Ein Olympiasieger bei der Junioren-WM: Das steckt hinter dem Plan
Goldmedaille bei Olympia, Dritter bei der Tournee, Podestplätze - Stephan Embacher ist der Senkrechtstarter dieses Winters
Es wäre langsam höchst an der Zeit, dass Stephan Embacher endlich einen neuen Kosenamen erhält. Einen, der wirklich zu ihm passt und die Erfolge des Tiroler Skispringers auch richtig würdigt.
Bambi wurde Embacher von seinen Kollegen bislang gerufen, weil er mit 20 Jahren der Jüngste im ÖSV-Team ist.
Aber aus besagtem Bambi ist, um bei diesem Sprachbild zu bleiben, längst ein Platzhirsch in der Schanzenwelt geworden, der schon in seiner zweiten Saison nicht mehr wegzudenken ist.
Stephan Embacher (re.) gewann mit Jan Hörl Olympia-Gold im Super-Team-Bewerb
Seit drei Wochen ist Stephan Embacher stolzer Besitzer einer Olympia-Goldmedaille (Sieg mit Jan Hörl im Superteam), eben erst zog er am Kulm eine Flugshow ab (zwei zweite Plätze) und wenn der junge Brixentaler in dieser Tonart weitermacht, wird er all seine prominenten Teamkollegen überflügeln und diesen Weltcupwinter als bester Österreicher abschließen.
Großer Auftritt
Stephan Embacher, der zwischen seinen Höhenflügen immer wieder für einen kurzen Sprung im Skigymnasium Stams vorbeischaut, wo er im Juni seinen Schulabschluss macht, ist mittlerweile die große Bühne gewohnt.
Trotzdem taucht er nun weit abseits vom Rampenlicht am Lysgårdsbakken in Lillehammer auf, wo die besten Jungspringer der Welt um Medaillen rittern.
Da stellt sich für viele die berechtigte Frage: Was, bitteschön, hat ein Olympiasieger bei einer Junioren-WM verloren?
„Es ist überhaupt nicht gegen seinen Willen geschehen“, stellt Florian Liegl, der Nordische Direktor beim ÖSV, klar. „Stephan hatte immer vor, dort zu starten.
1982 Ernst Vettori
1983 Franz Wiegele
1985 Werner Haim
1988 Heinz Kuttin
1990 Heinz Kuttin
1991 Martin Höllwarth
1998 Wolfgang Loitzl
2003 Thomas Morgenstern
2006 Gregor Schlierenzauer
2009 Lukas Müller
2010 Michael Hayböck
2020 Peter Resinger
2021 Niklas Bachlinger
2022 Daniel Tschofenig
2024 Stephan Embacher
2025 Stephan Embacher
Große Mission
Denn auch wenn Stephan Embacher längst zum Kreis der Skisprungstars zählt, so hat er als Junior noch eine letzte Mission: Eine dritte Einzel-Goldmedaille nach 2024 und 2025 – damit würde dem Tiroler Senkrechtstarter der Sprung in die Geschichtsbücher gelingen.
Aber noch viel wichtiger wäre ein erfolgreiches Abschneiden im Einzelbewerb am Donnerstag für den ÖSV: Denn bei einem Medaillengewinn bei der Junioren-WM würde für das Team von Andreas Widhölzl ein zusätzlicher sechster Weltcupstartplatz für den Winter 2026/’27 abfallen.
Nur seiner Goldmedaille vor einem Jahr hatte es Embacher zu verdanken, dass er in dieser Saison überhaupt im Weltcup dabei sein konnte. Die Konkurrenz im ÖSV-Team ist so groß, dass selbst Topergebnisse oder vergangene Meriten keinen Startplatz garantieren.
Die erhoffte Medaille liegt in Lillehammer freilich nicht zum Abholen bereit. Mit dem Polen Kacper Tomasiak hat Olympiasieger Stephan Embacher einen dreifachen Olympia-Medaillengewinner als Rivalen.
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