ÖSV-Star Hämmerle nach 2. Olympiasieg: „Mental bin ich sehr ermüdet“

Alessandro Hämmerle steht beim Heimweltcup im Montafon im Fokus. Der Vorarlberger gibt Einblicke in sein stressiges Leben als Doppel-Olympiasieger.
Snowboard-Crosser Alessandro Hämmerle gewann bei den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina zum zweiten Mal Gold

Als Snowboardcrosser wäre Alessandro Hämmerle es an sich ja gewohnt, dass ihm andere an die Wäsche wollen. Im Kampf Mann gegen Mann geht’s mitunter ziemlich zur Sache, aber auf der Strecke hat es der Vorarlberger immerhin immer nur mit drei Rivalen zu tun.

Das ist nichts verglichen mit dem Rummel und Gezerre um ihn, seit Alessandro Hämmerle vor einem Monat in Livigno zum zweiten Mal Olympiasieger wurde.

Seither geht’s bei ihm drunter und drüber, und am Sonntag wird um Hämmerle noch einmal ein ganz besonderes Griss herrschen.

Hämmerle im Fokus

Wenn der Lokalmatador beim Heimweltcup im Montafon seinen großen Auftritt hat, dem WM-Ort von 2027.

„Es war in den letzten Wochen schon verdammt viel los“, sagt der Doppel-Olympiasieger. „Ich war richtig froh um den Weltcup letzte Woche in der Türkei. Das hat gutgetan, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, und war ein Wachrütteln.“

Alessandro Hämmerle im KURIER-Gespräch über ...

  • den Stress nach Olympia 

Ich habe wirklich versucht, alles bewusster wahrzunehmen und auch alles mitzunehmen. Diesen Stress habe ich sehr gerne in Kauf genommen.

Alessandro Hämmerle feierte die Goldmedaille mit seiner Familie und seinen Freunden

Alessandro Hämmerle feierte die Goldmedaille mit seiner Familie und seinen Freunden

  • die mentale Belastung rund um die Winterspiele 

Ich merke, dass ich nach den letzten Wochen Luft holen muss. Mental bin ich doch recht ermüdet. Olympische Spiele sind immer ein Wahnsinn, speziell für Athleten wie uns in den Randsportarten. Wenn wir plötzlich eine große Aufmerksamkeit bekommen, dann will man diese Riesenchance natürlich nutzen und nicht ableeren. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Selbstgespräche man da führt und wie groß der Stress ist.

  • seinen Status als zweifacher Olympiasieger 

Ich denke, es braucht seine Zeit, bis ich das richtig wahrnehme. Es hat auch 2022 lange gedauert, bis ich gecheckt habe, dass ich jetzt Olympiasieger bin. Der große und wichtige Unterschied war, dass es diesmal meine Familie und meine Freunde live miterleben konnten. Genauso habe ich mir das gewünscht, das hat in den letzten Jahren das Feuer in mir brennen lassen. Wenn ich nur daran denke, bekomme ich schon wieder eine Gänsehaut.

Alessandro Hämmerle ist einer der erfolgreichsten Snowboard-Crosser der Geschichte

Alessandro Hämmerle ist einer der erfolgreichsten Snowboard-Crosser der Geschichte

  • seine nächsten Ziele 

Nach der ersten Goldmedaille habe ich mir gedacht: „Puh, und jetzt? Wo will ich jetzt hin?“ 2023 war dann die WM in Georgien, und das hat mich null angemacht. Jetzt bin ich in der Luxussituation, dass im nächsten Jahr die WM bei mir daheim im Montafon ist. So habe ich ein wirklich konkretes Ziel vor Augen, auf das ich auch bewusst hinarbeiten kann.

  • die finanziellen Auswirkungen von Olympiagold 

Wir sind als Snowboardcrosser nicht in der Luxussituation, dass wir viel Geld auf der Seite haben und wirtschaftlich komplett unabhängig sind. Aber ich bin definitiv privilegiert. Natürlich habe ich neben der Heim-WM auch eine wirtschaftliche Motivation, um weiterzumachen. Über allem steht aber der Körper, dafür habe ich in den letzten Jahren schon zu viel durchgemacht. Es wird der Tag kommen, an dem ich aufhören muss. Und das will ich selbst entscheiden.

  • die Wahl zum Sportler des Jahres 

Ich wünsche mir als Österreicher, dass unsere Sommersportler sehr erfolgreich sind. Aber natürlich wäre es eine große Ehre, wenn ich da heuer weiter vorne landen würde.

Kommentare