Christine Kaufmann

© KURIER/Gerhard Deutsch

Trauer um Schauspielikone
03/29/2017

Christine Kaufmann ist gestorben

Im Alter von 72 Jahren: Die Schauspielerin Christine Kaufmann ist tot.

Schauspielerin Christine Kaufmann ist tot. Wie ihr Management mitteilte, ist die 72-Jährige in der Nacht auf Dienstag verstorben.

„Tief erschüttert und voller Trauer müssen wir Abschied nehmen von unserer geliebten Christine Kaufmann, unserer Freundin und beruflichen Partnerin. Sie war eine einzigartige und wundervolle Frau, ein äußerst warmherziger Mensch mit einer alterslosen Lebenslust. Ihre unzähligen Lebensweisheiten, ihre poetische Art und ihre grenzenlose Toleranz und Liebe für Menschen machen sie unvergessen.“

Künstliches Koma

Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Schauspielerin in Lebensgefahr schwebt: Nachdem sie in ihrem Haus zusammengebrochen war, erhielt sie im Krankenhaus die Schocknachricht: Blutkrebs. Eigentlich war sie von einer verschleppten Grippe ausgegangen. Kaufmann wurde daraufhin in einer Münchner Klinik ins künstliche Koma versetzt.

Das Management von Kaufmann bestätigte die schlechte Nachricht am Freitag, zeigte sich zunächst aber zuversichtlich, was die Genesung angeht. Ihre zwei Töchter Allegra und Alexa sowie ihre Enkelkinder weilten an ihrem Krankenbett:

"Ich stehe völlig unter Schock. Mit meiner Mami sieht es leider sehr schlecht aus. Die Ärzte haben gesagt, meine Mami hat Leukämie und eine Sepsis. Wir können nur beten, dass sie es packt", hatte Tochter Allegra (50) am Samstag noch völlig verzweifelt der Münchner Abendzeitung erzählt.

Auch ihr Bruder Günther Kaufmann (73) war nach Bild-Informationen vor Ort. Offenbar verschlechterte sich der Zustand der Schauspielerin aber zusehends.

"Es wurde nochmal eine Chemotherapie gemacht, dann ist ihr Kreislauf zusammengebrochen. Seither ist sie nicht mehr aufgewacht", erzählte Kaufmanns ältester Freund Diether Baron von Engel-Erlenbach am Dienstag dem Sender RTL. "Es gibt keine Hoffnung mehr. Einfach schrecklich. Ich kann es nicht glauben."

Ein Leben vor der Kamera

Christine Kaufmann hatte schon als Kind vor der Kamera gestanden: Als Neunjährige eroberte sie 1954 in dem Film "Rosen-Resli" unter der Regie von Harald Reinl die Herzen der Kino-Zuschauer. Für ihr Hollywooddebüt in "Stadt ohne Mitleid" (1961) erhielt sie einen Golden Globe. Darin spielte Kaufmann an der Seite von Kirk Douglas ein Kleinstadtmädchen, das Opfer einer Vergewaltigung wird.

Sationen ihrer Karriere: Leben in Bildern

Christine Kaufmann letztes Interview, das sie dem KURIER gegeben hat

Hektisches Treiben in der Wiener Hofburg und trotzdem auch irgendwie koordiniert, denn Multitalent Wolfgang Reichl hatte hier das Sagen und "choreografierte" ein imperiales Modeshooting für den Silvesterball (Alle Infos und Tickets: hofburgsilvesterball.com) – mit einer echten Hollywood-Diva als Hauptmotiv.

"Also ich kann Silvester nur genießen, wenn man auch tanzen kann, nur trinken, das ist nichts für mich. Ich vertrage auch nicht so viel Alkohol", soChristine Kaufmann(71) zum KURIER. Ihr Tipp für eine schmerzfreie Ballnacht: Unbedingt Geld in wirklich gute Schuhe investieren. "Die Absatzdicke ist entscheidend, nicht die Höhe", merkte sie an. Und ebenfalls ganz wichtig: "Wenn man nicht unbedingt untergewichtig ist, dann sollte man kein Satin tragen. Das mache ich schon seit 10 Jahren nicht mehr!"
1961 gewann Christine Kaufmann für ihre Rolle an der Seite von Kirk Douglas (99) in "Stadt ohne Mitleid" als beste Nachwuchdarstellerin einen Golden Globe, im selben Jahr lernte sie Hollywood-StarTony Curtis (29. September 2010) kennen, heiratete ihn 1963, bekam zwei Töchter (AlexandraundAllegra), ließ sich aber 1968 wieder scheiden.

Derzeit arbeitet sie an einem Buch über "all die interessanten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe. Ich wollte auch ein Buch schreiben, das junge Frauen spüren lässt, wie Erotik früher war, als es noch verboten war. Zu Jackie Kennedys Zeiten, was hat man getragen, was ist der Unterschied zwischen Strumpfhalter und Strumpfhose. Solche Sachen. Es heißt ,Indiskret und schwindelfrei – Sinnliche Zeitgeschichte aus dem letzten Jahrhundert‘. Amüsantes, wo Erotik eine Rolle spielt. Es ist nie pornografisch, aber immer intim."

Auch in ihrem Privatleben, welches sie selber als "schlimmer als jeder Film" bezeichnet, spielt Erotik noch eine Rolle.

