Omega: Neue Dimension der Zeitmessung auf der größten Bühne

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Bei den Winterspielen in Italien sorgt Omega für die Resultate. CEO Alain Zobrist erklärt, welcher Aufwand dahinter steckt und wie genau Zeiten gemessen werden könnten.

Was wären Olympische Spiele, ohne dass Sekunden ins Tausendstel zerhackt werden oder ein Foto-Finish über Medaillen entscheidet? Bei 32 Olympischen Spielen war Omega bereits offizieller Zeitnehmer. 

Bevor am Freitag der Countdown auf null geht, nahm sich Alain Zobrist, CEO von Omega, Zeit für ein ausführliches Interview.

KURIER: Bei Zeitnehmung für Sportereignisse denkt man an Sekunden, Hundertstel, manchmal an Tausendstel. Wie genau könnten Sie eigentlich messen?

Alain Zobrist: Jeder Sportverband legt die Messgenauigkeit fest. Beispielsweise erfordert Eisschnelllauf eine Genauigkeit von 1/100 Sekunde, während im Rennrodeln eine Genauigkeit von 1/1.000 Sekunde erforderlich ist. Diese Werte gelten in der Regel als „fair“ für die Integrität des Sports, und Omega hält sich an die Richtlinien. Unsere Geräte sind jedoch in der Lage, noch viel genauere Messungen durchzuführen – bis zu einer Millionstelsekunde.

Wenn zwei Skirennläufer bei Olympia ex aequo ins Ziel kommen, wissen Sie dann, wer gewonnen hätte?

Jede Skidisziplin hat unterschiedliche Regeln. Im alpinen Skisport beispielsweise ist es möglich, dass zwei Skifahrer die gleiche Zeit erzielen. In diesem Fall würden sie sich denselben Platz teilen. Im Skilanglauf hingegen, beispielsweise im Massenstartrennen, bei dem viele Athleten gleichzeitig an den Start gehen, kommt unsere Fotofinish-Kamera zum Einsatz, die 40.000 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann.

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Alain Zobrist, CEO von Omega

Wie oft abgesichert ist die Zeitnehmung? Wenn etwas ausfällt, welche Backups gibt es?

Jedes Zeitmesssystem verfügt über ein Backup-System, und in einigen Fällen gibt es auch Backups für diese Systeme. Natürlich können Herausforderungen auftreten, aber wir sichern uns so gut wie möglich ab und sind von unserem Verfahren sehr überzeugt.

Bis vor ein paar Jahren wurde angeblich noch per Hand gestoppt. Macht das immer noch jemand?

Die menschliche Interaktion ist nach wie vor entscheidend für jede Veranstaltung. Bei Milano/Cortina 2026 haben wir 300 Zeitnehmer, die alle wichtige Aufgaben zu erfüllen haben. Wenn Sie jedoch von manuellen Stoppuhren sprechen oder davon, dass das menschliche Auge ein knappes Ergebnis ermittelt, dann nein. Seit 1948 hat sich die elektronische Zeitmessung bei Olympia weiterentwickelt, und heute verlassen wir uns auf unsere automatisierten Technologien mit menschlichen Bedienern, um den bestmöglichen Genauigkeitsstandard zu erreichen. Das einzige traditionelle Gerät, das noch verwendet wird, ist die Glocke für die letzte Runde.

Was messen Sie 2026 alles – und warum?

In Sportarten wie Big Air, wo die Ergebnisse auf der Ausführung basieren, haben wir zunächst Anzeigetafeln innerhalb der Veranstaltungsorte für Athleten und Zuschauer sowie Bewertungsgeräte für die Kampfrichter. Die große Entwicklung im Bereich der Messung ist unser Computer-Vision-System. Dabei handelt es sich um vier bis sechs Hochgeschwindigkeitskameras, die rund um die Strecke platziert sind und mit einer KI-Software interagieren. Bei den Winterspielen 2026 wird dieses System Daten für eine vollständige Sprunganalyse liefern können, die Live-Geschwindigkeiten, Rotationen, Höhen, Weiten und sogar 3D-Körperpositionen anzeigt. Außerdem gibt es neue stroboskopische Grafiken, die die gesamte Sprungroutine visuell darstellen und mit Daten überlagern. Das Ergebnis all dessen ist ein viel tieferes Verständnis jeder Disziplin.

