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Sport Wintersport
02/04/2020

ÖSV-Riesentorlauf-Krise: "Irgendetwas ist da schiefgelaufen"

Eine schlechte Generation, großer Druck und hohe Nummern - warum die Österreicher im Riesentorlauf nicht in Schwung kommen.

von Christoph Geiler

Wenn man jetzt ganz gemein wäre, könnte man sagen: Zum Glück finden in dieser Saison nur mehr vier Herren-Riesentorläufe statt. Somit gibt es für das ÖSV-Team auch nur mehr vier Gelegenheiten, sich erneut bis auf die Knochen zu blamieren. Der Riesentorlauf von Garmisch stellte mit dem 28. Platz von Manuel Feller einen historischen Tiefpunkt für den Skiverband dar. Herren-Chef Andreas Puelacher sprach von einem "schwarzen Tag".

Der Riesentorlauf gilt gemeinhin als die Basisdisziplin des Skisports. Umso erstaunlicher und besorgniserregender ist es, dass der ÖSV gerade in diesem Bewerb elementare Schwächen offenbart, wohlgemerkt nicht bloß bei den Herren. Was läuft schief? Wieso haben die Österreicher gerade im Riesentorlauf diese Riesenprobleme?

  • Großer Druck

Falls tatsächlich ein Trainer geglaubt haben sollte, der Rücktritt von Marcel Hirscher könnte womöglich Energien freisetzen, der muss spätestens jetzt feststellen: Das genaue Gegenteil ist der Fall. Hirscher hat mit seinen Siegen viele eklatante Schwächen überdeckt, nun ist kein Superstar mehr da, hinter dessen breiten Schultern sich die Läufer verstecken könnten. Die öffentliche Kritik, interne Unruhe und der drohende Verlust des Nationencups erschweren die Situation zusätzlich. "Unsere Leute setzen sich zu viel unter Druck", sagt Puelacher.

  • Schlechte Generation

Ganz aus heiterem Himmel kommen die dunklen sportlichen Wolken dann auch wieder nicht. Aktuell gibt es mit Manuel Feller nur einen ÖSV-Läufer, der in seiner Karriere in einem Weltcup-Riesentorlauf schon einmal auf das Stockerl gefahren ist. Roland Leitinger, der Vizeweltmeister von 2017, hat in seiner Karriere gerade einmal fünf Top-Ten-Platzierungen zu Buche stehen, der hochgelobte Stefan Brennsteiner war im Weltcup noch gar nie unter den ersten zehn.

  • Hohe Startnummern

Die Österreicher fahren den Stars in vielerlei Hinsicht hinterher. Kein einziger ÖSV-Läufer gehört im Moment der Top-15-Startgruppe an. Die hohen Startnummern und die dadurch schlechteren Pistenverhältnisse sind allerdings keine Ausrede für Serien-Ausfälle (Brennsteiner) oder fehlerhafte Fahrten.

  • Fehlende Talente

Clemen Noel (FRA, 22), Marco Odermatt (SUI, 22), Alexander Vinatzer (ITA, 20) oder Lucas Braathen (NOR,19) – die ausländische Konkurrenz verfügt über junge Siegertypen und Shooting Stars. Beim ÖSV sucht man solche Senkrechtstarter vergebens. „Wir haben zwischen den Jahrgängen 1998 und 2002 ein Loch“, befindet auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, „irgendetwas ist da in der Entwicklung schiefgelaufen. Ich glaube, dass die Nachwuchsarbeit nicht so gut war, wie sie hätte sein sollen.“

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