Die Super-Adler drückt der Schuh

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Foto: ap Ratlos: Thomas Morgenstern sucht noch seine Hochform.

Die Österreicher schwächeln, die Norweger haben ein Geheimnis.

Die Super-Adler kommen – so steht es in großen Lettern auf dem dunklen, doppelstöckigen Luxusbus mit den getönten Scheiben, mit dem Österreichs Skispringer durch die Gegend kutschiert werden.

Super-Adler, diesen Namen trugen die Österreicher in den letzten Jahren völlig zu recht. Die Goldmedaillen, Titel und Trophäen flogen den ÖSV-Adlern nur so zu, und im Vorjahr landeten bei der Vierschanzentournee mit Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler gleich drei Österreicher auf dem Siegespodest.

Einen Winter später sieht die rot-weiß-rote Welt schon nicht mehr so rosig aus: nur ein ÖSV-Adler in Garmisch in den Top Ten (Schlierenzauer); nur zwei Österreicher in der Gesamtwertung unter den ersten 20 (Manuel Fettner ist Elfter); dafür Springer, die gleich in Scharen abstürzen.

Nachdem in Oberstdorf mit Morgenstern und Kofler bereits zwei ehemalige Tourneesieger K.o. gegangen waren, fabrizierte gestern mit Wolfgang Loitzl der nächste Ex-Triumphator einen Bauchfleck (Platz 33). Und weil sich die übrigen Österreicher – Martin Koch und Michael Hayböck – bisher nie für die Punkteränge qualifizieren konnten, bekommt der Schriftzug auf dem Teambus zumindest bei dieser Tournee eine völlig neue Bedeutung.

Die Adler kommen – nämlich in die Bredouille und unter Zugzwang. "Die anderen waren schon einmal besser", gestand auch Schlierenzauer, der bei dieser Tournee den Alleinunterhalter gibt.

Dabei waren die Österreicher siegessicher, ja geradezu euphorisch zur Tournee angereist. "Wir wissen wie’s geht", hatte Sportdirektor Ernst Vettori noch in Oberstdorf erklärt. Und Chefcoach Alexander Pointner hatte nach vier Gesamtsiegen in Folge für diese Tournee eine ganz besondere Devise ausgegeben: "Kreativ und lustvoll wettkämpfen." Uninspiriert und schmerzhaft trifft es bisher wohl eher. "Man sieht einfach, dass man sich derzeit keinen Fehler erlauben kann", bilanzierte Pointner zur Tournee-Halbzeit, "es hat auch andere Top-Springer erwischt."

Materialdebatte

Nur die Norweger springen bei dieser Tournee geschlossen stark. In Garmisch waren drei Springer aus dem Team des Österreichers Alexander Stöckl in den Top 4, in der Gesamtwertung liegen drei Norweger unter den ersten sechs.

Und weil der kollektive Aufschwung die Experten und Konkurrenten gar so verwundert, soll nun ein Wunderschuh für die neue Lufthoheit verantwortlich sein. "Irgendso eine Art Schienbeinschoner", glaubt ÖSV-Coach Pointner, "ich habe nur davon gehört, weiß aber nicht, ob es etwas hilft."

Und was sagt Anders Jacobsen zu den Gerüchten. "Das ist unser Geheimnis." Übersetzt: Ihr könnt uns alle den Schuh aufblasen.

Volles Haus

Nur noch Restkarten für Innsbruck

Alfons Schranz, der Chef des Innsbrucker Organisationskomitees für den Tournee-Bewerb am Freitag, ist zufrieden. Mittwochmittag standen nur noch 1.500 Karten zur Verfügung, das Bergisel-Stadion wird mit 22.150 Zuschauern ausverkauft sein. Zudem sorgen das bewährte Windnetz und die kürzlich eingebaute gekühlte Spur für Sicherheit beim Ablauf. Zudem sind die Wetterprognosen gut, möglicher leichter Schneefall am Freitag sollte kein Problem darstellen.

"Die Schanze ist in einem perfekten Zustand, es könnte nicht besser sein", erklärte Schranz, der seit 2010 auch Tournee-Präsident ist, 24 Stunden vor der Qualifikation am Donnerstag. Die Kühlung der Anlaufspur, eine Vorgabe der FIS, war vor der heurigen Saison auch in Bischofshofen, Ramsau und Seefeld eingebaut worden. Die Kosten in Innsbruck beliefen sich auf rund 45.000 Euro. Auch das mobile Windnetz ist ein großer Kostenfaktor im Budget von rund 750.000 Euro.

Für den ÖSV bleibt als Veranstalter dennoch ein wohl beträchtlicher Gewinn. Der Verband kassiert für die TV-Rechte vom Vermarkter Infront vier Millionen Euro. Dem SV Innsbruck-Bergisel als Veranstalter bleibt die Abgeltung der Arbeit der Helfer. Diese sind ehrenamtlich tätig, daher stehen die Einnahmen für die Nachwuchsarbeit zur Verfügung. Der Club von Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler und Manuel Fettner bildet rund 70 junge Skispringer aus.

(KURIER, apa) Erstellt am
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