Welche Messgrößen zeigen Sie in Mailand/Cortina zum ersten Mal?

Wie bereits erwähnt, dreht sich der große Schritt, den Omega heute in der Zeitmessung macht, um die Datenerfassung. Ein weiteres Beispiel in Milano Cortina 2026 ist das Eiskunstlaufen. Unsere Computer- Vision wurde nun um eine Kufen-Erkennung erweitert, mit der der Winkel der Kufen eines Athleten präzise gemessen werden kann. Die Position der Kufen ist in dieser Sportart sehr wichtig und zeigt, wie gut die Kür und die Sprünge ausgeführt wurden. Die Preisrichter sollten diese Informationen zur Kufen-Erkennung nutzen können, um ihre Endnoten zu bestimmen.

Wie viel Material und Mitarbeiter haben Sie vor Ort? Und wann haben Sie mit den Planungen und den Aufbauarbeiten begonnen?

Die Planung hört nie auf. Mit Sommer und Winter sowie den Paralympischen Spielen und den Jugendspielen sind wir ständig mit den Vorbereitungen für unsere Zeitmessung beschäftigt. Bei diesen Olympischen Winterspielen werden wir 130 Tonnen Ausrüstung und 300 Zeitnehmer vor Ort haben.

Bei so viel Material drängt sich die Frage nach der ökologischen Verträglichkeit auf. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um das möglichst schonend über die Bühne zu bringen? Gibt es Vorgaben?

Im Sinne der Nachhaltigkeit haben wir in den letzten Ausgaben die Menge der Ausrüstung reduziert. Im Vergleich zu Peking 2022 haben wir mindestens 70 Tonnen weniger. Aber die gesamte Ausrüstung von Omega ist wiederverwendbar und kommt bei mehreren Wettkämpfen zum Einsatz, sei es bei den Olympischen Spielen oder anderen Veranstaltungen. Es handelt sich nicht um Wegwerfmaterialien. Alles, was wir vor Ort mitbringen, von Kameras bis hin zu Kabeln, nehmen wir wieder mit. Nichts bleibt zurück.

Wofür werden die erhobenen Daten bei einem Bewerb verwendet? Nur für die Resultate und für die TV-Übertragung? Oder auch für die Teams zu Trainingszwecken, Datenanalyse etc?

Jeder kann davon profitieren. Natürlich können Sportler und Trainer unsere Daten nach dem Wettkampf nutzen, um ihre Leistungen zu analysieren und zu verstehen, wo bestimmte Aspekte verbessert werden können. Aber auch Kommentatoren im Fernsehen profitieren davon, da sie die Daten nutzen können, um die gesamte Geschichte eines Ereignisses besser erklären zu können. Auch die Zuschauer zu Hause und vor Ort werden besser informiert sein als je zuvor.

Welchen strategischen Wert hat die Zeitnehmung bei Olympischen Spielen für eine Uhrenmarke jenseits vom Sponsoring – ist es Prestige/Forschung/Markenvertrauen wegen Präzision … oder „nur“ PR?

Es ist wichtig, zu betonen, dass die Rolle von Omega als Zeitnehmer bei jeder Veranstaltung der Olympischen Spiele von entscheidender Bedeutung ist. Es handelt sich nicht um eine Sponsorenrolle. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber den Athleten sehr ernst, und sie stehen für uns im Mittelpunkt. Natürlich profitiert die Marke von der Sichtbarkeit, und es stimmt, dass sie unsere wichtigsten Werte in der Uhrmacherkunst – Präzision, Innovation und Exzellenz – zur Geltung bringt. Unsere Rolle bei den Olympischen Spielen zeigt, dass man sich auf Omega auf der größten Bühne und in den wichtigsten Momenten verlassen kann.

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