© Andreas Vigl

Sport Wintersport
11/19/2021

Hoch im Kurs: Die Freestyler stellen den Wintersport auf den Kopf

Mit ihren Sprüngen und Tricks begeistern die Ski-Akrobaten die Fans und erobern Olympia. Mit Matej Svancer hat die Szene einen Jungstar aus Österreich.

von Christoph Geiler

Wenn Martin Premstaller von früheren Zeiten erzählt, dann reist er nicht allzu weit in die Vergangenheit. In dem Sport, dem sich der Mann aus dem Pustertal verschrieben hat, sind zwei, drei Jahre eine halbe Ewigkeit. „Mit Sprüngen, mit denen du 2018 noch gewonnen hast, kommst du heute nicht mehr weit“, sagt der Chefcoach der österreichischen Skifreestyler. „Wir entwickeln uns rasant.“

Lausanne 2020 Winter Youth Olympic Games

Immer größer werden die Rampen, immer spektakulärer die Tricks, immer jünger die Sieger. Augenscheinlich wurde das bereits beim Saisonauftakt in Chur, als Matej Svancer den Big-Air-Bewerb gewann. Und das im zarten Alter von 17 Jahren, bei seinem Weltcupdebüt für Österreich, mit der höchsten Punktewertung (99 von 100 möglichen Punkten), die in diesem Sport jemals vergeben wurden. „Ich war hundertprozentig davon überzeugt: Sobald der Matej in den Weltcup kommt, schlägt er ein wie eine Bombe“, sagt Trainer Martin Premstaller.

Großes Lob

Über den Skiakrobaten aus Prag, der seit heuer die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, erzählt man sich schon seit Jahren wahre Wunderdinge und schwärmt nur in Superlativen. Matej Svancer wird den Freestylesport prägen, sagen die Experten, er werde mit seinen Tricks und Kunststücken in neue Sphären vordringen. „Er ist ein Ausnahmetalent, ein motorisches Wunderkind“, sagt sein Trainer.

Matej Svancer ist all das Lob fast ein wenig unangenehm. Er sieht sich selbst als Teenager, der „einfach nur Spaß haben will“, der plötzliche Rummel um seine Person nach seinem Sensationssieg in Chur hat ihn sichtlich irritiert. „Mich hat’s gewundert, wie viele Menschen das mitgekriegt haben“, meint Matej Svancer.

FIS Freeski Big Air World cup

Der 17-Jährige wird unweigerlich auch die nächsten Tage im Fokus stehen, wenn auf dem Stubaier Gletscher der Weltcup mit einem Slopestyle-Bewerb fortgesetzt wird. Svancer fliegt auf diese Disziplin, weil er nicht – wie im Big Air – nur einen Sprung zum Besten geben darf, sondern im Snowpark aus dem Vollen schöpfen und sein gesamtes Repertoire an Tricks präsentieren kann. „Slopestyle mache ich lieber, andererseits können da auch leichter Fehler passieren.“

Doch Matej Svancer beherrscht die meisten seiner waghalsigen Sprünge und raffinierten Manöver längst aus dem Effeff. Seit die Freestyler im Sommer in sogenannten Banger Parks wie etwa in Scharnitz bei Seefeld trainieren, wurde das Niveau augenscheinlich nach oben geschraubt. Die Athleten landen nach ihren Sprüngen sanft in riesigen Airbags und können somit ihre Tricks perfektionieren.

einen Instagram Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Instagram Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Instagram zu.

„Ich habe zu meiner aktiven Zeit noch nach dem Motto Trial and Error üben müssen“, erinnert sich Cheftrainer Premstaller, der auch erst 35 ist. „Wir haben drei Tage eine Schanze gebaut, haben probiert, ob es geht – und wehe, es ist daneben gegangen. Auf den heutigen Trainingsanlagen kannst du in Tausenden Versuchen einen Sprung einstudieren.“

Große Bühne

Die Fans sind jedenfalls fasziniert von den jungen Wilden, der Weltcupauftakt in Chur fand vor 20.000 Zuschauern statt – eine Kulisse, die sich viele klassische Wintersportarten wünschen würden. „Unser Sport ist nicht nur Sport, sondern auch Lifestyle“, sagt Premstaller.

Das weiß man auch beim Internationalen Olympischen Komitee, das den Ski-Freestylern bei den Winterspielen seit 2014 eine große Bühne bietet. Das wird im Februar in Peking nicht anders sein: Während die Skifahrer, Rodler oder Langläufer ihre Bewerbe im Hinterland austragen, dürfen die Big-Air-Artisten in der chinesischen Hauptstadt auftreten.

Olympia? Peking? Mitfavorit Matej Svancer hat ganz anderes im Kopf. „Die Matura ist mir wichtiger. Zu Olympia kann ich 2026 auch noch“, sagt der Schüler.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.