es ist ein bittersüßes Gefühl, aber ich habe endlich wieder ein Gefühl in meinen Fingerspitzen. Ich denke, das ist ein Teil des Menschseins. Entweder man verweigert sich allen Gefühlen und Fragestellungen oder du beantwortest sie und reifst dadurch“, so Pitt damals. „Und man merkt, dass vieles davon mit Zigaretten zu tun hat, mit Beruhigungsmitteln. Und ich bin vor meinen Gefühlen davongelaufen. Ich bin wirklich sehr froh, dass es vorbei ist“, sagte er.
Anonyme Alkoholiker waren die Rettung
Der New York Times erzählte Pitt 2019 von seiner Zeit bei den Anonymen Alkoholikern (AA). Im Jahr 2016 sei er einer Männergruppe beigetreten. „Es war wirklich sehr befreiend, die eigenen hässlichen Seiten bloßzulegen“, sagt er damals. Anderthalb Jahre sei er dort gewesen.
Letztes Jahr erzählte Pitt im „Armchair Expert“-Podcast, dass dies eine besonders schwierige Zeit für ihn gewesen wäre. „Ich brauchte einen Neustart“, erzählte er damals gegenüber Moderator Dax Shepard. Dieser meinte: „Man kommt nicht zu den Anonymen Alkoholikern, weil im Leben gerade alles fantastisch läuft“. Pitt antwortete: „Nein, das ist normalerweise nicht der Einstiegspunkt.“ Shepard fügte hinzu: „Das ist kein Club für Gewinner.“
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