Warum ein Ex-ÖSV-Star als FIS-Direktor nicht immer gut schläft
Hannes Trinkl
Das Warten auf einen österreichischen Abfahrtssieg dauert schon 34 Monate. Und damit so lange wie noch nie in der 60-jährigen Weltcupgeschichte. Auch am Lauberhorn und Hahnenkamm sausten die ÖSV-Speedpiloten am Podest vorbei. Einem Österreicher kann dennoch gratuliert werden. Und zwar dem, der vor 25 Jahren bei der Heim-WM in St.Anton dem Hermann Maier Abfahrtsgold weggeschnappt hatte.
Hannes Trinkl ist der FIS-Direktor im Männer-Highspeedbereich. Und als solcher mit in der Letztverantwortung, wenn auf immer härteren Pisten immer athletischer werdende Schneeartisten mit immer schärferen Waffen (Ski, Schuhe, Bindungsplatten) immer mehr riskieren.
Einerseits sollen Rennen nicht zu TV-Langweilern verkommen, andrerseits muss Sicherheit oberste Priorität haben. Diesen Spagat zu schaffen, lässt Trinkl konträr zu seiner aktiven Karriere nicht immer gut schlafen. Dabei gilt der Naturliebhaber als die personifizierte Gelassenheit. Als einer, der die Kälte liebt wie kein anderer. Und der bei minus 10 Grad erst so richtig auftaut.
Frauen im Grenzbereich
Ebenso wie einst jeder seiner sechs Weltcupsiege freut den Oberösterreicher jetzt, wenn kein Läufer einen Rennschauplatz im Rettungshubschrauber verlassen muss. Wie das in Wengen und in Kitzbühel der Fall war. Abseits von Trinkls Einflussbereich, im chilenischen Sommertraining, an der Nebenfront sowie bei den Frauen passierte in letzter Zeit Folgenschwereres. „Weil auch die Frauen ein sehr aggressives Material fahren.“, vermutet Franz Klammer, der bei deren Olympia-Abfahrt am Samstag Vorort-Zeuge in Cortina sein will.
Die Männer werden 24 Stunden später im kurvenreichen, 308 Kilometer entfernten Bormio um Medaillen rasen. Auf der „Stelvio“, auf der Trinkl im Dezember ’93 erstmals in einer Weltcupabfahrt Erster geworden war. Bei zu dieser Jahreszeit irritierend flachem Licht. Im Februar sollten die Sichtverhältnisse besser sein. Ein Mitgrund, der den FIS-Direktor Trinkl zuversichtlich Richtung Bormio blicken lässt.
Davor gilt es in (freiwilliger) Abwesenheit seines OÖ-Landsmanns Vincent Kriechmayr am ersten Februartag nach nur einem Training noch die Weltcupabfahrt von Crans Montana über die Kunstschneebühne zu bringen. Wenn das unfallfrei gelingt, empfände diese Hannes Trinkl als Geburtstagsgeschenk. Am heutigen 1. Februar wird der ehemalige Weltmeister 58 Jahre alt.
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