© EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE

Sport Wintersport
02/13/2021

Österreichs Hoffnungsträgerin sitzt bei der Abfahrt vor dem TV

Nina Ortlieb gewann als letzte ÖSV-Dame ein Rennen. Doch ein schwerer Sturz samt 13. OP riss sie aus allen Medaillen-Träumen.

von Christoph Geiler

Es hätte das große Wochenende von Nina Ortlieb werden sollen. Alles hatte sie ausgerichtet auf die Ski-WM in Cortina. Doch dann passierte der letzten Österreicherin, die ein Weltcuprennen gewinnen konnte, ein folgenschwerer Sturz. Die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Außenmeniskusriss, Patellarsehnenriss im rechten Knie. Daher ist die 24-jährige Tochter von Abfahrtsolympiasieger Patrick Ortlieb am Samstag bei der Damen-Abfahrt in der Zuschauerrolle.

KURIER: Die wichtigste Frage vorweg: Wie geht’s Ihnen?

Nina Ortlieb: Wenn ich gut sage, dann wäre das übertrieben. Sagen wir: Den Umständen entsprechend. Ich bin langsam auf dem Weg der Besserung.

Was bereitet Ihnen denn Probleme?

Ich habe noch eine ziemliche Schwellung im Knie, und dann kämpfe ich auch noch mit einigen Hämatomen. Ich kann auch den Unterschenkel noch nicht richtig halten und bin gerade nicht so mobil.

Die körperlichen Beschwerden sind das eine, wie geht’s Ihnen psychisch?

Das mental zu verkraften ist schon sehr schwierig. Ich hatte in dieser Saison noch so viel vor. Die WM in Cortina. Man bereitet sich vor, eigentlich das ganze Leben lang – das sind dann schon brutale Rückschläge.

Wie gehen Sie persönlich damit um?

Man muss sich dann halt immer vor Augen halten, dass es weitergeht. Dass es eine nächste Saison gibt, dass noch viele Jahre kommen werden. Es hilft schon einmal, wenn man sich Ziele setzt. Man muss den Blick nach vorne richten.

Verletzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihre Karriere. Haben Sie sich in den letzten Wochen einmal die Frage gestellt: Warum erwischt es immer mich?

Jede Verletzung ist eine zu viel. Mich hat es leider öfter schon erwischt. Das war jetzt schon meine 13. Operation, das sagt auch schon viel. Die Verletzungen sind die brutalsten Rückschläge. Und eigentlich wird man dadurch nicht besser, aber ich muss halt schauen, dass ich aus dieser langen Verletzungspause irgendetwas für die Zukunft mitnehme.

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Zum Beispiel?

Was ich aus dieser Verletzung lerne, ist, dass ich im Training in Zukunft sicher weniger Risiko nehme. Und dass ich körperlich stärker werden muss. Andererseits erwischt es auch Leute wie Aleksander Aamodt Kilde, und dem kann man körperlich sicher wenig Vorwürfe machen.

Haben Sie Ihren Sturz denn analysiert, oder wollten Sie das hinter sich lassen?

Ich habe das schon analysiert. Ich wollte das nicht einfach zur Seite schieben, das hätte mir keine Ruhe gelassen. Mir persönlich hilft das, wenn ich die Gründe und die Fehler weiß. Wahrscheinlich habe ich die Strecke etwas unterschätzt, weil ich dort bis jetzt immer gut gefahren bin.

Wie geht’s Ihnen, wenn Sie die WM-Rennen anschauen? Oder schalten Sie den Fernseher ganz bewusst aus?

Es tut extrem weh. Natürlich tut es das. Gleichzeitig interessiert es mich aber auch sehr. Auch weil ich der Meinung bin, dass man aus dieser Perspektive auch etwas lernen kann, dass einem Dinge auffallen, die man als Athletin vielleicht gar nicht sieht.

Sie haben im letzten Jahr Ihren ersten Weltcup-Sieg gefeiert. Wie sehr hilft das?

Die Erfolge im vergangenen Winter geben mir im Moment schon viel Motivation. Man weiß, warum man sich das antut, man weiß, warum man sich wieder zurückkämpfen will. Man will wieder an die Weltspitze. Und das ist gerade mein Antrieb. Da hilft dieser Sieg enorm. Wenn bis jetzt mein bestes Ergebnis im Weltcup ein 30. Platz gewesen wäre, dann würde ich mich jetzt sicher fragen: Ergibt das noch Sinn, da überhaupt noch weiterzufahren?

Also haben Sie sich nach der 13. Operation nie mit dem Rücktritt beschäftigt?

Das war nicht wirklich ein Thema, ich habe nicht das Gefühl, dass es schon das Ende ist. Sondern eher habe ich das Gefühl, dass ich mein ganzes Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe. Und es kommen noch genug Jahre, in denen ich überzeugen kann – und darauf arbeite ich hin. Dass ich nach dieser Verletzung stärker zurückkomme. Und so alt bin ich noch nicht.

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