"Hab kürzlich einen 80-jährigen Mann kennengelernt, der mir sehr gut gefallen hat, aber er hat nicht zugegriffen und ich habe gesagt, dass wir wahrscheinlich nicht mehr so viel Zeit haben", lachte sie. "Ich finde es sehr interessant, wenn Menschen in sich ruhen, wenn sie Beute und Jäger in einem sind!"

Und einen Rollen-Wunsch hat sie auch noch, sie würde gerne die Maude in "Harold und Maude" spielen. "Ich kannte die Schauspielerin Ruth Gordon sehr gut, wir waren befreundet. Ich finde, es wäre interessant, das so zu inszenieren, wie es denn heute wäre. Welcher junge Mann würde überhaupt Lust haben, sich auf dieses Abenteuer einzulassen? Sicherlich ist man nicht mehr glatt und fehlerfrei. Aber vielleicht machen genau diese Fehler einen attraktiv?"

Und das ist sie immer noch, keine Frage. Die Augen sprühen vor Lebensfreude, der rote Mund verzieht sich keck, wenn sie über Erotik sinniert. "Mein eigentliches Schönheitsgeheimnis ist, dass meine Eltern beide eine sehr schöne Haut hatten. Mein Vater ist mit 78 adonisartig gestorben. Es ist einfach wichtig sich die Gesundheit zu bewahren, ohne dabei ein wahnsinnig langweiliges Leben zu leben. Ich amüsiere mich gerne und gehe auch bis vier Uhr in der Früh aus, aber ich rauche halt nicht. Haschisch, früher in meiner Jugend, aber das ist schon so lange her", lachte sie.

Und zum Abschluss gab sie noch eine wirklich interessante Lebesnweisheit mit auf den Weg. "Es gibt einen schönen Satz, den Pablo Picassos Frau Jacqueline Roque gesagt hat. Sie meinte, sie hätte all ihre Vernunft in den Dienst ihrer Verrücktheit gestellt. Und das kann ich nur bejahen. Wenn man schon exzentrisch sein will, muss man auch sehr, sehr diszipliniert sein.

Was ist Leukämie, wie wird sie behandelt?

Über den Tod von Christine Kaufmann (72) ist nur so viel bekannt: Laut Medienberichten litt sie an Leukämie, von der sie offensichtlich nichts wusste.

Doch was ist Leukämie überhaupt? Eine Leukämie ist eine maligne (bösartige) Erkrankung des Knochenmarks, bei der es zu einer ungehemmten Bildung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kommt. Allerdings gibt es viele verschiedene Formen von Leukämien. Nach Typus der bösartigen Vorläuferzellen wird zwischen myeloischer (von Myeloblasten ausgehend) und lymphatischer (von Lymphoblasten ausgehend) Leukämie unterschieden. Außerdem sind akute und chronische Verlaufsformen möglich. Die akute Form verläuft meist dramatischer. Als Behandlungsmöglichkeiten stehen Chemotherapie, Knochenmarks- und Stammzellentransplantation zur Verfügung.

Lebensverlängernde Therapien

Wird Leukämie (rechtzeitig) diagnostiziert, gibt es heute schon erfolgsversprechende und lebensverlängernde Therapien, wie zuletzt beim KURIER-Gesundheitstalk zum Thema „Leukämie“ erläutert wurde. Besonders große Fortschritte gibt es etwa bei der Therapie von Leukämien und bösartigen Lymphomen (Vergrößerungen von Lymphknoten) bei Erwachsenen, sagte etwa Univ.-Prof. Ulrich Jäger von der MedUni Wien / AKH Wien. Verschiedene Antikörper erkennen unterschiedliche Oberflächenmerkmale der Krebszellen – und lösen einen Angriff des Abwehrsystems aus. Bei bestimmten Leukämieformen (chronische lymphatische Leukämie, chronische myeloische Leukämie) gehe die Entwicklung in Richtung chemotherapiefreier Behandlungen. Dafür gibt es wirksame und neue Medikamente, die die Chemotherapie in Zukunft ersetzen könnten.

Richtige Diagnostik ist wichtig

Wichtig ist die richtige Diagnostik – und zwar rechtzeitig, denn es gibt eine Vielzahl von Subformen, jede wird anders therapiert. Am Beispiel chronische myeloische Leukämie zeigt sich zum Beispiel, wie die Krankheit in (oft unauffälligen) Phasen verläuft. Anfangs noch langsam, kommt es in einer späten Phase dann zu einem aggressiven Schub. Dabei verschlechtert sich das Allgemeinbefinden massiv, man hat alle Anzeichen einer Blutarmut, Milz und Leber schwellen an (mit Schmerzen im Oberbauch), es kommt zu einer erhöhten Blutungsneigung und zu Infektanfälligkeit. Unbehandelt verläuft diese Blutkrebsform dann innerhalb weniger Wochen tödlich. Auch akute Leukämien können, so nicht therapiert, rasch lebensbedrohlich werden.

Auf Symptome achten

Auf welche Symptome sollte man achten? Bei Mattigkeit und Müdigkeit sollte man immer einen Blutbefund machen lassen – durch den Mangel an roten Blutkörperchen aufgrund der massiven Bildung weißer Blutkörperchen wird weniger Sauerstoff transportiert und man fühlt sich sehr schlapp. Weiters typisch: Blässe, Fieber ohne Infekt, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit. Oberbauchschmerzen können ebenfalls ein Zeichen sein.