Kabinenparty mit Trumps FBI-Chef: Entwendung eines Olympiasieges
Ein olympisches Eishockey-Finale zwischen den USA und Kanada ist nie nur Sport - insbesondere in Zeiten Trump'scher Polarisierung. Noch mehr als sonst waren die beiden Nationen zu Erzfeinden hochstilisiert worden, nicht mehr nur sportlich, sondern politisch, gesellschaftlich und ideologisch. Und dann hatte dieses Spiel auch noch alles, was Eishockey zu bieten hat: Tempo, Härte, wechselnde Vorteile, ausgeschlagene Zähne – und eine Overtime.
Jack Hughes wurde mit blutendem Kiefer zum Olympiahelden. Drei Zähne am Eis, einer seiner Brüder mit ihm im Kader, Golden Goal. Zudem hatte seine Mutter nur Tage zuvor mit dem US-Frauenteam Gold geholt. Es ist eine dieser außergewöhnlichen Sportgeschichten, die selbst Zyniker und Uninteressierte kurz innehalten lassen.
Eishockey-Fans feiern das vielleicht beste Spiel, das sie je gesehen haben. Narrative Dichte, sportliche Exzellenz, familiäre Symbolik – die perfekte Dramatik.
Doch dann kippt die Erzählung.
Kabinenparty mit FBI-Chef
Videos tauchen auf: Kash Patel feierte nach dem Schlusspfiff in der Kabine mit. Der FBI-Direktor, ein Mann, der politisch massiv polarisiert und dem Kritiker vorwerfen, die Aufklärung rund um den Jeffrey-Epstein-Komplex zu behindern, tut so, als hätte er Anteil am Erfolg. Er tanzt, lässt sich Medaillen um den Hals hängen und ext Bier.
Dann der Anruf von Donald Trump, die Gratulation, die Einladung ins Weiße Haus – und misogyne Aussagen über das US-Frauenteam, das ebenfalls Gold gewonnen hatte. Er müsse die Frauen auch einladen, sonst riskiere er ein Impeachment. Haha. Kein Widerspruch hörbar. Man sucht genervte oder zumindest fragende Gesichter. Kein sichtbares Unbehagen. Keine öffentliche Distanzierung.
(Das Frauen-Team hat die widerwillige Einladung ins Weiße Haus übrigens bereits abgelehnt. Von den Männern kam zu den Szenen bis Dienstag kein Wort.)
Moment maximaler Sichtbarkeit
Profisportler sind keine gewählten Mandatsträger. Ihre Kernkompetenz ist Performance unter Druck, nicht die politische PR. Aber sie sind auch keine privaten Akteure ohne Wirkungsmacht. Olympiasieger sind Symbolträger. Ihre Bilder, ihre Gesten, ihre stillschweigenden Einverständnisse haben kommunikative Kraft.
Die Frage ist nicht nur, was politische Akteure überhaupt in der Kabine zu suchen haben und warum kein Manager, kein Pressebetreuer dafür sorgte, dass Unbeteiligte vor der Tür bleiben.
Die Frage ist auch, ob in einem Moment maximaler Sichtbarkeit ein Mindestmaß an Haltung erkennbar sein sollte – insbesondere wenn politische Figuren den sportlichen Triumph instrumentalisieren. Schweigen ist keine Neutralität im luftleeren Raum. In einer polarisierten Öffentlichkeit wird es gelesen, interpretiert, eingeordnet - als Zustimmung.
Wer ganz oben auf dem Podium steht, steht nicht nur im Scheinwerferlicht der Arena, sondern im Flutlicht gesellschaftlicher Projektion. Man kann das beste Hockeyspiel aller Zeiten spielen – und trotzdem Teil einer größeren Geschichte werden, die weit über die Eisfläche hinausreicht. Und die - im Gegensatz zur sportlichen Leistung - höchst ernüchternd ist.
Das US-Männer-Hockeyteam hat - gemeinsam mit Trump und Patel - einen Moment zerstört, der für das Land und seine Gesellschaft vereinend wirken hätte können. Gratulation!
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