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01/20/2020

Harry, Meghan und der milliardenschwere Interessenkonflikt des Boulevards

Wieso haben es ausgerechnet der Herzog und die Herzogin von Sussex so schwer mit den britischen Boulevardmedien? Die Antwort könnte in totgeschwiegenen Klagen liegen.

von Fee Niederhagen

Seit Prinz Harry und Meghan Markle am 19. Mai 2018 freudestrahlend die St. George's Chapel in Windsor verließen, scheinen sie mit der britischen Boulevardpresse auf Kriegsfuß zu stehen. Es ist eine lange, schmerzhafte Geschichte, die jüngst den Austritt des Paares aus der königlichen Familie nach sich zog.

Queen Elizabeth II quittierte dies mit dem Entzug ihrer Titel und königlichen Privilegien. Doch das ist es den Sussexes offenbar wert: Was sie sich mehr wünschen, als jeden royalen Status, ist ein Neustart. Ein friedvolleres Leben für die kleine Familie, abseits der blutdurstigen Presse. Denn diese hat alles andere als einen neutralen Beobachterstatus, wenn es um die Royals im Allgemeinen und Prinz Harry im Besonderen geht.

Wieso ist das Verhältnis zwischen Harry, Meghan und dem Boulevard dermaßen zerrüttet? Hat gar ein berechnender Interessenkonflikt der britischen Medienhäuser den Sussexes die "Krone" gekostet?

Keine Privatsphäre für Royals

 

Besonders seit die beiden Eltern geworden sind ist deutlich spürbar, dass sie sich in erster Linie nach Privatsphäre sehnen. Insbesondere Prinz Harry kann die Maske nur schwer ablegen, die er von Geburt wegen trägt. Die beiden sahen sich in den vergangenen Monaten dazu genötigt, um ihres Friedens willen gegen das ungeschriebene Gesetz des Palastes zu verstoßen, das da lautet: "Never complain, never explain" (dt.: Nie erklären, nie beschweren, Anm.).

So reichte Prinz Harry im Oktober 2019 Klagen gegen die Sun und den Mirror ein, weil diese Nachrichten in seiner Mailbox abgehört haben sollen. Auch in Meghans Namen will das Paar vor Gericht ziehen. Die Klage richtet sich gegen Mail on Sunday und die Mutterfirma Associate Newspapers, nachdem diese nicht nur eine "skrupellose Kampagne" gegen sie führen würden, sondern zudem verfälschte Details eines hochgradig intimen Briefes an ihren Vater Thomas Markle veröffentlichten. In dem Schreiben hatte die Herzogin ihn gebeten, nicht weiter mit der Presse zu paktieren und "keinen weiteren Schmerz zu verursachen (...) falls du mich wirklich liebst, so wie du es den Medien gesagt hast".

Die Mail on Sunday dementierte die Vorwürfe der Sussexes zu diesem Zeitpunkt vehement und ließ verlautbaren, zu der veröffentlichten Geschichte zu stehen.

"Zu lange bin ich stiller Zeuge ihres privaten Leidens gewesen", erklärte der Prinz Harry damals die Entscheidung, die Mail on Sunday zu verklagen. "Nichts dagegen zu tun wäre das Gegenteil von dem, woran wir glauben."

Vergleich in Milliardenhöhe

In einer im Guardian veröffentlichten Analyse macht Alan Rusbridger, Vorsitzender des Reuters-Instituts für Journalismus, darauf aufmerksam, dass der britische Boulevard in der Vergangenheit immer wieder wegen seiner Abhörmethoden verklagt wurde. In den frühen 2000er Jahren stellte sich heraus, dass Boulevardjournalisten regelmäßig auf die Voicemails von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zugegriffen hatten, um Geschichten zu finden.

Jene Klagen landen allerdings nie im Gerichtssaal, sondern werden durch horrende Vergleiche aus der Welt geschafft. In hunderten von Fällen sollen die Mirror Group Newspapers Ltd und die News Group, der neben dem Daily Mirror auch die Sun gehören, so agiert haben, um ob ihrer kruden Vorgehensweisen das Gesicht zu wahren.

Allein die Mirror Group soll Rusbridger zufolge bis Juli 2018 umgerechnet 82 Millionen Euro beiseitegelegt haben, um Abhör-Causae zu regeln, ohne dass diese vor den Richter kommen. Die BBC fand 2019 zudem heraus, dass die 1980 von Rupert Murdoch gegründete News Corp (vormals News Corporation), eines der mächtigsten amerikanischen Medienhäuser, das in Großbritannien die Zeitung News UK hält, annähernd 470 Millionen gezahlt hat. Beide Unternehmen zusammen knacken mit ihren Vergleichssummen die Milliarde.

Ein System, das reibungslos zu funktionieren scheint. Bis die Klage von Harry und Meghan gegen Sun, Mirror und Mail on Sunday die Aufmerksamkeit auf genau das lenkte, was diese Zeitungen so verzweifelt zu vertuschen suchen.

Immerhin verteidigt sich die Sun damit, "ein großes, legitimes öffentliches Interesse" an dem zu haben, was sie offenbar unrechtmäßig ausgegraben hat. Weiters ist in öffentlich zugänglichen Gerichtsdokumenten ist zu lesen, dass sowohl Rupert Murdochs Sohn James als auch Rebekah Brooks, die CEO von News UK, darin involviert sind, jedwedes unmoralische Verhalten innerhalb des Unternehmens zu vertuschen, wie der Guardian berichtet. Es sei sogar die offizielle Position des Unternehmens, rechtswidrige Handlungen "nicht zuzugeben". 

