Henrik Kristoffersen and Marcel Hirscher

© Red Bull/Jörg Mitter

Sport Wintersport

Warum der Hirscher-Ski im Weltcup weiter ohne Logo unterwegs ist

Van Deer-Red Bull Sports kündigte in Schladming die Premiere an, musste aber zurückziehen. Von der FIS gab es einen Drohbrief, Kristoffersen bleibt ruhig.

Heute, vor -58 Minuten

Selten wurde mehr über ein Ski-Logo diskutiert. Vor allem weil es im Weltcup gar nicht zu sehen ist. 

Der Hirscher-Ski, alo Van Deer-Red Bull Sports, wollte im Nacht-Riesentorlauf von Schladming erstmals in einem FIS-Bewerb das Firmenlogo auf einem Ski aus der eigenen Produktion präsentieren. Kurz vor dem Rennen sei jedoch ein Drohbrief von FIS-Präsident Johan Eliasch eingegangen, wonach Van-Deer-Pilot Henrik Kristoffersen sogar seine Rennlizenz verlieren könnte, wenn es tatsächlich dazu kommt.

„Drum haben wir gesagt, picken weiter ab“, erklärte Anton Giger, einer der Geschäftsführer der Firma.

"Nichts riskieren"

„Der Hintergrund war der, dass wir einen Brief gekriegt haben, wo Henrik in Aussicht gestellt worden ist, wenn er mit dem Logo fährt, dass er seine Lizenz verlieren könnte. Für uns geht natürlich der Athlet vor, da riskieren wir gar nichts“, sagte der Salzburger, der im vergangenen Jahr zur Firma von Ex-Ski-Superstar Marcel Hirscher gestoßen ist.

Man wolle die Athleten – zu denen im Alpin-Bereich auch der Norweger Timon Haugan und der Brite Charlie Raposo zählen – nicht als „Spielball“ verwenden. „Es ist nicht so wichtig, ob wir heute mit dem Logo fahren oder in einer Woche oder zwei.“

Die Rückkehr zur alten Politik sei dann sehr kurzfristig beschlossen worden. Eine Viertelstunde vor Rennstart am Mittwoch, 17.45 Uhr, hatte Van Deer-Red Bull Sports noch eine Pressemitteilung ausgeschickt, in welcher der Verzicht auf die Klebeaktion angekündigt wurde. „Da der Ski mit dem aktuellen Design jetzt im Handel verfügbar ist, werden nach Rücksprache mit Experten alle FIS-Regularien eingehalten“, hieß es darin.

„Wir hatten in der gesamten Saison einen offenen und konstruktiven Austausch mit den FIS-Verantwortlichen“, wurde Giger im nächsten Absatz zitiert.

Zwei sind zu viel 

Es geht dabei um Fragen wie die Abgrenzung, ab wann es sich um eine eigenständige Produktidentität handelt, ab wann im Sinne des FIS-Regelkorsetts Werbung für andere Marken betrieben wird. Red Bull hält nach dem Einstieg 50 Prozent an der Hirscher-Gründung Van Deer. Im Logo buhlen seitdem Hirsch und Bulle gleichermaßen um Aufmerksamkeit.

SKI WELTCUP IN SCHLADMING - RIESENTORLAUF DER MÄNNER

„Wir halten uns sehr genau an die Regeln, und eine Regel besagt eben, dass das Design kommerziell erhältlich sein muss. Im Oktober war das noch nicht so, jetzt ist das ganz eindeutig so. Man kann es prinzipiell in den Geschäften so kaufen, auch wenn die meisten ausverkauft sind“, führte Giger aus. „Damit haben wir nach Expertenmeinung alle Voraussetzungen erfüllt und wollen wir mit diesen Ski ganz normal fahren.“

Was macht Wellinger?

Am Donnerstag soll es im Unternehmen erneut Beratungen geben. Am Wochenende will der Deutsche Andreas Wellinger beim Skifliegen am Kulm mit Van-Deer-Equipment zu Höchstweiten springen.

Cooler Kristoffersen

Den Mann, der mit seinen guten Leistungen der Brennpunkt der Causa ist, scheinen die politischen Spielchen um sein Arbeitsgerät am wenigsten zu tangieren. „Ich fokussiere mich auf das Skifahren“, sagte Henrik Kristoffersen nach seinem fünften Platz im Riesentorlauf.

„Es war der gleiche Ski. Sicher wollte ich gerne mit dem Logo fahren, weil es gut ausschaut. Aber es ist nicht meine Entscheidung“, stellte der Norweger klar.

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