Jagd auf den 6. Gesamtsieg: Shiffrin auf den Spuren von Legende Moser-Pröll

Mikaela Shiffrin geht mit 45 Punkten Vorsprung auf Emma Aicher in den Slalom. Ihr letzter Ausfall liegt mehr als zwei Jahre zurück.
Mikaela Shiffrin steht vor dem 6. Sieg im Gesamtweltcup

Mikaela Shiffrin hatte sich beim Saisonfinale in Norwegen schon auf das Schlimmste eingestellt. Laut ihren Rechenspielen wäre die US-Amerikanerin die Führung im Gesamtweltcup vor den letzten beiden Technikrennen losgewesen. 

Im Slalom, so das Shiffrin’sche Szenario, hätte sie heute im Duell mit Emma Aicher die alte Hackordnung wieder herstellen wollen.

Besser als gedacht

Aber so weit ist es dann gar nicht gekommen. Offenbar war Mikaela Shiffrin mit ihrer Prognose deutlich zu pessimistisch – zugleich hatte sie ihrer jungen deutschen Herausforderin Emma Aicher in den Speedrennen wohl ein wenig zu viel zugetraut.

 „Ich bin in einer besseren Position als erwartet“, gibt Mikaela Shiffrin vor dem heutigen Slalom in Hafjell ehrlich zu (10.30/ 13.30, live ORF 1).

Die 31-Jährige nimmt einen Vorsprung von 45 Punkten mit in den Slalom, nachdem Aichers Generalangriff in der Abfahrt (5.) und im Super-G (4.) nicht den erhofften Effekt hatte. „Ich hatte gedacht, dass Emma hier die Führung übernehmen kann.“

Emma Aicher konnte in den beiden Speedrennen nicht so viele Punkt wettmachen wie erhofft

Emma Aicher konnte in den beiden Speedrennen nicht so viele Punkt wettmachen wie erhofft

Lange Erfolgsserie

Jetzt ist es Shiffrin, die alle Trümpfe in der Hand hat. Gewinnt die US-Amerikanerin in ihrer Paradedisziplin – was bei neun Siegen in zehn Saisonslaloms keine Überraschung wäre – dann muss Aicher Vierte werden, um sich im Riesentorlauf eine rechnerische Chance auf die Kristallkugel zu bewahren.

5 Slalomausfälle in 13 Jahren

Auf einen Ausrutscher oder Selbstfaller von Mikaela Shiffrin darf die junge Deutsche nicht wirklich hoffen: Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Rekordsiegerin im Weltcup (109) im Slalom nicht mehr ins Ziel gekommen ist (7. Jänner 2024 in Kranjska Gora), in den letzten 13 Saisonen sind Mikaela Shiffrin ganze fünf (!) Ausfälle passiert.

Mikaela Shiffrin wird beim Weltcupfinale in Norwegen von ihrem Freund Aleksander Aamodt Kilde begleitet

Mikaela Shiffrin wird beim Weltcupfinale in Norwegen von ihrem Freund Aleksander Aamodt Kilde begleitet

Erfolgshunger ist groß

Es deutet also alles darauf hin, dass die 31-Jährige im hohen Norden den nächsten Meilenstein setzen wird: Mit ihrem sechsten Gesamtweltcupsieg könnte Shiffrin zu Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll aufschließen – und sie im kommenden Winter dann vielleicht sogar übertrumpfen.

Aicher rüttelt am Thron

Denn Mikaela Shiffrin hat beim Weltcupfinale alle Rücktrittsgerüchte weggewischt und angekündigt, dass ihr Erfolgshunger noch lange nicht gestillt ist. 

Aber auch ihr ist bewusst, dass es da in Emma Aicher eine Allrounderin gibt, die heftig an ihrem Thron rüttelt und – sofern sie gesund bleibt – über kurz oder lang den Gesamtweltcup gewinnen wird. „Es ist unglaublich, zu sehen, dass sie in allen Disziplinen vorne dabei ist“, lobt Mikaela Shiffrin.

Riesentorlauf-Olympiasieger Pinheiro Braathen macht Jagd auf Marco Odermatt

Riesentorlauf-Olympiasieger Pinheiro Braathen macht Jagd auf Marco Odermatt

Chance für Braathen

Bei den Männern ist die Entscheidung im Gesamtweltcup längst gefallen, für Seriensieger Marco Odermatt geht es heute noch im Riesentorlauf (9.30/12.30) um die kleine Kristallkugel. Die 48 Zähler Vorsprung auf Pinheiro Braathen klingen komfortabler als sie sind.

Die Formkurve spricht für den brasilianischen Olympiasieger. Braathen stand in den letzten vier Riesentorläufen immer am Podium, Odermatt wirkte zuletzt hingegen etwas energielos.

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