Erst Diana, jetzt Meghan

Die Schere zwischen dem Ehepaar Harry und Meghan, das ein ruhiges Leben mit seinem Sohn führen möchte, ohne jeden Tag in den Negativschlagzeilen zu stehen, während Prinz William und seine Frau Herzogin Kate ohnehin eher mit Samthandschuhen angefasst werden, um dem royalen Paar Herzog und Herzogin von Sussex, das dies ertragen muss, ohne eine Miene zu verziehen, ist groß. Zu groß, wie die letzten Wochen zeigen. Vor allem Harry zeigte sich im Oktober schockiert davon, wie die Geschichte seiner Mutter, Prinzessin Diana, sich nun bei seiner Frau zu wiederholen scheint. "Ich habe meine Mutter verloren und jetzt sehe ich, wie meine Frau denselben Mächten zum Opfer fällt", sagte der 35-Jährige. 

Meghan Markle und Prinz Harry zeigten sich erstmals im September 2017 als Paar.

Damals besuchten sie gemeinsam die "Invictus Games", eine paralympische Sportveranstaltung. 

Bald darauf bestätigte der Palast die Verlobung der beiden, über die in internationalen Medien längst spekuliert wurde.

Ende November 2017 gab das Paar bekannt, ihre Hochzeit werde im Frühjahr 2018 stattfinden.

Im Dezember teilte der Palast auch drei offizielle Verlobungsfotos des Paares, die auch zum Motiv für Briefmarken wurden.

Meghan und Harry drückten dabei ihren eigenen Stil aus.

Am 19. Mai 2018 trauten sich Meghan und Harry.

Das Jawort besiegelten sie mit einem Kuss.

Die Traaungszeremonie fand in Windsor statt.

Am 15. Oktober verkündete der Palast dann: Herzogin Meghan ist schwanger und erwartet im Frühling 2019 ihr Kind.

Noch am selben Tag brachen Meghan und Harry zur Australien-Reise auf.

Als nächstes ging es im Oktober 2018 nach Neuseeland.

Als nächstes ging es im Oktober 2018 nach Neuseeland.

Trotz Schwangerschaft keine Atempause: Im Februar 2019 reisten die beiden dann nach Marokko.

Im Frühjahr 2019 war die Herzogin bereits hochschwanger und verabschiedetet sich in die Babypause.

Die Herzogin unterbrach ihre Pause allerdings, um gemeinsam mit ihrem Mann den Opfern des Neuseeland-Attentats Tribut zu zollen.

Am 6. Mai 2019 gab Prinz Harry freudestrahlend bekannt, seine Frau Meghan habe "etwas verspätet" einen gesunden Buben zur Welt gebracht.

Ein knappes Jahr vor dem ersten Hochzeitsjubiläum durften sich Meghan und Harry über ihren ersten Nachwuchs namens Archie Harrison freuen.

Bereits einen Monat nach der Entbindung wagte sich Meghan wieder aufs royale Parkett: Mit Prinz Harry nahm sie am 8. Juni an der Geburtstagsparade der Queen teil.

Im Juli zeigte sich die Herzogin samt Neugeborenem bei einem Polo-Spiel. Auch Herzogin Kate kam mit George, Charlotte und Louis um die Prinzen William und Harry anzufeuern. Es war bis dato das letzte Mal, das die Cambridges und die Sussexes etwas gemeinsam unternahmen.

Im Herbst 2019 unternahmen die Sussexes eine offizielle Reise nach Südafrika.

Mit von der Partie war natürlich auch Archie, mit dem das Paar Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu einen Besuch abstattete.

Dort gaben sie auch das berühmte Interview, in dem einerseits Meghan zugab, unter ihrem neuen Leben sehr zu leiden und andererseits Harry offenbarte, mit seinem Bruder Prinz William Probleme zu haben. Ein Schachzug, der in der Öffentlichkeit nicht gut aufgefasst wurde. Vor allem, weil im Palast ansonsten gilt: "Nie beschweren, nie erklären". Der emotionale Ausbruch sollte der Anfang vom Ende sein.

Im November absolvierten Meghan und Harry dann noch ein paar letzte Termine, bevor sie sich eine sechswöchige Auszeit von ihren royalen Plfichten verabschiedeten. Auch das Weihnachtsfest verbrachten sie nicht mit der Königsfamilie, sondern blieben in dieser Zeit in Kanada, auf Vancouver Island.

Von dort kehrten sie strahlend zurück, nur um wenige Stunden später die Bombe platzen zu lassen: Ohne sich erneut mit der Queen abzusprechen, kehrten die Sussexes dem Palast den Rücken um "Teilzeit-Royals" ohne finanzielle Unterstützung zu werden.

Diese Rechnung haben sie Sussexes allerdings ohne die Queen gemacht. Diese gab wenige Tage später bekannt, dass das Paar die Titel der "Königlichen Hoheit" abgeben und die Renovierungskosten für ihr Haus zurückzahlen müsse. Sie werden jedweder royaler Aufgaben enthoben und erhalten - wie gewünscht - keine öffentlichen Gelder mehr.

Meghan befindet sich mit Archie mittlerweile wieder in Kanada, während Harry sich noch in London aufhält. Allerdings sollte er bald zu ihr zurückkehren, um ein neues, ruhigeres Leben abseits der blutdurstigen britischen Boulevardpresse anzufangen. Palast adé.