Sport | Wintersport
30.11.2018

Ratlose ÖSV-Adler: „Wir stolpern uns langsam vorwärts“

Hayböck wurde nach seinen schwachen Leistungen aus dem Weltcup-Team gestrichen. Kraft setzt auf das Prinzip Hoffnung.

„Unser Sport ist oft ein bisschen ein Mysterium“, sagt Michael Hayböck. Und das sagt schon alles über das Skispringen aus, wenn selbst die Athleten nicht immer nachvollziehen können, was mit ihnen geschieht. Oder warum es gerade läuft, oder, wie im Falle von Michael Hayböck, eben überhaupt nicht.

Noch vor wenigen Wochen wähnte sich der 27-Jährige im Aufwind. Hayböck hatte auf der Normalschanze den österreichischen Meistertitel gewonnen und zudem mit dem zweiten Rang auf der Großschanze aufgezeigt. „Er hat am Ende der Saisonvorbereitung zu unseren Besten gehört“, befand auch Cheftrainer Andreas Felder.

Doch im Weltcup war Michael Hayböck dann plötzlich der Schlechteste der sieben ÖSV-Springer. Beim Saisonauftakt in Wisla war ihm nicht der Sprung in die Punkteränge geglückt, in Ruka schaffte er dann zuletzt in beiden Bewerben nicht einmal mehr die Qualifikation für das 50er-Starterfeld.

Coach Andreas Felder zog nun die ersten Konsequenzen aus dem Fehlstart und strich Hayböck aus dem Kader für die Weltcupbewerbe am Wochenende in Nischnij Tagil. Stattdessen schickte er den Oberösterreicher nach Lillehammer, wo ihm ein Spezialtraining wieder auf die Sprünge helfen soll. „Seit dem Saisonstart kann er die Leistung nicht mehr abrufen, wir haben den Verdacht, dass die Materialabstimmung für den Winter bei ihm nicht ganz passt“, erklärt Andreas Felder.

Gravierende Mängel

Schon im Sommer hatte Michael Hayböck zu den größten Sorgenkindern des neuen Cheftrainers gezählt. Bei der internen Analyse hatten die ÖSV-Verantwortlichen beim fünffachen Weltcupsieger die größten sprungtechnischen Defizite ausgemacht. „Beim Michi waren die Mängel gravierend“, hatte Andreas Felder in seiner unverblümten Art im KURIER-Interview gemeint.

Diese technischen Fehler waren neben einer Knöchelverletzung auch der Grund, weshalb Hayböck im vergangenen Winter im Weltcup nur zwei Mal in den Top Ten gelandet war. Dabei gilt der frühere Juniorenweltmeister als hochveranlagter Springer, Ex-Chefcoach Alexander Pointner attestiert dem Oberösterreicher sogar größeres Potenzial als Doppelweltmeister und Skiflugweltrekordhalter Stefan Kraft.

Der letzte Österreicher, der ein Skispringen gewinnen konnte (am 26. März 2017 in Planica), scheint von allen ÖSV-Athleten aktuell noch am besten in Form zu sein: In Ruka hatte Stefan Kraft die Qualifikation gewonnen und für den ersten Top-Ten-Platz in diesem Winter gesorgt. „Er hat gezeigt, dass er in der Lage ist, ganz vorne mitzuspringen“, sagt Andreas Felder, der sich freilich keine Wunderdinge erwartet. „Man sieht, dass die Mannschaft noch nicht stabil ist. Wir stolpern uns im Moment langsam vorwärts.“