Sport | Wintersport
29.10.2017

Herren-RTL in Sölden wegen Windböen abgesagt

Die Sicherheit auf dem Berg kann nicht gewährleistet werden.

Ted Ligety kann sich wirklich glücklich schätzen, dass er am Sonntag mit dem Auto aus Tirol abreisen durfte und bei diesem Orkan nicht in einen Flieger steigen musste. Sonst hätte der Riesentorlauf-Olympiasieger nämlich rasch gemerkt, was für einen Riesen-Blödsinn er da in den sozialen Netzwerken eigentlich verzapft hatte.

Die Absage des Riesentorlaufs in Sölden war erst wenige Sekunden offiziell, da hatte Ligety auf seinem Twitter-Account auch schon seine krausen Verschwörungstheorien veröffentlicht. "Schon seltsam, dass in Österreich ein Rennen um 6.45 Uhr abgesagt wird, wenn der größte Star gerade außer Gefecht ist", meinte der Amerikaner in Richtung von Marcel Hirscher, der wegen seines Außenknöchelbruchs erst gar nicht ins Ötztal gereist war. Und weiter: "So schrecklich das Wetter dort oben auch sein mag, aber wenn der ÖSV-Präsident schon seit Tagen erklärt, dass das Rennen abgesagt wird, dann riecht das faul."

Wie beim Erdbeben

Dass das Rennen nicht stattfinden konnte, hatte freilich nichts mit einer rot-weiß-roten Verschwörung zu tun. Vielmehr hatte sich das Wetter gegen die Ötztaler Organisatoren verschworen. Es war durchaus eine Absage mit Ansage, nachdem der Wetterumschwung samt Sturmtief schon seit Tagen angekündigt worden war. Schon am Samstag hatte beim Damen-Riesentorlauf der Start nach unten verlegt werden müssen, aus Sicherheitsgründen waren sogar der riesige Zielbogen und zahlreiche Werbetafeln abmontiert worden.

Am Sonntag war an ein Rennen nicht zu denken: Auf dem Rettenbachferner wurden Windböen mit 120 km/h gemessen. "Die Entscheidung war eindeutig", erklärt FIS-Renndirektor Markus Waldner. "Oben im Zelt haben die Lampen wie bei einem Erdbeben gewackelt."

Weil das FIS-Regulativ keinen Ersatz für den Auftakt-Riesentorlauf vorsieht, profitieren Läufer, die wie Marcel Hirscher oder Philipp Schörghofer nicht nach Sölden gekommen waren, indirekt von der Absage,

Und Ted Ligety? Der ruderte, nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte, zurück und bedankte sich via Twitter für die "super Bedingungen" beim Gletschertraining in Sölden in den vergangenen 14 Tagen. Sonst wäre ihm intern vermutlich ein rauer Wind entgegen geblasen: US-Alpinchef Patrick Riml ist Ötztaler, und Sölden ist ein Partner des US-Teams.