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Winheims Tagebuch
01/23/2022

Vor Kitzbühel-Rennen: Von ganzen Kerlen und halben Sachen

Warum Bernie Ecclestone die Siegpremiere seines britischen Landsmanns in Kitzbühel verpasste.

von Wolfgang Winheim

480 der 1.000 erlaubten Zuschauer sind Gäste und Sponsoren von Vermarktungskönig Harti Weirather. Während seine nach vier Kreuzbandrissen und neun Weltcupsiegen abgetretene Tochter Tina fürs Schweizer TV in Cortina Damen-Rennen analysiert, bemüht sich Harti, der als Ex-Champion selbst zu den Promis zählt, in Kitz um deren Wohl.

Weirathers Stammgast Bernie Ecclestone versäumte die Siegpremiere seines britischen Landsmanns Dave Ryding. Ecclestone, 91, hatte nur wegen Covid-Einschränkungen abgesagt. Gut beinand, weiß Harti, sei der ehemalige Formel-1-Boss immer noch. Gut beinand! Das trifft erst recht auf zwei Kitzbüheler Urgesteine zu. Auf Ernst Hinterseer und Hias Leitner, die 1960 in Squaw Valley Slalom-Gold und -Silber holten. Zuweilen schnallen die zwei noch Ski an, obwohl Olympiasieger Ernst Ende Februar 90 Jahre alt wird. Sein ältester Spross scheint gar die ewige Jugend gepachtet zu haben. Der singende Hansi feiert übernächste Woche 68. Geburtstag.

Hansi Hinterseer ist der letzte Kitzbüheler, der (1974) in Kitzbühel gewann. Veranstalter-Preisgeld erhielten Kitzbüheler im Weltcup überhaupt nie. War doch so eines erst in den 90er-Jahren von der FIS erlaubt worden. Nicht zuletzt auf Initiative von Weirather, der Läufern auch zu Helmwerbung verhalf.

Vor 40 Jahren triumphierte Weirather auf der Streif. Und das, obwohl er am Vorabend bei der Heimfahrt vom Stanglwirt im Nebel ein deutsches Auto „abgeschossen“ hatte. Harti blieb unverletzt und cool. „Zehn lang Jahr’ war mei Siegerzeit sogar Streckenrekord.“

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Gar 25 Jahre – und damit bis heute – ist die Streif-Siegerzeit von 1:51,58 unerreicht geblieben, die Fritz Strobl auf einem direkter gesteckten Kurs gelang. Als der spätere Olympia-Goldene (2002) nach seinem Sieg einen abendlichen Streifzug startete, wurde ihm der Eintritt in eine Kitzbüheler Disco verwehrt mit dem Argument, er sei zu wenig bekannt. Der Vorfall schürte Vorurteile. Türstehertypen, neureiche Gäst’ plus Immobilienpreise (inzwischen 14.000 pro Quadratmeter) bescherten Kitz das Image einer Stadt am geschwollenen Kamm.

Aktuell ist Häme in Anbetracht der hohe Infiziertenzahlen unangebracht. Versucht doch gerade der Kitzbüheler Ski Club mit konsequenten Sicherheitsmaßnahmen und professioneller Pistenpräparierung den Weltcup sicher zu gestalten. Trotzdem wird die Mehrheit vom Ski-Tross bei der Ortsendetafel von Kitzbühel aufatmen. Rennläufer, weil sie die Streif überlebten. Service- und Medienleut’, weil’s in Schladming beim Weltcup des Mittelstandes volksnäher zugeht.

Auch das Nightrace ist durch Corona beeinflusst. Auch an der Planai sind nur 1.000 Besucher erlaubt. So wie beim nächsten österreichischen Top-Ereignis am 16. Februar im Salzburger Stadion, wenn Robert Lewandowski stürmt.

Sofern kein Omikron-Wunder geschieht, werden die 1.000 zugelassenen Besucher des Champions-Schlagers Salzburg – Bayern zur Halbzeitpause das Stadion verlassen müssen. Weil die UEFA auf Anpfiff 21 Uhr beharrt, in Österreich aber um 22 Uhr Sperrstund’ ist.

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