ÖSV-Präsidentin Stadlober: „Man kann über Preisgeld diskutieren“
ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober
Roswitha Stadlober hat bei den Olympischen Spielen in Norditalien einen dichten Reiseplan. Als ÖSV-Präsidentin und ÖOC-Vizepräsidentin will sie überall ihre Unterstützung zeigen. Hinzu kommen die Langlauf-Bewerbe ihrer Tochter Teresa Stadlober.
KURIER: Man wird Sie bei den Winterspielen in drei Rollen sehen: Als ÖSV-Präsidentin, als ÖOC-Vizepräsidentin – und nicht zuletzt als Mutter. Welche ist denn die schwierigste Aufgabe?
Stadlober: Das lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Jede Rolle ist für sich anspruchsvoll, wobei ich im Idealfall während der Spiele nirgends richtig gefordert bin. Das würde dann nämlich bedeuten, dass alles reibungslos abläuft. Wir sind als gesamtes Team beim ÖOC und beim Skiverband so gut aufgestellt, dass ich davon ausgehe, dass es mich nicht akut irgendwo brauchen wird.
Und wie ist das als Mutter?
Auch da läuft alles seinen Weg. Teresa ist jetzt 33, das sind nicht ihre ersten Spiele. Da bin ich als Daumendrückerin dabei und natürlich die mentale Hilfe, wenn es notwendig ist. Man will halt immer das Beste für sein Kind.
Was macht das mit Ihnen, wenn Sie ihrer Tochter bei Olympia zusehen?
Vorweg: Es ist schon viel besser geworden. Das bringt die Erfahrung mit sich. Teresa geht heute ganz anders mit Wettkämpfen um, sie hat inzwischen auch schon einiges erreicht und ist gelassener. Das merke ich als Mutter und das färbt auch ab.
Teresa Stadlober
2018 ist Teresa Stadlober auf dem Weg zur sicheren Olympiamedaille in der Loipe falsch abgebogen. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?
Das habe ich damals von daheim aus verfolgt. Und wenn ich mir ein Rennen im Fernsehen anschaue, kann ich nicht ruhig sitzen. Da muss ich mich ablenken.
Wie sieht das dann aus?
Ich drehe alle Fernsehgeräte, die wir daheim haben, auf und gehe durch das ganze Haus. Manchmal mache ich auch etwas für den Haushalt. Und zwischendurch schaue ich dann immer wieder hin. Aber die Geschichte 2018 in Südkorea war natürlich emotional ein Wahnsinn.
Wie haben Sie reagiert?
In diesem Moment musste ich selbst erst einmal durchschnaufen. Ich habe die Teresa gleich nach dem Rennen angerufen und versucht, sie zu trösten. Aber da die richtigen Worte zu finden, ist nicht einfach. Vier Jahre später hat sie sich dann mit der Medaille belohnt, das habe ich auch nur im Fernsehen verfolgt.
Das wird bei diesen Winterspielen anders.
Ich werde mir auf alle Fälle ihren Skiathlon und am Ende den 50er anschauen. Dazwischen haben ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer und ich einen sehr dichten Plan. Wir werden jeden Olympia-Cluster und jede Sparte, mit der wir vertreten sind, besuchen.
Apropos Sparten: Der Österreichische Skiverband ist Heimat vieler Sportarten von Ski Alpin über Biathlon bis hin zu Skibergsteigen. Wo steht das Team wenige Tage vor Olympia?
In meinen Augen ist das bisher ein sehr erfolgreicher Winter. Mit Ausnahme der Biathlon-Herren waren wir in allen Disziplinen auf dem Podest oder haben Siege gefeiert. Und das ist auch das Ziel und der Anspruch des Österreichischen Skiverbandes: Dass wir in jeder Disziplin mit Glück eine Medaille holen können.
Schlagen sich die Erfolge der ÖSV-Sportler denn auch bei Ihnen im Alltag nieder?
Man spürt auf jeden Fall, dass eine positive Grundstimmung da ist. Ich gehe am Freitag immer auf den Grünmarkt und dort bekomme ich schon ganz gut mit, was die Menschen denken und ob sie zufrieden sind. Da erkenne ich in diesem Winter einen deutlichen Unterschied zu den letzten Jahren.
Gab es denn mitunter auch negative Auswüchse?
Was mir auffällt: Ich habe heuer noch kein einziges negatives Mail bekommen. Vielleicht sind die aber auch alle im Spam-Ordner gelandet. In der Vergangenheit waren schon immer wieder welche dabei. Gerade am Montag, wenn das Wochenende bei den Alpinen nicht sehr erfolgreich war.
Sie haben als Ski-Rennläuferin selbst an Winterspielen teilgenommen. Olympia damals und heute – gefällt Ihnen die Entwicklung, die die Spiele nehmen?
Wie der gesamte Sport haben auch Olympische Spiele über diese Jahrzehnte eine natürliche Entwicklung genommen. Es wäre ja auch ein Wahnsinn, wenn alles gleichgeblieben wäre wie 1988. Natürlich ist Olympia mehr und mehr zum Business geworden, aber den Status, den man als Olympiasieger hat, der ist der gleiche wie eh und je. Man kann meiner Meinung nach aber darüber diskutieren, ob es nicht zeitgemäß wäre, wenn auch bei Olympia ein Preisgeld ausgeschüttet wird.
Mit welchen Herausforderungen ist denn der Österreichische Skiverband im Jahr 2026 konfrontiert?
Es gibt viele Themen, die uns beschäftigen. Natürlich wird man sich die Frage stellen müssen, ob wir als Skiverband alle Sparten noch so abdecken können wie bisher. Vor allem mit dem Aufwand und der Qualität wie bisher. Da müssen wir schauen: Wo gibt es Synergien, wo kann man vielleicht Sparten zusammenführen und optimieren. Ich denke da zum Beispiel an Biathlon und Langlauf. Sonst sind wir im Verband ganz gut aufgestellt und haben uns stabilisiert.
FIS-Boss Johan Eliasch
Themenwechsel: Der ÖSV hatte in der Vergangenheit ein eher unterkühltes Verhältnis zu Johan Eliasch, dem Präsidenten des Weltverbands FIS. Wie ist der Status quo?
Im Moment ist ein bisschen Ruhe eingekehrt, weil es einen regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit Urs Lehmann gibt, dem neuen CEO der FIS. Mit Präsident Eliasch gibt’s wenig Austausch, mit unserem Generalsekretär immer wieder einmal.
Urs Lehmann hat zuletzt mit der Forderung nach mehr Rennen im alpinen Ski-Weltcup aufhorchen lassen. Er will neue Destinationen erobern.
Dieser Vorschlag ist für mich nichts weiter als eine Überschrift. Für mich stellt sich schon grundsätzlich die Frage, wie und ob das überhaupt realisierbar wäre.
Abschließend: Johan Eliasch stellt sich im Mai der FIS-Präsidenten-Wahl. Wird es einen Gegenkandidaten geben?
Wir verhalten uns in diesem Punkt sehr neutral. Aber natürlich kriegen wir die kritischen Stimmen anderer Skiverbände mit, es herrscht immer noch eine gewisse Unzufriedenheit. Das lässt sich auch daran ablesen, dass sich Verbände bei uns melden, ob Österreich nicht vielleicht eine Kandidatin oder einen Kandidaten beim FIS-Kongress stellen könnte.
Wird das passieren?
Diese Frage stellt sich im Moment nicht.
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