© via REUTERS/Thomas Lovelock for OIS/IOC

Sport Wintersport
12/06/2020

Umstrittene Premiere des Monobobs: Der Eiertanz im Eiskanal

Bobpilotinnen fahren neuerdings allein durch den Eiskanal. Nicht alle Sportlerinnen sind Fans dieser neuen Disziplin, die 2022 olympisch wird.

von Christoph Geiler

Katrin Beierl wäre nie in den Sinn gekommen, sich jemals allein in einen Schlitten zu setzen. Ohne Partnerin ist so eine Bobfahrt nur der halbe Spaß. Hätte die Niederösterreicherin wirklich eine Solokarriere angestrebt, dann wäre sie wohl bei der Leichtathletik geblieben und hätte den Eiskanal für immer links liegen gelassen. „Denn Bobfahren ist für mich schon ein Teamsport“, sagt Beierl.

Trotzdem, oder besser: gerade deswegen, hockte sich die 27-Jährige am Samstag in einen Monobob und raste in diesem seltsamen Gefährt im Alleingang die Bahn im deutschen Winterberg hinunter. „Es macht nicht sonderlich Spaß“, gibt Beierl unumwunden zu, aber sie hat gar keine andere Wahl: Wenn sie und ihre Teamkolleginnen ihre Karrieren nicht auf Eis legen wollen, dann muss Pilotin Katrin Beierl fortan auch einen Monobob steuern.

Gleichberechtigung

„Es ist verpflichtend, dass alle Frauen beides fahren: Zweier- und Monobob“, erklärt die Jus-Studentin. „Sonst kriegt man ab der nächsten Saison keinen Startplatz mehr für den Weltcup und darf auch nicht an den Winterspielen teilnehmen.“

Die Idee mit diesen neumodischen Single-Schlitten stammt vom Internationalen Olympischen Komitee. Im Sinne der Gleichberechtigung will man den Frauen im Bobsport beginnend mit den Winterspielen 2022 in Peking ebenfalls zwei Medaillenchancen ermöglichen. Die männlichen Kollegen sind bekanntlich seit Menschengedenken im Zweier- und im Viererbob unterwegs.

Go-Kart

Bei den nächsten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking ist nicht nur der Monobob neu im Programm

Mixed-Wettkämpfe
Frauen und Männer machen in Zukunft häufiger gemeinsame Sache. Mixed-Bewerbe sind im Skispringen, Snowboardcross, Shorttrack sowie im Freestyle-Skiing geplant

Big Air
Weil das IOC vermehrt die jungen Sportfans ansprechen will, setzt man auf die Freeskier. Der Big-Air-Bewerb ist 2022
erstmals im Programm

So lobenswert der Grundgedanke auch sein mag, so befremdlich scheint diese neue Disziplin vorerst noch für viele Athletinnen zu sein. Denn kaum eine Pilotin fährt auch tatsächlich auf diese Monobobs ab. „Man hat das Gefühl, mit einem Go-Kart zu fahren“, meint etwa die deutsche Olympiasiegerin Mariama Jamanka, die kein Hehl daraus macht, dass sie sich nicht aus purer Leidenschaft in den Monobob setzt, sondern aus reiner „Notwendigkeit“, um ihre Zweier-Karriere fortsetzen zu können.

Dass es keine eineinhalb Jahre vor den Winterspielen in Peking in dieser neuen Disziplin praktisch kaum Erfahrungswerte gibt, kommt noch erschwerend hinzu.

Jungfernfahrt

Katrin Beierl bestritt gestern in Winterberg im Rahmen der Monobob World Series ihren ersten offiziellen Wettkampf als Solistin. Wohlfeile 27.000 Euro kostete sie der fabriksneue Monobob, ohne die finanzielle Unterstützung des Sportministeriums hätte sie sich den Schlitten nicht leisten können.

Als die Himbergerin vor wenigen Wochen ihre Jungfernfahrt in ihrem neuen Monobob unternahm, wurde sie gleich einmal mit den Tücken dieses Gefährts konfrontiert. Der Schlitten ist zwar ähnlich lang wie ein Zweierbob, fährt sich durch das geringere Gewicht allerdings ganz anders. „Das ist ein Eiertanz“, sagt Beierl, „der Monobob reagiert extrem sensibel, man muss wirklich sehr genau fahren, sonst rutscht einem der Hintern des Bobs weg.“

Geschwindigkeitsverlust

Die Geschwindigkeiten sind aber deutlich geringer als im Zweierbob. Im Monobob war Katrin Beierl im Schnitt zwischen drei und vier Sekunden langsamer als bei den Fahrten mit ihrer Partnerin Jennifer Onasanya, mit der sie zuletzt beim Weltcup in Sigulda auf Rang zwei gerast war.

Das fehlende Tempo macht sich vor allem im Zielauslauf bemerkbar: Beierl kam bei ihren ersten Fahrten erst gar nicht in die Situation, die Bremse betätigen zu müssen. „Weil man den Auslauf gar nicht hochkommt. Man muss den Bob raufschieben.“

Die Wettkampf-Premiere in Winterberg verlief für die Niederösterreicherin gestern übrigens durchaus zufriedenstellend. Katrin Beierl steuerte ihren Monobob auf den dritten Rang. Aber sie weiß ganz genau: „Der Zweier wird sicher immer meine stärkere Disziplin bleiben.“

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