Nordic Combined - Beijing 2022 Olympic Games

© EPA / JEON HEON-KYUN

Sport Wintersport
02/09/2022

Warum Greiderer auf dem Zahnfleisch zur Sensation lief

Der Tiroler Kombinierer gewann überraschend Bronze und verlor dann wie geplant seine Haarpracht.

von Christoph Geiler

Hätte Lukas Greiderer das doch besser einmal bleiben lassen. Im Sommer wurde der Tiroler Kombinierer in einem schwachen Moment erwischt und ließ sich auf eine haarige Wette ein: Sollte er bei Olympia eine Einzelmedaille holen, hätte Teamkollege Franz-Josef Rehrl freie Hand und dürfe sich mit dem Rasierer an Greiderers Frisur vergehen.

Eine saudumme Idee, weiß Lukas Greiderer heute. Nach dem Besuch bei Figaro Rehrl sah der Bronzemedaillengewinner aus, als wäre er von einem Sprungski überfahren worden. „Ich bin nur froh, dass ich ein Wintersportler bin und immer eine Kappe aufhabe.“

Mit einigem war vor dem ersten Wettkampf der Nordischen Kombinierer in Peking zu rechnen, aber nicht wirklich mit einer Bronzemedaille von Lukas Greiderer. Der Teamsprint-Weltmeister von 2021 hat eine durchwachsene Saison hinter sich, auch im Training auf der Olympiaschanze mühte sich der 28-Jährige ab. „Ich war wirklich weit weg“, erzählt der Tiroler.

Letzter Energieanfall

Im Wettkampf war Greiderer dann aber wie ausgewechselt und legte auf der Schanze mit Rang zwei die glänzende Basis für seine Medaille. Das anschließende Langlaufrennen über 10 Kilometer wurde für ihn dann zu einer einzigen Tortur, gestand die Kämpfernatur aus Absam. „Ich habe mich noch nie so verausgabt.“

Man sah es Lukas Greiderer auch an, dass er in der Loipe auf dem Zahnfleisch ging. Richtig leichtfüßig wirkt sein Laufstil ohnehin nie, aber im Angesicht der Sensation ging Greiderer diesmal im Finish an seine Schmerzgrenze und fürchtete dabei, dass ihm die Medaille schon entglitten wäre. „Wie der Geiger und Graabak an mir vorbeigezogen sind und ich plötzlich nur mehr Vierter war, dachte ich, alles wäre für die Fische gewesen“, erzählt Greiderer.

Mit einem letzten Energieanfall zog er noch am Deutschen Rydzek vorbei und rettete vor Jungstar Johannes Lamparter den dritten Platz ins Ziel. „Ich hatte Nahtod-Erfahrungen“, meinte Greiderer, der nie um einen flotten Spruch verlegen ist, später. „Aber es war es wert.“

Absamer Absahner

Lukas Greiderer prolongierte eine beeindruckende Erfolgsserie. Der 28-Jährige kommt aus Absam bei Innsbruck, das man ohne Übertreibung als Olympisches Dorf bezeichnen kann. Kaum eine Gemeinde hat so viele Olympia-Medaillengewinner hervorgebracht: Greiderer tritt unter anderem in die Fußstapfen der Skispringer Vettori und Felder, der Rodler Feistmantl und Linger/Linger sowie Kombinierer Bieler.

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